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Kunst
Wo Buchdruck die „schwarze Kunst“ ist

Ausstellerin Anna Käse aus Werl zeigt ihre Radierungen auf der Trierer Buchkunstmesse „Schwarzmarkt“, darunter auch ihre eigene Leitfigur, den „Schmetterfanten“.
Ausstellerin Anna Käse aus Werl zeigt ihre Radierungen auf der Trierer Buchkunstmesse „Schwarzmarkt“, darunter auch ihre eigene Leitfigur, den „Schmetterfanten“. FOTO: TV / Friedhelm Knopp
Trier. Die dritte Trierer Buchkunstmesse „Schwarzmarkt“ war am Wochenende Treffpunkt für Freunde der handgefertigten Grafik.

„Die Resonanz ist wieder hervorragend. Diese Messe beginnt sich zu etablieren, und wir werden auf jeden Fall in zwei Jahren wieder herkommen“, sagt Mitorganisator Edy Willems aus Zewen, als der Trierer „Schwarzmarkt“ in der Europäischen Kunstakademie in die Endrunde geht. Präsentiert und zum Kauf angeboten werden Bücher, Grafiken und Objekte, die es nicht im üblichen Handel gibt. Bücher sind ein vielfältiges Medium – den Formen, Formaten und der grafische Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt. Das erkennt der Besucher jeder Buchhandlung.

Dennoch haben weit über 90 Prozent aller Bücher heute eine entscheidende Gemeinsamkeit: Sie sind Massenerzeugnisse in Großauflage. Wer dagegen das besondere Buch sucht – vielleicht sogar als Unikat – der muss sich in Kunstkreisen umschauen, wo Bücher und andere grafische Werke in Handarbeit entstehen. Dabei kommen die traditionellen Techniken wie etwa Holzschnitt, Hoch- und Tiefdruck oder die Kalligrafie zur Geltung.

Ein Forum für diese Buchkunst bietet die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Stadtbibliothek Trier mit ihrer Handpressenmesse „Schwarzmarkt“, die am Wochenende zum dritten Mal seit 2012 in der Europäischen Kunstakademie stattfindet. Ähnliche Angebote gibt es in Berlin, Mainz, Hamburg und München. Und im zweijährigen Wechselturnus präsentieren Trier und die Partnerstadt Weimar ihre Kunstbuchmessen. An zwei Tagen zeigen die 50 Ausstellerinnen und Aussteller eine erstaunliche Ideenvielfalt, die vom Designobjekt bis hin zum Kinderbuch reicht. Eröffnet wird der „Schwarzmarkt“ 2018 am Samstag durch den Schirmherrn, den Trierer Kulturdezernenten Thomas Schmitt. Grußworte sprechen Josef-Peter Mertes als Vorsitzender des veranstaltenden Vereins und Kunstakademie-Leiterin Gabriele Lohberg.

Für die musikalische Begleitung sorgt die Trierer Pianistin und Komponistin Sarah Wendt. Entspannte und zufriedene Mienen bestimmen das Bild, als sich die Messe am Sonntag dem Ende zuneigt. Die Mitglieder vom Organisationsteam, Edy Willems, David Pensé, Hiltrud Faßbender, Sabine Thornau, und Sven und Claudia Schmeling, sind zufrieden. Bernhard Müller, der Initiator der Messe, kann aus Gesundheitsgründen nur kurz vorbeischauen.

Viele der Aussteller aus Deutschland, Luxemburg und der Schweiz sind zum zweiten und dritten Mal nach Trier gekommen. Aber auch die Neulinge zeigen sich im Gespräch mit dem TV von der Örtlichkeit und dem Publikum überzeugt. So etwa Anna Käse aus Werl mit ihrer Präsentation „Kunst für Freunde“. Für ihre Radierungen hat sie eine eigene Leitfigur geschaffen, den „Schmetterfanten“, der Elefant, der lieber ein Schmetterling wäre.

„Eine sehr schöne Fachmesse, auf der man viel entdecken kann. Da ist für jeden etwas dabei“, sagt die junge Künstlerin. Eine Kollegin habe sie auf die Trierer Veranstaltung hingewiesen – und sie wolle wiederkommen.

Auch über einen Kollegen nach Trier gekommen ist Siegfried Kaiser aus Fellbach bei Stuttart. Er arbeitet bei seinen Büchern viel mit Holzschnitt und Kalligrafie. Seine Werkstatt betreibt er mehr aus Liebhaberei. Auch er will wiederkommen, schon „weil mir die Stadt Trier gefällt.“

Nur mit Holz statt Papier arbeitet Ivon Illmer aus Osnabrück – das Ergebnis sind dekorative Holzobjekte in Buchform. Sein Kommentar zu Trier und der Messe: „Schönes Ambiente und viele nette Leute.“ Richtige Trier-Fans sind die Kunstbuchverleger Marlies und Thomas Müth aus Sonsbeck am Niederrhein. Sie seien schon öfter als Besucher in Trier gewesen. Müth: „Trier ist kein No-Name-Ort für so eine Messe.“