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Stadtentwicklung
12,5 Millionen Euro fürs Martinskloster

Dieser Anblick der Wohnanlage Martinskloster ist bald Vergangenheit. Der Betonkomplex (rechts) verschwindet 2019 von der Bildfläche und wird durch einen Neubau erst.
Dieser Anblick der Wohnanlage Martinskloster ist bald Vergangenheit. Der Betonkomplex (rechts) verschwindet 2019 von der Bildfläche und wird durch einen Neubau erst. FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund
Trier. Das Studi-Wohnheim am Moselufer wird zur Großbaustelle. Ein innovativer Neubau ersetzt den Betonkomplex, und der historische Westflügel am Moselufer erhält eine Runderneuerung. Doch erst müssen Archäologen ran.
Roland Morgen

Meist gibt es einen triftigen Grund, ein Haus abzureißen. Im Falle des so genannten Plattenbaus der Wohnanlage Martinskloster listet Andreas Wagner, Geschäftsführer des Studierendenwerks Trier, derer gleich vier auf.  „Wir verabschieden uns leichtens Herzen von dem Komplex. Aus wirtschaftlichen, städtebaulichen, energetischen und ästhetischen Gründen.“ Alleine schon das Ästhetik-Argument  hat viel Charme. Der 1971 errichtete Plattenbau passt wie die Faust aufs Auge zum Altbau der Wohnanlage nahe der Kaiser-Wilhelm-Brücke. Er überragt den direkt an der Moseluferstraße gelegenen historischen Trakt von 1626 und entspricht auch in seinem ganzen Erscheinungsbild nicht mehr dem, was man heute als städtebaulich sinnvoll und in direkter  Nachbarschaft zu einem bedeutenden Denkmal zumutbar erachtet.

„Aber er ist auch ein großer Energiefresser, der an allen Enden und Ecken zu bröckeln beginnt“, sagt Wagner. Von einer Runderneuerung  sieht das Studiwerk als Betreiber der Trierer Studentenwohnheime ab und baut lieber gleich neu. Und spart damit sogar Geld. Denn eine Kernsanierung würde wohl teurer ausfallen. Der Nachfolgebau, geplant von der Architektengruppe Stein Hemmes Wirtz (Kasel),  ist mit zehn Millionen Euro veranschlagt und soll in einer innovativen Hybridbauweise entstehen, die die Vorteile der Werkstoffe Holz und Beton miteinander verbindet und laut Wagner „viele Finessen“ bietet. So werde es kein Lüftungssystem fürs gesamte Gebäude mehr geben, sondern Einzellüftung für jedes der 120 Appartements.

Der Projekttitel „Haus am Baum“ spielt auf den eigentlichen Star des gesamten Ensembles an: die Rotbuche im Innenhof, die noch 50 Jahre mehr auf dem Buckel hat als der Klosterflügel und einer der ältesten Bäume Triers ist. Stimmt der Verwaltungsrat, der am 2. März tagt, dem bislang größten Studiwerks-Projekt zu, dann werde umgehend per EU-weiter Ausschreibung ein Generalunternehmer gesucht.

Der Bau-Zeitplan sieht so aus: Nach Auslaufen der letzten Mietverträge soll im März 2019 die Demontage des Plattenbaus beginnen und rechtzeitig vor Wintersemesterbeginn 2020/21 der Neubau bezugsfertig sein. Die Vorbereitungen starten jedoch bereits in wenigen Wochen. Von Frühjahr bis Herbst graben Archäologen des Rheinischen Landesmuseums im Bereich des Grünstreifens zwischen Plattenbau und Ausoniusstraße. Dort dürften Überreste der Kirche des Benediktinerklosters St. Martin zum Vorschein kommen. Die Abtei wurde im sechsten Jahrhundert gegründet und fiel 1802 Napoleons Säkularisation (Verstaatlichung kirchlicher Besitztümer) zum Opfer. Eine weitere Grabungskampagne steht für Herbst 2019 an der Stelle des dann von der Bildfläche verschwundenen Plattenbaus auf dem Programm.

 Vom einstmals  großen Klosterbering überdauerte nur der Westflügel, der heute 37 Studi-Wohnungen beherbergt. Und auch dieses fast 400 Jahre alte Gebäude wird in absehbarer Zeit zur Großbaustelle, da eine Generalsanierung fällig ist. Der Kostenpunkt (2,5 Millionen Euro) steht in etwa fest, der Zeitplan noch nicht.

Auf einem Blick: So wie auf diesem Modell sollen das historische Martinskloster und die neue Wohnanlage aussehen.
Auf einem Blick: So wie auf diesem Modell sollen das historische Martinskloster und die neue Wohnanlage aussehen. FOTO: Roland Morgen / Medienhaus Trierischer Volksfreund