| 20:35 Uhr

Wenn er klingelt, wird ungerne geöffnet

Menschen, die zahlungsunfähig geworden sind, neigen dazu, dem Problem so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen, sagt Gerichtsvollzieher Volker Konz (46). TV-Foto: Alexander Triesch
Menschen, die zahlungsunfähig geworden sind, neigen dazu, dem Problem so lange wie möglich aus dem Weg zu gehen, sagt Gerichtsvollzieher Volker Konz (46). TV-Foto: Alexander Triesch
Trier. Wer eine Ware oder Dienstleistung erwirbt, muss sie auch bezahlen. Tut er dies nicht, beginnt die Arbeit von Gerichtsvollzieher Volker Konz. Seit zwölf Jahren kümmert sich der 46-Jährige in Trier um Geldforderungen von Gläubigern. Ein schwieriger Job, aber so spannend und interessant, dass er unbedingt noch in die TV-Serie gehöre, schrieb Konz der Redaktion. Alexander Triesch

Trier. Die Arbeit in der Justiz ist für Volker Konz eine Leidenschaft. Seit 2001 ist der 46-Jährige als Gerichtsvollzieher in Trier tätig. Schon sein Vater übte einst diesen Beruf aus. "Ich habe mit allen Gesellschaftsschichten zu tun", sagt Konz. "Und einen Auftrag möglichst ohne Konflikte zu lösen, ist fordernd und interessant."
Als Gerichtsvollzieher ist es unter anderem seine Aufgabe, Geldforderungen von Firmen, Banken, Privatpersonen oder dem Staat gegenüber Schuldnern durchzusetzen. Dabei stellt Konz auch amtliche Beschlüsse zu und versucht, Widerstand zu beseitigen. "Oft sind plötzliche Arbeitslosigkeit oder eine Scheidung der Anlass dafür, dass jemand nicht mehr zahlungsfähig ist", sagt Konz. Ein Vertrag zuviel werde dann schnell zum Verhängnis.
Der Gedanke, Besuch von einem Justizbeamten zu bekommen, gefällt den wenigsten. "Nenne ich meinen Beruf, höre ich oft, dass ich denen, die fast nichts besitzen, auch noch den Rest nehmen muss." Doch Rechnungen müssten in allen sozialen Schichten beglichen werden, sagt Konz. "Ich habe es auch mit Anwälten und Ärzten zu tun."
Seine Arbeit sei vielleicht für die Schuldner unangenehm, aber sie sei wichtig, sagt der Gerichtsvollzieher. "Wenn nicht freiwillig gezahlt wird, muss der Geldanspruch beim Schuldner durchgesetzt werden." Ein rheinland-pfälzischer Gerichtsvollzieher zieht jeden Tag durchschnittlich 1500 Euro für die Gläubiger ein. Bei der Arbeit steht heutzutage die Beschaffung von Informationen im Vordergrund, auch über verdecktes Vermögen. Seit diesem Jahr ist der Gerichtsvollzieher zudem befugt, Auskünfte über Kontoverbindungen oder Fahrzeugdaten einzuholen.
Im Umgang mit den Schuldnern sei der Kontakt meist die erste Hürde, erzählt Konz. "Viele Betroffene neigen dazu, dem Problem solange wie möglich aus dem Weg zu gehen." Die Folge: Briefe und Türen bleiben häufig erstmal verschlossen. Dann muss Konz vermitteln, ohne dass gleich der Schlosser die Wohnung öffnen muss. Dass eine solche Situation eskaliere, sei selten. "Ich erinnere mich an einen Schuldner, der sein Haus anzündete, weil er nicht wollte, dass es zwangsgeräumt wird."
Bei einer Pfändung muss das Nötigste zum Leben in der Wohnung gelassen werden. Die Vorstellung vom strengen Gerichtsvollzieher in Schwarz, der dem Schuldner all sein Hab und Gut wegpfände, entspreche längst nicht mehr der Realität, sagt Konz.
"Mir ist es wichtig, den Schuldner davon zu überzeugen, dass die Sache gemeinsam und ohne Konflikte gelöst werden kann - durch Ratenzahlungen oder eine friedliche Vermittlung zum Beispiel."
In jedem Fall reagiert Konz beruhigend und versucht, einen Konflikt zu vermeiden. "Jeder Schuldner verdient eine faire Behandlung, und das versuche ich ihm vorbehaltlos zu ermöglichen."
Extra

Du vermietest eine Wohnung an ein Ehepaar, das jeden Monat die Zahlungen an dich verweigert. Doch niemand setzt dein Recht auf dieses Geld durch, die Wohnung wird nicht geräumt, du kannst sie nicht mehr nutzen. Du benötigst einen Kredit, doch die Bank möchte dir kein Geld leihen. Sie muss befürchten, dass du, wie jeder andere, das Geld nicht zurückbezahlen wirst. Du verlierst deinen Job, weil das Unternehmen, in dem du arbeitest, seine Dienstleistung nicht mehr verkaufen kann. Es gibt keine Sicherheit mehr darüber, ob Geld überhaupt noch bezahlt wird oder anderweitige Herausgabeverpflichtungen erfolgen. Die gesamte Zivilgerichtsbarkeit ist geschwächt, zugesprochene Rechte können nicht mehr durchgesetzt werden. Protokolliert von Alexander Triesch