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Tierschutz
Wieder Protest gegen Tiershow im Zirkus

Der Nashornbulle Tsavo, hier auf einem Pressefoto mit Dompteur Martin Lacey jr., ist einer der Stars im Circus Krone und kommt auch nach Trier.
Der Nashornbulle Tsavo, hier auf einem Pressefoto mit Dompteur Martin Lacey jr., ist einer der Stars im Circus Krone und kommt auch nach Trier. FOTO: privat / Circus Krone
Trier. Circus Krone will im Mai im Trierer Messepark gastieren und seine Stars mitbringen – Pferde, Elefanten, Löwen und ein Nashorn. Die Grünen und der Tierschutzbund sprechen sogar von einem Bürgerentscheid. Es wäre der Zweite in Trier. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Sein Name ist Tsavo. Er ist 38 Jahre alt, arbeitet seit 36 Jahren im Zirkus und wiegt 3,5 Tonnen.  Der imposante Nashornbulle ist einer der Attraktionen in Europas größtem Zirkusunternehmen, dem Circus Krone aus München. Vom 16. bis zum 22. Mai wird Krone im Trierer Messepark gastieren und nicht nur Tsavo mitbringen, sondern laut offiziellem Pressetext auch seine „prachtvollen Raubkatzen in der größten Raubtiershow der Welt“ und seine „gigantische Elefantenherde“. Peter Hoffmann, Mitglied der Fraktion der Grünen im Trierer Stadtrat, fasst seine Sicht der Dinge in einem Satz zusammen: „Das ist der Zirkus-Super-Gau.“

Hoffmann hatte Anfang Dezember eine von den Grünen veranstaltete Podiumsdiskussion moderiert (der TV berichtete),  in der es um eine in Trier immer wieder heiß diskutierte Frage ging: Hat der Mensch das Recht, wilde Tiere einzusperren und zum Vergnügen eines Publikums  in eine Manege zu zwingen?

In der hitzig geführten Debatte stand der Weihnachtszirkus in der Kritik, der Pferde, Hunde und auch Zebras einsetzt. Circus Krone spielt hier in einer völlig anderen Liga und verfügt über ein Portfolio, das in Zirkusfans reine Vorfreude weckt, Tierschützer dagegen aggressiv werden lässt. Löwen, Pferde, sogar Elefanten und ein Nashorn – das werden voraussichtlich weder die Trierer Grünen noch der Tierschutzbund ohne Protest hinnehmen. Auch Aktivistengruppen wie Animal Liberation Trier, die bereits gegen den Weihnachtszirkus protestiert haben, werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Flagge zeigen.

Bereits drei Mal hat die Ratsmehrheit ein generelles Auftrittsverbot für Zirkusunternehmen mit Tierdressuren in Trier abgelehnt. Antragsteller waren die Grünen. „Ich kann noch nicht sagen, ob wir diesen Antrag tatsächlich noch einmal stellen“, sagt Peter Hoffmann. „Wir bekommen im Stadtrat  ja doch keine Mehrheit dafür.“

Die Grünen hoffen aber auf andere Mittel des Protests. Hoffmann wirft ein Stichwort in den Raum, das in Trier im Jahr 2017 enorm an Schlagkraft gewonnen hat – der Bürgerentscheid. Ein solcher hat es im vergangenen Jahr geschafft, einen Stadtratsbeschluss aufzuheben und die Schließung einer Tankstelle in der Ostallee zu verhindern.

„Es gibt Überlegungen, einen Bürgerentscheid anzustreben“, sagt Hoffmann. Nicht allein die Grünen denken darüber nach. „Ein Tierschutzaktivist hat angekündigt, mit einem Bürgerentscheid gegen Wildtierdressuren vorgehen zu wollen.“ Noch gibt es keinen offiziellen Antrag oder gar eine Liste mit Unterstützungsunterschriften.

Ein Tierschutzaktivist in Trier – dieser Verdacht fällt sofort auf Andreas Lindig. Er ist Vorsitzender im Landesverband Rheinland-Pfalz des Deutschen Tierschutzbunds. „Nein, ich bin nicht gemeint“, sagt er auf Anfrage des TV. „Aber ich finde die Idee sehr gut. Ein Bürgerentscheid ist ganz klar eine Option.“ Der Tierschutzbund wolle einen Auftritt des Circus Krone in Trier nicht ohne Protest hinnehmen. „Wir wissen noch nicht genau, was wir machen werden. Krone ist bekannt für Eskalationen im Tierschutzbereich und steht für den Zirkus von gestern.“

Das Unternehmen Circus Krone hat mit solcher Kritik offensichtlich Erfahrung und scheint für diese Diskussion gerüstet. Schon ein näherer Blick auf die Homepage unter www.circus-krone.de zeigt eine Masse an Texten, Fotos und Dokumentationen, in deren Mittelpunkt die Tierdressuren stehen. Eine der zentralen Aussagen: „Alle Tiere des Circus Krone befinden sich in einem hervorragenden Pflege- und Ernährungszustand. Der gute Zustand der Krone-Tiere ist nicht zuletzt auf die tiermedizinische Betreuung durch zwei renommierte Tierärzte und einen orthopädischen Hufschmied zurückzuführen.“

Frank Keller ist der Tierschutzbeauftragte des Unternehmens. „Wir stellen uns gerne jeder Diskussion“, sagt er. „Gehegegröße, Futter, Beschäftigung, ärztliche Versorgung und alle weiteren rechtlichen Leitlinien werden genau umgesetzt und in vielen Fällen sogar übertroffen.“ Keller betont, Circus Krone werde regelmäßig von den Veterinärämtern der Städte kontrolliert, in denen das Unternehmen gastiert. „Es gibt keinen einzigen Schweinezüchter oder Rinderhalter, der so oft und so genau kontrolliert wird wie wir.“

Die Stadt Trier hat die Lage laut Mitteilung von Pressesprecher Michael Schmitz noch nicht abschließend juristisch prüfen können. „Tendenziell gehen wir aber davon aus, dass die Stadt rechtlich gesehen gar kein Auftrittsverbot für eine bestimmte Art von Zirkus verhängen kann“, sagt Schmitz. „Dazu gibt es ja auch eine umfangreiche Rechtsprechung. Damit wäre auch ein Bürgerbegehren in der beschriebenen Art und Weise unzulässig, denn man kann die Stadt nicht per Bürgerbegehren zu einem rechtswidrigen Handeln auffordern.“ Das Rechtsamt werde dies aber noch eingehender prüfen, „weil auch eine Anfrage einer Stadtratsfraktion vorliegt“. Das Ergebnis der Prüfung werde  frühestens im März vorliegen.

Circus Krone wird wohl definitiv nach Trier kommen und seine tierischen Stars mitbringen. Das kann ein Bürgerentscheid, wenn er denn rechtlich möglich sein sollte, nicht mehr verhindern, denn der Vertrag mit dem Zirkusunternehmen über den Auftritt im Mai ist längst geschlossen und gilt. Der Bürgerentscheid könnte aber regeln, wie die Stadt in Zukunft mit dem Thema umgeht.