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„Wichtig ist, in erster Linie die Ruhe zu bewahren“: Großübung der Rettungskräfte in Trier

Trier. Was passiert, wenn ein voll besetzter Bus verunfallt und dabei weitere Fahrzeuge mit in den Unfall verwickelt? Mit dieser stark verknappten Ausgangssituation setzten sich am Samstag in einer gemeinsamen Übung Rettungskräfte aus Feuerwehr, Rettungsdiensten und Notärzten in Trier zusammen. [Fotostrecke/Video ] Rolf Lorig

Beteiligt waren Berufs- und Freiwillige Feuerwehren, die schnellen Einsatzgruppen Trier und die Rettungsdiensten im Neukürenzer Burgunderviertel sowie Notärzte, Notfallseelsorger, die Luxemburger Air Rescue und die Leitstelle Trier.

Nebel über Neukürenz: Etwa 100 Schaulustige, die am Samstag die Ankündigung der Übung in der Zeitung gelesen haben, warten gespannt auf den Beginn. Das Szenario verspricht Hochspannung: Der Fahrer eines voll besetzten Busses hat einen Schlaganfall erlitten. Sein Bus rammte mehrere Autos; die darin sitzenden Menschen sind zum Teil verletzt, alle können sich nicht aus eigenen Kräften befreien. Neben einem der Autos liegt mit einem offenen Beinbruch eine junge Frau. Sie schreit durchdringend um Hilfe, ihr ebenfalls schreiendes Baby liegt unter dem Wagen. Ein Auto hat der Bus direkt an eine Stromverteilung gedrückt, ein anderes ist gegen einen Baum gefahren. In dem vollbesetzten Bus rufen blutende Menschen um Hilfe.

Die Übung geht davon aus, dass wegen eines schwachen Handynetzes nur unvollständige Informationen an die Rettungsleistelle kommen und die Versorgung der Verletzten erst über mehrere Einsatzwellen erfolgen kann.
Rund 120 Einsatzkräfte nehmen an dieser Übung teil, deren Drehbuch die beiden Oberbrandmeister Ralf Cordel und Martin Faß geschrieben haben. Nicht zuletzt dank der sehr überzeugend agierenden Statisten erlebt das Publikum in den folgenden eineinhalb Stunden Eindrücke, die keinen Menschen ruhig lassen können. Die Rettungskräfte schlagen sich wacker . Zwar sitzen nicht alle Handgriffe, klappen nicht alle Maßnahmen auf Anhieb. Für den Chef der Trierer Berufsfeuerwehr, Herbert Albers-Hain, ist das aber kein Beinbruch. Schließlich wolle man mit einer Übung Schwachstellen aufzudecken und Handlungsabläufe verbessern.

Sehr zufrieden ist er mit der Umsetzung eines neuen Konzeptes, bei dem die Feuerwehrleute die Rettungskräfte beim Aufbau eines Behandlungsplatzes unterstützen. Helmut Bonerz, der für das Trierer DRK die Übung beobachtet hat, ist begeistert. "Das gibt uns die Möglichkeit, sofort mit der Versorgung der Verletzten zu starten", sagt er. Als ehemaliger Polizist kennt Ortsvorsteher Bernd Michels die besonderen Belastungen bei einem solchen Einsatz: "Am Einsatzort die Ruhe zu bewahren und nicht hektisch zu werden, das hat Priorität." Er weiß, dass es dazu immer neuer Übungen bedarf.

Dem stimmt Feuerwehrdezernent Thomas Egger zu. Ihm hat die Ruhe und Überlegtheit der Einsatzkräfte imponiert: "Sie haben sich erst einen Überblick verschafft und sind dann erst tätig geworden." Wie Albers-Hain begrüßt er, dass man die technische Kompetenz der Wehrleute für den Aufbau des Behandlungsplatzes mit einsetzt. Zwar habe auch er bei den Hilfskräften das ein oder andere beobachten können, über das man später in der Manöverkritik sprechen müsse. Doch sei er mit dem Verlauf der Übung sehr zufrieden, so sein abschließendes Fazit.