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Ehrung
Zwei Trierer engagiert für Europa

Die Preisträger des Landesverdienstordens. Darunter Joachim Schütze  aus Trier (Zweiter von rechts) und Prof. Anna Bulanda-Pantalacci aus Trier (Sechste von links).
Die Preisträger des Landesverdienstordens. Darunter Joachim Schütze  aus Trier (Zweiter von rechts) und Prof. Anna Bulanda-Pantalacci aus Trier (Sechste von links). FOTO: TV / Land Rheinland-Pfalz
Mainz/Trier. Die Professorin Anna Bulanda-Pantalacci und Joachim Schütz haben die Landesverdienstmedaille erhalten. Seit Jahren setzen sie sich für die Ausbildung von Jugendlichen und den europäischen Gedanken ein.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist stolz. Und zwar auf die Bürger von Rheinland-Pfalz. Zehn Menschen hat sie nun in Mainz mit dem Landesverdienstorden von Rheinland-Pfalz ausgezeichnet, darunter auch zwei Trierer. „Es macht mich stolz, dass es unzählige Menschen in unserem Land gibt, die Verantwortung für unsere Gesellschaft und unser Gemeinwesen übernehmen. Alle Ordensträgerinnen und -träger arbeiten gemeinsam daran, den Zusammenhalt in Rheinland-Pfalz zu stärken und sind maßgeblich daran beteiligt, dass unser Land so lebens- und liebenswert ist und bleibt. Das beeindruckt und berührt mich“, sagte Dreyer bei der Verleihung des Landesverdienstordens in der Staatskanzlei.

Der wird seit 1982 vergeben, um außergewöhnliches Engagement und hohe Verdienste Einzelner für das Gemeinwohl zu ehren, und ist die höchste Form der Anerkennung, die seitens des Landes ausgesprochen wird.

2018 sei ein besonderes Jahr, blickte die Ministerpräsidentin bei der Verleihung zurück. Historisch jährte sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal, ebenso feierte man das Jubiläum zu 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland. Zudem sei das Klima extrem. „Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Auch der Ton in gesellschaftlichen oder öffentlichen Debatten ist rauer geworden. Es kann das Gefühl entstehen, dass Menschen einander nicht mehr verstehen, dass es an Bereitschaft mangelt, aufeinander zuzugehen, sich füreinander einzusetzen. Doch ich bin oft im Land unterwegs, und viele Begegnungen schenken mir Mut und Zuversicht “, sagt die Ministerpräsidentin.

Überall in Rheinland-Pfalz gebe es Menschen, die das Gemeinsame suchten und stärkten. „Wir sind das Land des Zusammenhalts, und dafür sind die heute Ausgezeichneten tolle Beispiele.“

Die neuen Träger des Landesverdienstordens heißen Heike Boomgarden (Erbach, Rhein-Hunsrück-Kreis), Dr. André Borsche (Bad Kreuznach), Prof. Anna Bulanda-Pantalacci (Trier), Brigitte Christoffel (Matzenbach, Landkreis Kusel), Dirk Hennig (Unnau, Westerwaldkreis), Andreas Meder (Berlin), Marie-France Poulin (Lurcy-le-Bourg/Frankreich), Joachim Schütze (Trier), Gisela Textor (Lonnig, Kreis Mayen-Koblenz), Veronika und Wolfgang Thomeczek (Tiefenthal/Pfalz).

Die ausgezeichneten Persönlichkeiten bildeten auch die außerordentliche Vielfalt ehrenamtlichen Engagements in Rheinland-Pfalz ab, sagte Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Sie seien im Gesundheits- und Sozialbereich, in der Entwicklungshilfe, in der Medizin, im kirchlichen Bereich, in Umweltschutz, Kunst, Geschichte und Kultur engagiert.

Prof. Anna Bulanda-Pantalacci, Trier lehrt seit 1996 am Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier die Studienfächer Experimentelle Gestaltung und Zeichnerische Wahrnehmung. 2007 gründete sie das europäische Hochschulnetzwerk „Cross-Border Network of History and Arts“.

Aufgabe des Netzwerks aus europäischen und außereuropäischen Hochschulen ist es, (Länder-)Grenzen durch kulturelle Projekte zu überschreiten. Inzwischen hat sich dieses Netzwerk zu einer angewandten und dauerhaften Kooperation im Bereich Kunst, Design, Architektur und Wissenschaft etabliert. Seit 2007 wurden 13 internationale Projekte umgesetzt. Dazu zählt beispielsweise das Projekt „Landgang“, das sich dem 25. Jubiläum der Schengener Verträge widmete, oder der „FreedomBus“ – das mobile Labor für Kultur und interdisziplinäre Bildung –, mit dem sie in mehreren Etappen unterwegs war.

Anna Bulanda-Pantalacci hat darüber hinaus eine Vielzahl von studentischen Projekten mit verschiedenen regionalen Organisationen und Institutionen durchgeführt. Ziel dieser Projekte ist, soziale, interkulturelle und berufliche Kompetenzen und vor allem europäische Werte an Studierende zu vermitteln. Anna Bulanda-Pantalacci versteht sich als Europäerin, Grenzgängerin, Netzwerkerin, Macherin und ist vor allem eine leidenschaftliche Pädagogin.

Joachim Schütze, Trier, hat sich seit frühester Jugend für den europäischen Gedanken und die deutsch-französische Aussöhnung engagiert. Seine schulische Ausbildung und sein anschließendes Studium der Romanistik und Geschichte waren geprägt vom politischen Kontext des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages von 1963. Sein Fokus liegt auch heute noch darauf, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bildungsbereich zu gestalten.

So baute er die deutsch-französische Lehrerfortbildung, speziell für die Grenzregion, auf, konzipierte für die Partnerschaft mit Burgund individuelle Schüleraustausch- und Begegnungsprogramme und wirkte an der Einrichtung und Begleitung von rheinland-pfälzischen AbiBac-Schulen mit. Ehrenamtlich ist er im Vorstand des Partnerschaftsverbandes Rheinland-Pfalz-Burgund engagiert und gehört seit vielen Jahren der Deutsch-Französischen Gesellschaft Trier an, deren Präsident er seit 2012 ist.

Auf seine Initiative hin wurden herausragende Abiturleistungen im Fach Französisch von Schülern Trierer Gymnasien prämiert und 2018 erstmals auch auf Mainzer Gymnasien ausgedehnt. Vielfältige von ihm organisierte und gestaltete Vortragsreihen und Exkursionen in Kooperation mit der Volkshochschule Trier, der Universität Trier, dem evangelischen Kirchenkreis und verschiedenen grenzüberschreitenden Bildungsträgern weisen neben den bilateralen auch eine historisch-politische Dimension auf, etwa bei der Analyse der Ergebnisse französischer Präsidentschaftswahlen.