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Rettungsdienst
Mehr als nur Pflaster aufkleben

Mehr als nur Wund-Pflaster kleben macht die Arbeit beim DRK Trier aus. Bei dieser Übung wird dem „Verletzten“ ein Kopfverband angelegt. Auch Blutdruckmessen gehört zur Erstversorgung.
Mehr als nur Wund-Pflaster kleben macht die Arbeit beim DRK Trier aus. Bei dieser Übung wird dem „Verletzten“ ein Kopfverband angelegt. Auch Blutdruckmessen gehört zur Erstversorgung. FOTO: LH
Trier. „Wir helfen gern!“ lautet ein Motto beim Deutschen Roten Kreuz Trier. In diesem Jahr feiert es 150. Geburtstag. Von Ludwig Hoff

„Was wollt Ihr denn heute machen“, fragt Roby Radica (33) in die Runde, um die  Interessenlage bei der Jugend-Rot-Kreuz-Abteilung (JRK) des Stadtverbandes zu erkunden. „Auf den Rummel gehen“, ruft Justus Zinner. Mit Rummel meint der Neunjährige den Messepark ganz in der Nähe des Pi-Parks in Trier-Euren, wo unlängst der Stadtverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) seine neue Bleibe bezogen und sich im neuen „Rot-Kreuz-Zentrum“ mittlerweile bestens eingelebt hat.

Es war ein steiniger Weg in der 150-jährigen Geschichte des DRK. Umständlich bis zu sehr beschwerlich sei es gewesen, von drei verschiedenen Standorten aus zu agieren, erinnert DRK-Vorsitzender Adolf Lorscheider.

Am 11. November 1867 schlug die Geburtsstunde für das DRK in der Stadt als „Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz für die Stadt und den Bezirk Trier“, wie es damals hieß.

Name und Begrifflichkeiten haben sich geändert im Laufe der Jahrzehnte, bei der Kernaufgabe indes ist es geblieben: ehrenamtliches Helfen, um in Not geratenen Menschen in schweren Stunden beizustehen. Dieses Helfen hat nur ein anderes Gesicht bekommen als etwa zu Kriegszeiten (Kinderverschickungen in weniger kriegsgefährdete Gebiete), oder als nach dem Zweiten Weltkrieg vom DRK auf dem Augustinerfreihof das „Schweizer Dörfchen“ unterhalten wurde, um Care-Pakete an die notleidende Bevölkerung zu verteilen.

Doch zurück zum DRK-Nachwuchs, auf dessen Förderung sehr großen Wert gelegt wird: „Offene Wunden richtig versorgen“ steht als ein Thema auf dem Stundenplan der wöchentlichen Gruppenstunde. Mit Feuereifer sind die jungen Leute bei der Sache, drängen gerade dazu, selbst Hand (am Verletzten) anzulegen. Weil die „Verletzungen“ mit Farbe und weiteren Utensilien ziemlich wirklichkeitsnah geschminkt werden. JRK-Gruppenleiter Leo Kotljarevskij (20) hat sich eigens dafür ausbilden lassen. Er war bis vor wenigen Jahren selber noch JRK-Mitglied – und blieb danach „bei der Stange“, was verständlicherweise sehr gerne gesehen wird von offizieller Seite. Denn: Sehr viel Herzblut wird in die Nachwuchsarbeit gesteckt.

„Eine zentrale Herausforderung für den Fortbestand der Organisation“, wie der erste Vorsitzende, Adolf Lorscheider, betont. Der sieht ein geändertes Verhalten in der Bevölkerung: projektbezogenes Helfen ja, aber sich dabei nicht allzu sehr einbinden lassen in Ehrenämter.

Auch Lorscheider hat einst den klassischen Weg über das JRK eingeschlagen „durch den jüngeren Bruder.“ „Mir gefiel die Gemeinschaft und die Aufgabe, anderen zu helfen, auf Anhieb. Also bin ich geblieben.“ Später konzentrierte er sein Engagement vom aktiven Dienst mehr hin zur Vorstandsarbeit. Über Schatzmeister und zweiten Vorsitzenden wurde er zum Vorsitzenden gewählt.

2009 markierte ein wichtiges Jahr: Die bisher eigenständigen Kreisverbände Trier-Saarburg und Stadt Trier fusionierten zum DRK-Kreisverband Trier-Saarburg. Seitdem führt das städtische Rote Kreuz die Bezeichnung DRK-Stadtverband Trier mit konzentrierten Aktivitäten auf das Ehrenamt. Zentral für Landkreis und Stadt sind im Pi-Park untergebracht die Abteilungen Essen auf Rädern, Sozialstation, Pflegestützpunkt und Bildungswerk.

Unzählige Veranstaltungen im Jahresablauf werden vom DRK begleitet, seien es die vielfältigen Sanitätsdienste in der Arena oder Europahalle oder Großveranstaltungen wie etwa das Trierer Altstadtfest. 40 Aktive (zwei Drittel männlich, ein Drittel weiblich) gehören derzeit dem DRK an, die es jährlich  auf gut und gerne 2000 freiwillige Einsatzstunden bringen.

Nicht wenige Aktive kamen über das JRK. Ein Problem: Wenn junge, erwachsene Mitglieder wegziehen, etwa um auswärts zu studieren. Die Fluktuation sei nicht zu unterschätzen. Mal andersherum ging es dem Trierer DRK mit Lukas Weber (25), der an der Trierer FH studiert und schon beim DRK in seiner pfälzischen Heimat aktiv war: „Hier in Trier habe ich meine Blaulicht-Aktivitäten sogar noch gesteigert“, lobt er die „verschworene“ DRK-Gemeinschaft. „Es macht sehr viel Spaß.“

Auch DRK-Fremde seien als Seiteneinsteiger stets willkommen, wirbt Bereitschaftsleiter Laurent Lampach (33) mit Blick auf Großereignisse wie etwa die jüngsten Evakuierungen bei Bombenfunden, wenn jeder gebraucht werde.

Ohne Arzt läuft beim DRK überhaupt nichts. Diesen Part besorgt Dr. med. Iris Burkhardt (43), gefragte Ansprechpartnerin auch in der JRK-Ausbildung. Auf das Konto der Nachwuchsförderung würden im Jahr einige 100 freiwillige Stunden verbucht, unterstreicht JRK-Leiterin Maggie Hans (53). Mit Erfolg: „Die Kinder und Jugendlichen entwickeln ein starkes Gruppengefühl, halten zusammen und sind stark untereinander.“ Dinge, die auch im späteren Leben und außerhalb vom DRK durchaus wichtig seien.

Mit 16 können die JRKler in den aktiven Dienst wechseln und sich dort zum Sanitäter oder gar Rettungssanitäter ausbilden lassen. Für an Technik Interessierte bietet das DRK mit seiner Schnellen Einsatzgruppe (SEG, unterstützt den Regelrettungsdienst bei größeren Schadenslagen), der Katastrophenschutz-Abteilung (50 Behandlungsplätze) mit technischem Großgerät oder der Wasserwacht mit zwei Motorbooten nicht gerade wenig.

Ein gutes Nervenkostüm braucht es beim DRK mitunter auch. So erinnern sich die Aktiven daran, wie es vor einigen Jahren hieß: „Geht mal dahin gucken!“ Doch beim Gucken blieb es nicht: Vor Ort stellte sich heraus, dass jemand aus dem zweiten Stock eines Hauses gestürzt war und sich dabei erheblich verletzt hatte.

DRK-Bereitschaftsärztin Dr. med. Iris Burghardt. Foto: Ludwig Hoff
DRK-Bereitschaftsärztin Dr. med. Iris Burghardt. Foto: Ludwig Hoff FOTO: LH