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Wohnprojekt für Flüchtlinge: Viele Vorbehalte und ein brennendes Problem in Mariahof

Voller Pfarrsaal in Mariahof bei der Bürgerinformation zum Thema flüchltinge.
Voller Pfarrsaal in Mariahof bei der Bürgerinformation zum Thema flüchltinge. FOTO: Frank Göbel
Trier-Mariahof. Drei Mehrfamilienhäuser mit etwa 30 Wohnungen für Flüchtlinge will die Stadt Trier auf der freien Fläche neben dem Gut Mariahof bauen. Die Bürgerinformation dazu war geprägt von Kritik und Misstrauen. Grund dafür sind aber weniger die Flüchtlinge. Rainer Neubert

Es werde ein emotionaler Abend, hatte Ortsvorsteher Jürgen Plunien vermutet. "Kein Thema wird hier derzeit so stark diskutiert." Auf der überwiegend als Parkplatz genutzten 3000 Quadratmeter großen Fläche neben dem Hofgut Mariahof sollen noch in diesem Jahr drei zwei- bis dreigeschossige Mehrfamilienhäuser entstehen, in denen zunächst vor allem Flüchtlinge wohnen. Dass Plunien mit seiner Einschätzung richtig lag, wurde schnell klar. Denn der Pfarrsaal reichte am Dienstagabend trotz etlicher Stehplätze nicht, um alle Interessierten zu fassen. Auch vor den Scheiben des Gebäudes harrten etliche Mariahofer aus, um - dank gekippter Fenster - zumindest etwas von der Präsentation und der intensiven Diskussion mitzubekommen.
Wie 14 Tage zuvor bei einer ähnlichen Veranstaltung in Tarforst/Filsch (TV vom 14. Januar) wurden Sozialdezernentin Angelika Birk und Baudezernent An?dreas Ludwig von Amtsleitern und Mitarbeitern unterstützt, um möglichst alle Rückfragen kompetent beantworten zu können. Sie wussten, warum der Abend in Mariahof anstrengend sein würde: 122 von 700 städtischen Sozialwohnungen befinden sich in dem Höhenstadtteil, in dem Menschen aus 23 Nationen leben. Die Mehrfamilien- und Hochhäuser sind zu einem großen Teil in sehr schlechtem Zustand. Dass sich daran auch nach mehrfachen Zusagen der Stadtverwaltung in den vergangenen fünf Jahren nichts geändert hat, frustriert die Bewohner und deren Nachbarn zutiefst.
"Wir bringen Ihnen auch konkrete Überlegungen zu Sanierungsmaßnahmen für diese Wohnungen mit", versuchte Sozialdezernentin Angelika Birk deshalb vorab, die Wogen zu glätten. Im März werde der Stadtrat über das Sanierungsprojekt entscheiden. Bis 2018 sollen dann alle Gebäude fertig sein.
Bereits Anfang 2017 werden nach dem Zeitplan der Stadt allerdings die ersten Flüchtlinge in die neuen Sozialwohnungen neben dem Gutshof einziehen. Das birgt die Gefahr von Unmut und Neid, was sich auch in manchem Zwischenruf und Kommentar an diesem Abend manifestierte. Auch die Angst vor Flüchtlingen und einem neuen sozialen Brennpunkt war greifbar. "Was hier passieren soll, ist keine Massenunterkunft, sondern Integration", versicherte Angelika Birk.
Ob die drei geplanten Gebäude aus Holz oder massiv gebaut werden, ist noch offen. In jedem Fall sollen sie aus variablen Einzelmodulen entstehen und den Vorgaben des hochwertigen sozialen Wohnungsbaus entsprechen. Die Untergeschosse der Häuser, die nach den ersten Entwürfen im rechten Winkel zur Fassade des Hofguts errichtet werden, sind barrierefrei. Eine spätere Nachrüstung mit Aufzügen für die Obergeschosse ist möglich. Insgesamt werden maximal 40 Prozent der Planfläche bebaut. Grünflächen und Parkplätze entstehen auf dem Rest des Areals. Parkplätze für die Besucher des Mattheiser Walds sollen nach Angaben der Stadtverwaltung in der 30 Meter breiten Trasse neben dem historischen Gut angelegt werden. Dort könnte später die Erschließungsstraße zu einem ebenfalls heftig umstrittenen Neubaugebiet Brubacher Hof verlaufen. Eine Vorentscheidung dafür sei durch diese Trasse nicht gefallen, versicherte Baudezernent Andreas Ludwig.

Extra Ortsbeirat

Nach der Bürgerversammlung hat der Ortsbeirat Mariahof bis kurz vor Mitternacht getagt und in geheimer Abstimmung mit neun Ja-Stimmen, einer Gegenstimme und einer Enthaltung den Vorschlägen der Stadtverwaltung zugestimmt, auf dem Tarforster Plateau und in Mariahof Wohnungen für Flüchtlinge zu bauen. Gleichzeitig wurde die Verwaltung aufgefordert, Belange des Stadtteils zu prüfen. Am Freitag befasst sich der Steuerungsausschuss mit dem Thema. Über den Grundsatzbeschluss abstimmen wird der Stadtrat Trier am Dienstag, 2. Februar.

Meinung

Schlechte Vorzeichen

Nach der Bürgerversammlung bleibt ein mulmiges Gefühl. Ist die Fläche neben dem Hofgut tatsächlich eine gute Wahl für Flüchtlingsunterkünfte, die sich an den hochwertigen Anforderungen des sozialen Wohnungsbaus orientieren? Angesichts des maroden Zustands vieler städtischer Wohnungen in dem Höhenstadtteil birgt das sozialen Sprengstoff. Zumal das Versprechen der Verwaltung, die üblen Mängel schnell zu beseitigen, mehr als fünf Jahre her ist - getan hat sich wenig.
Eine möglichst schnelle und gute Integration der Flüchtlinge in Trier ist das erklärte Ziel von Verwaltung und Stadtrat. Diese kann nur funktionieren, wenn die Menschen in den Stadtteilen auf die neuen Mitbürger zugehen. Auch auf Mariahof gibt es viele Trierer, die das tun wollen. Viele begegnen den Plänen, auf dem derzeitigen Parkplatz am Hofgut drei Mehrfamilienhäuser zu bauen und dort vor allem Flüchtlinge unterzubringen, allerdings mit Skepsis oder Ablehnung. Sie misstrauen den Aussagen der Verwaltung. Die verspricht, dass - beginnend mit einem Ratsbeschluss am 16. März - endlich auch die Sanierung der städtischen Wohnungen startet. 2018 sollen dann alle Gebäude fertig sein.
Es bleibt ein mulmiges Gefühl. Wehe, dieses Versprechen wird nicht eingehalten!