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Kriminalität
Giftköder: Wenn der Spaziergang zur Gefahr wird

Riecht ja interessant hier: Auf unserem Symbolfoto schnüffelt sich Border Collie Mumpitz durch sein Revier.
Riecht ja interessant hier: Auf unserem Symbolfoto schnüffelt sich Border Collie Mumpitz durch sein Revier. FOTO: dpa / Maurizio Gambarini
Trier/Longuich. Wieder stirbt ein Hund durch einen Giftköder. Vom Täter gibt es keine Spur, die Familie ist verzweifelt. Nur wenige Betroffene erstatten Anzeige, aber eine Tierärztin sagt: Diese Fälle häufen sich. Von Jörg Pistorius
Jörg Pistorius

Christiane Golba aus Quint geht Ende September mit Hugo spazieren, ihrem zehn Jahre alten Appenzeller-Mischling. Sie wählt ihre Standardroute über die zwei Bauernhöfe in Quint hoch zum Waldrand und wieder zurück.

„Wir sind dieses Mal nicht den Rundweg gegangen, da ich den Kinderwagen dabei hatte und der Waldboden vom Sturm mit Ästen bedeckt war“, erzählt sie dem TV. Auf dem Maisfeld spielt sie mit Hugo Stöckchen. Der Hund verhält sich völlig normal. „Mir ist dabei nichts aufgefallen.“

Doch in der Nacht wird Hugo krank. „Er hat erbrochen“, erzählt Christiane Golba. Als der Hund am nächsten Tag apathisch wird und auch nicht mehr isst und trinkt, fährt die Familie mit ihm in die tierärztliche Praxis zur römischen Villa in Longuich. „Schweren Herzens ließen wir ihn dort, damit er mit Infusionen versorgt werden kann“, schildert die Hundebesitzerin. „Wir machten mit der Tierärztin aus, dass wir ihn am Abend wieder abholen würden.“ Dazu kommt es nicht.

In der Tierarztpraxis beginnt Hugo zu krampfen und erleidet einen epileptischen Anfall. Alle Versuche, ihn zu stabilisieren, haben keinen Erfolg. Leber und Nieren versagen. Die schlimmsten Befürchtungen der Familie werden zur Wahrheit. „Um ihn nicht weiter zu quälen, stimmten wir zu, ihn einzuschläfern.“

Christiane Golba ist sich sicher: „Unser Hund ist vergiftet worden.“ Der vergiftete Köder sei entweder entlang des Spazierwegs in Quint ausgelegt oder auch im Garten der Familie platziert worden. „Es ist leider nicht möglich, das genau zu lokalisieren und festzustellen.“

Der Verdacht, ein Unbekannter habe Hugo vergiftet, wird durch die Diagnose der Tierärztin in Longuich erhärtet. Sie bestätigt der Familie schriftlich, dass der Hund „deutliche Hinweise auf eine Vergiftung“ gezeigt habe und „aufgrund starker Verschlechterung“ eingeschläfert werden musste.

Die Familie erstattet Anzeige. Wer Giftköder auslegt und damit ein Tier verletzt oder tötet, macht sich nach dem Tierschutzgesetz strafbar und kann wegen Tierquälerei und Sachbeschädigung angeklagt werden (siehe Info „Die Rechtslage“). Neben dem strafrechtlichen Verfahren kann ein betroffener Tierhalter auch zivilrechtlich klagen und die Erstattung von Behandlungskosten sowie Schmerzensgeld fordern. „Im Jahr 2018 wurden bisher fünf entsprechende Strafanzeigen in der Stadt Trier und dem Kreis Trier-Saarburg bearbeitet“, sagt Karl-Peter Jochem, Sprecher des Polizeipräsidiums Trier.

Doch nicht jeder betroffene Hunde- oder Katzenhalter geht zur Polizei oder erkennt die plötzliche fatale Erkrankung seines Tieres als Symptome einer Vergiftung. Ulla Tonner, Tierärztin der Praxis zur römischen Villa in Longuich, spricht offen über das schwere Thema.

„Insgesamt haben wir leider einen Fall pro Monat auf das ganze Jahr gesehen“, sagt die Veterinärin. „Manchmal häufiger, manchmal weniger. Genaue Zahlen sind schwierig, da sich Vergiftungen oft nicht zu 100 Prozent beweisen lassen.“

Generell ist sich Ulla Tonner sicher: „Insgesamt ist es leider so, dass sich die Fälle gerade in den letzten Monaten häufen und man öfters Tiere aus den gleichen Gebieten mit ähnlichen Vergiftungssymptomen vorgestellt bekommt.“ Auch im Kreis Trier-Saarburg gab es in den letzten Jahren immer wieder Fälle dieser Art (siehe Info „Weitere Fälle aus der Region“).

Die Tierärztin betont: „Für den Tierhalter ist es oft schwierig, eine Vergiftung zu erkennen, da es beim Auftreten von Symptomen leider oft schon zu spät ist. Symptome sind oft Durchfall und Erbrechen, beides mit oder ohne Blut, sowie plötzliche Apathie und Schwäche.“

Wie kann ein Tierhalter eine Vergiftung verhindern? „Vorsorge ist wichtig“, sagt Ulla Tonner. Das heißt: Der Hund darf während des Spaziergangs nichts aufnehmen und fressen. „Jeder Tierbesitzer sollte direkt handeln, wenn er bemerkt, dass sein Tier etwas aufnimmt, indem er sofort beim Tierarzt vorstellig wird.“