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Umweltschutz
„Die Welt muss nicht so bleiben, wie sie ist“

Umweltschützerin Leonie Zang beschenkt zuweilen im Trierer Palastgarten Passanten mit frischem Kopfsalat, der ansonsten weggeworfen worden wäre.
Umweltschützerin Leonie Zang beschenkt zuweilen im Trierer Palastgarten Passanten mit frischem Kopfsalat, der ansonsten weggeworfen worden wäre. FOTO: Katja Bernardy
Trier. Wie die junge Umweltschützerin Leonie Zang aus Trier gegen Müllberge kämpft und für mehr Bewusstsein im Alltag anspornt.

Beim Bummel durch den Trierer Palastgarten kann es Ihnen
passieren, dass Sie auf Leonie Zang treffen. Und es kann passieren, dass sie Ihnen freundlich einen Kopfsalat entgegenstreckt. Ein Geschenk, das die 28-Jährige vor dem Wurf in den Müll gerettet hat und das Sie nun köstlich zubereiten können.
Die Umweltschützerin arbeitet als Logopädin in einem Trierer Krankenhaus, isst vegan, kompostiert fleißig und hat ihre Vollzeitstelle halbiert, um sich ihrem zweiten Standbein, dem von ihr kreierten Projekt „Befrei’ dich vom Müll“, intensiver widmen zu können. Weil ihr dasThema Umweltschutz enorm wichtig ist und sie glaubt, dass es fünf vor zwölf ist.
 Würde man auf einem großen Blatt Papier aufzeichnen, was Leonie Zang alles tut und unterstützt, würden zig Pfeile zu unterschiedlichsten  Aktionen führen: Weltbürgerfrühstück, Pflanzentauschbörse, Workshops, Vorträge, Festivals, Fairteiler, Küche für alle, um nur einige zu nennen.
In der Küche für alle werden Lebensmittel, die Zang und Gleichgesinnte vorab vor der Tonne bewahrt haben, gemeinsam zubereitet und gegessen.
Ihr Catering für Events besteht ebenfalls ausschließlich aus geretteten Lebensmitteln. Damit füllt sie auch Fairteller, Schränke, an denen sich Bürger bedienen können. Etwa mit makellosen Tomaten aus Spanien, die der neuen roten Ware aus Italien weichen müssen oder Äpfel mit einer kleinen Delle, die sie zum Ladenhüter und damit reif für den Müll macht. Zang durchbricht den Kreislauf dieser Wegwerfkultur, regionale Supermärkte und Bauern unterstützen sie.
„Die Welt muss nicht so bleiben wie sie ist“, sagt sie charmant, nie
mit erhobenem Zeigefinger. Sie saugt auf, was sie über Naturwissenschaften, Philosophie oder Wirtschaft hört oder liest.

Zu „Befreie dich vom Müll“ gehört auch, dass sie Vorträge hält beispielsweise zum Thema wie man Müll sparen kann, oder Workshops wie man eigene Deos herstellt, in der eigenen Zwei-Zimmer-Wohnung anbietet.
Auch anderen Workshop-Leitern stellt sie ihre privaten Räume zur
Verfügung – vorausgesetzt das Thema passt zu ihren Idealen. 
Bewusster mit Lebensmitteln und der Umwelt umzugehen, sei dringend notwendig , sagt Zang. Im Restaurant weist sie den Kellner freundlich daraufhin, was Trinkhalme im Meer anrichten können (s. Info) und setzt sich für das Mitbringen von eigenen Gefäßen in Trierer Geschäften ein.

„Seit ich konsequenter lebe, fühle ich mich weitaus wohler“, sagt
sie. Seelisch sei etwas von ihr abgefallen. Etwa der Drang, alles haben zu wollen. „Im Einklang mit den eigenen Werten zu leben, macht
glücklich“, schlussfolgert die Foodsharing-Botschafterin, die das Prinzip „Essen verschenken statt wegwerfen“ verbreitet.
Auch das Verteilen von Kopfsalaten im Palastgarten ist nachhaltig. Wenn Leonie Zang den Salat verschenkt, sind die Passanten erst einmal irritiert: „Huch, ich bekomme etwas geschenkt“.

Zang will irritieren und konfrontieren. Den Beschenkten erklärt sie, dass der gute Salat sonst weggeworfen worden wäre. 
Zurück in den Wald, in Einklang mit der Natur leben, ist eine Möglichkeit, aber die kam für die Triererin nicht in Frage. Mittendrin in ihrer Heimatstadt möchte sie mit anderen dazu beitragen, dass ein neues Bewusstsein entsteht. Ein Herzensanliegen für das sie einen eigenen Beruf erfunden hat.