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Sehenswürdigkeiten
Wer kennt diese Burg in Trier-Irsch?

Trier-Irsch und sein Wahrzeichen, die Irscher Burg, im Hintergrund. (Von links) Pastor Michael Bollig, Marita Kohl und Gereon Kohl, beide vom Förderverein der Burg, wollen die Bekanntheit des historischen Gebäudes intensivieren.
Trier-Irsch und sein Wahrzeichen, die Irscher Burg, im Hintergrund. (Von links) Pastor Michael Bollig, Marita Kohl und Gereon Kohl, beide vom Förderverein der Burg, wollen die Bekanntheit des historischen Gebäudes intensivieren. FOTO: Ludwig Hoff
Trier. Nur einige Trierer dürften wissen, dass es solch ein Gebäude in Trier gibt. Das will ein Verein ändern.

Gemessen am Bekanntheitsgrad der historischen Gebäude in der Region wird die Burg in Trier-Irsch eher keinen der vorderen Plätze einnehmen. Viele Trierer dürften noch nicht einmal wissen, dass es in dem Höhenstadtteil überhaupt eine Burg gibt, vermutet Gereon Kohl, Vorstandsmitglied des vor Jahren gegründeten Fördervereins Irscher Burg. Eine Vereins-Aufgabe daher: Das historische Erbe einem breiten Publikum bekannt zu machen und es der Nachwelt zu erhalten.

So hat der Verein schon einige Fördergelder an Land gezogen und diese mit eigenen Einnahmen – etwa aus Veranstaltungen – postwendend in die Burganlage gesteckt. Seit 1803 ist die katholische Pfarrei von Trier-Irsch Eigentümerin des ganzen Areals und laut Pastor Michael Bollig überfordert, die finanzielle Mammutaufgabe alleine zu stemmen, wie Bollig unumwunden eingesteht. Vielmehr bedürfe es der Mithilfe vieler. Bollig ist hoffnungsvoll, dass dies gelingt, wenn er an das großartige Engagement der Irscher Bevölkerung in den vergangenen Jahren denkt.

Ein Blick in die Geschichte: Bis ins 16. Jahrhundert reichen die Anfänge der Burg. Ein Stein über dem Portal markiert die Jahreszahl 1587, und auch der quadratische Wohnturm in der Mitte der Anlage und die bis zu 1,20 Meter dicken Mauern an den Fenstern sprechen für ein sehr hohes Alter.

Trotz der stärker auftauchenden Putzschäden an der Fassade, kommt das herrliche Ambiente der Burganlage an diesem Sommertag wunderschön zur Geltung. „Hier ließe sich mehr draus machen“, schwebt Gereon Kohl vor. Das marode Dach des Scheuen-Trakts neben der Hauptburg wurde bereits auf Vordermann gebracht, so dass der Innenraum bei Veranstaltungen (unter anderem Viezprobe, Weihnachtsmarkt) genutzt werden kann. Was viele nicht wissen: An der Stelle der heutigen Pfarrkirche befand sich einst die Probsteischeune (1766).

Für interessierte Besucher wäre es ein Leichtes, die Burg von innen wie außen einmal näher kennenzulernen. Dazu kann (muss aber nicht) der Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, abgewartet werden, wenn die Burg ihre Pforten öffnet. Denn: Bei Interesse werden auch Burgführungen außer der Reihe angeboten, etwa mit Stadtführerin Marita Kohl, die praktisch um die Ecke wohnt. Gleich am Eingang erzählt „Burgfräulein“ Kohl von der Frau des letzten Verwalters, Anna-Maria Bach (gestorben 1801). Ihr Mann, Johann Adam Bach, bereits 1792, war letzter Verwalter der Burg alter Prägung. In grauer Vorzeit war die finanzielle Situation der Burg wahrscheinlich eine bessere als heute.

Die Bewohner von Irsch hatten laut Burgführerin Kohl ganz schön was zu berappen an das Trierer Kloster St. Martin. Ihm diente die Burg als Propstei. Apropos Zwangs-Abgaben von damals: Jeder Irscher habe auf den Tag gerechnet 15 Pfennig als Zehnten zahlen müssen, erzählt Marita Kohl. Bei 365 Tagen summierte sich dies immerhin auf die Zahl 54,75 der damaligen Währung.

Doch dabei blieb es nicht: Hinzu kam ein Malter Korn und zu jedem Weihnachtsfest ein „Rauch-Huhn“, was abzuliefern war. Eine eigens eingerichtete Räucherkammer befand sich unter dem Dachjuche. Um der Bürgerpflicht schließlich in vollem Umfange nachzukommen, reichte auch das noch nicht aus. Marita Kohl: „Jeder Bewohner musste im Jahr neun Tage für die Burgherren arbeiten – ohne Salär versteht sich.“

Ob dabei nur männliche Bewohner gezählt wurden, ist nicht überliefert. Zu der Burganlage gehörten ferner eine Bann-Mühle und ein Bann-Kelter, letzterer am heutigen Weingut Schleimer. Mess-Wein dürfte bei der Wein-Lage „Irscher Schattenhang!“ eher nicht herausgekommen sein, scherzt Pastor Bollig. Und: Diesen Wein zu trinken, könnte durchaus als Strafe empfunden worden sein, die womöglich auch die französischen Besatzer zu Napoleons Zeiten (1794) zu spüren bekommen haben, mindestens als „Gaumenbeleidigung“.

Die Irscher Burg galt der Abtei St. Martin als Gutshof. Dem Abt oder auf dessen Geheiß auch dem Irscher Propst oblag neben der Gutsverwaltung auch die Gerichtsbarkeit.

In Irsch wurde Gericht gesprochen. „Bei kleineren Delikten dürfte der Propst vor Ort tätig geworden sein, bei den größeren, wenn es sie denn jemals gab, den Abt auf den Plan gerufen haben“, vermutet Marita Kohl. Eine Folterkammer ist nicht überliefert. Michael Bollig weiß allerdings von zwei Arrestzellen im oberen Stockwerk, vielleicht für den „Sofortvollzug“ nach einem Urteil. Gegen eine Gerichtsentscheidung anzugehen so wie heute, wird es in der Obrigkeitszeit von damals nicht gegeben haben.

In mehreren Epochen wurde die Burganlage peu à peu erweitert im Laufe der Jahre. Noch aus der Anfangszeit stammt das sehr gut erhaltene Dachgebälk. „Nägel aus Holz“ schauen aus den schweren Balken hervor.

Herrschaftlich mutet der Saal (Kölner Balkendecke) in dem barocken Anbau an mit einem faszinierenden Blick nach draußen auf den von der ursprünglichen Kirche übrig gebliebenen Turm.

Selbst heute noch gut zu erkennen sind die Konturen eines Wassergrabens, der die Burg schützend umgab. Marita Kohl spricht daher sogar von einer Wasserburg.

Irsch und die Burg gehörten zusammen, ist der Förderverein felsenfest überzeugt, denn die Burg stehe seit Jahrhunderten im Mittelpunkt des Ortsgeschehens und bildet das Wahrzeichen des Höhenstadtteils, nicht nur im Wappen.

Sie sei seit Jahrhunderten eine Begegnungsstätte für die Pfarrgemeinde und darüber hinaus. Nicht nur, dass der heimische Kirchenchor hier regelmäßig probt und sich das Pfarrbüro im Gebäude befindet. Zahlreiche Zusammenkünfte von Vereinen und Institutionen fanden und finden in den Räumen der Burg statt – vergangene, wie auch Zeitgeschichte der Gegenwart, wenn man so will.

Die Burg beteiligt sich am Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, und lädt zu Besichtigungen, speziell auch für Kinder, ein. Einfach vorbeischauen in Trier-Irsch. Dort leicht zu finden in der Straße Hinter der Burg, gleich neben der Kirche.