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Zimmer in einer anderen Welt

Noch wird gebaut, doch bald sollen 100 Senioren ins neue Haus einziehen. Foto: Katharina Hammermann
Noch wird gebaut, doch bald sollen 100 Senioren ins neue Haus einziehen. Foto: Katharina Hammermann
TRIER. Neues Haus, eigenes Konzept: Das "Seniorenzentrum St. Josefsstift" wird bald 100 Pflegebedürftigen ein neues Zuhause bieten. Unter anderem in einer Wohngruppe für Schwer-Demenzkranke. ARRAY(0x16fd6308)

Noch sind die Elektriker am Werk, Hochbeete müssen noch angelegt werden, die Bilder hängen noch nicht und auch die antiken Möbel stehen noch nicht an ihrem Platz. Das soll sich jedoch schon bald ändern, denn am 28. September ist der Tag des Einzugs in das neu gebaute "Seniorenzentrum St. Josefsstift" in Trier. Der leuchtend rote Neubau steht auf dem Gelände eines ehemaligen Gemüsegartens hinter dem alten St. Josefsstift. Sein Eingang liegt in der Bruchhausenstraße - dort, wo bis vor kurzem ein Spielplatz war. 2,1 Millionen Euro haben die Träger, die Barmherzigen Brüder Trier, in das Projekt investiert. Der Rest ist frei finanziert. Durch die Nähe zum Brüderkrankenhaus versprechen sie sich viele Vorteile für die Bewohner. Das Seniorenzentrum soll insgesamt 100 pflegebedürftige Menschen aufnehmen. 27 von ihnen sind Ordensangehörige der Weißen Väter und Schwestern. 19 Plätze gibt es in einer separaten Dementenwohngruppe. 15 stehen für die Kurzzeitpflege zur Verfügung, und der Rest ist für sonstige interessierte Pflegebedürftige gedacht. Auch wer mit einem Pflegebedürftigen in Trier Urlaub machen will, kann diesen im neuen Seniorenheim unterbringen und selbst im Gästehaus wohnen. Im "behüteten Bereich" der Dementenwohngruppe sollen Menschen zu Hause sein, die zu ihrem Gedächtnisverlust aggressiv sind und den Drang haben, wegzulaufen - Menschen, die in anderen Einrichtungen nur schwer betreut werden können. Das neue Zentrum arbeitet mit einem eignen Konzept, das bereits in einem Haus für Demenzerkrankte im Saarland getestet wurde. "Es gibt eine Forschungsarbeit die zeigt, dass die Dementen, seit sie dort sind, weniger aggressiv sind, ihre Inkontinenz abnimmt, weniger Psychopharmaka verabreicht werden müssen und sie insgesamt aktiver werden", sagt Heimleiter Daniel Knopp. Dabei spiele die Architektur des neuen Gebäudes ebenso eine Rolle, wie die Ausbildung der Pfleger. Die Flure sind im Kreis angelegt, so dass die Dementen ihrem Bewegungsdrang folgen können, ohne in einer Sackgasse zu landen. "Es gibt auch keinen Speisesaal, sondern eine Wohnküche", sagt Knopp. Die dementen Bewohner sollen selbst kleinere Gerichte kochen und backen - das rege den Appetit an, sagt Knopp. Denn oft vergessen sie, dass sie essen müssen. Zudem können sie gewohnte Küchenarbeiten erledigen. Anders als einer 80-Jährigen zum ersten Mal Plastilin in die Hand zu drücken, sei Tisch abräumen oder Abwaschen eine Tätigkeit, die für sie Sinn ergebe. "Biografie-Arbeit" ist Knopp wichtig: den gesamten Umgang mit den Dementen an ihrem Lebenslauf auszurichten. Dazu gehört auch, ihnen etwas zu tun zu geben, das ihnen vertraut ist und Spaß macht. Zudem müsse man die Menschen da abholen, wo sie stehen. "Wenn eine Frau nach Hause möchte, um für ihren Mann zu kochen und ich ihr immer wieder sage, dass ihr Mann tot ist, dann frustriere ich sie", sagt Knopp. Und das erzeuge Aggression. Stattdessen solle man sie so akzeptieren, wie sie ist und nicht versuchen, sie in die Wirklichkeit zurückzuholen. Eine Pflegekraft wird für eine bestimmte Anzahl Bewohner verantwortlich sein. Den Bewohnern steht ein breites Spektrum an Therapieangeboten zur Verfügung. Zudem wird es in der hauseigenen Kapelle regelmäßig Messen geben, und auch seelsorgerische Einzelbetreuung ist möglich.