Trierer Bischof macht bei der geplanten Strukturreform trotz Kritik Nägel mit Köpfen.

Kirche : Neue Großpfarreien rücken wieder ein Stück näher

Der Trierer Bischof tritt aufs Gaspedal:  Zum 1. Januar 2021 gehen auch die letzten XXL-Pfarreien an den Start.

Ungeachtet der massiven Kritik der Initiative Kirchengemeinde vor Ort hat Triers Bischof Stephan Ackermann am Dienstag einen weiteren Schritt zur Einrichtung der neuen Großpfarreien gemacht und das sogenannte Umsetzungsgesetz erlassen. „Mit dem Gesetz haben wir die Grundlage für die territoriale und organisatorische Neugliederung und -gestaltung der Pfarreien im Bistum Trier geschaffen“, sagte Ackermann laut einer Mitteilung des Bistums.

Anfang nächsten Jahres gehen die ersten 15 von insgesamt 35 sogenannten Pfarreien der Zukunft (PdZ) an den Start. Aus der Region Trier ist nur die neue XXL-Pfarrei Wittlich dabei. Bislang hieß es, dass die übrigen 20 Großpfarreien bis spätestens 2022 errichtet sein sollen. Nun wird Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg mit der Aussage zitiert, dass diese schon zum 1. Januar 2021 errichtet würden. Bevor die Entscheidung getroffen worden sei, habe man mit den Steuerungsgruppen in den einzelnen Pfarreien und den Mitgliedern der diözesanen Gremien gesprochen, sagte der Generalvikar.

Bevor der Trierer Bischof das Gesetz erlassen hat, wurde es den Kultusministerien von Rheinland-Pfalz und dem Saarland vorgelegt. Beide Ministerien hätten aber keine Einsprüche erhoben, sagte Bistumssprecherin Judith Rupp unserer Zeitung.

Schon vor einem Monat hatte das Bistum die personelle Besetzung der ersten 15 Leitungsteams bekanntgegeben. Die künftigen Großpfarreien  werden nicht mehr nur von einem Pfarrer allein geführt, sondern von einem Team, bestehend aus drei Hauptamtlichen und zwei Ehrenamtlichen. Ab Mitte November sollen in diesen PdZ die jeweiligen Räte der Pfarreien gewählt werden. Sie sind künftg für die Haushaltspläne zuständig, verwalten gemeinsam mit anderen das Vermögen der Kirchengemeinde und beschließen die Schwerpunkte für das kirchliche Handeln.

Der Generalvikar sagt, dass die ersten 15 Gemeinden keine Modellprojekte seien. Es gehe jetzt darum, den für alle verbindlich eingeschlagenen Weg zeitnah umzusetzen.

Eine Aussage, die bei der bistumskritischen Initiative Kirchengemeinde vor Ort kaum auf Gegenliebe stoßen dürfte. Die nach eigenen Angaben bislang von 309 Kirchengemeinden unterstützte Vereinigung hatte zuletzt erneut eine Aussetzung der Reform gefordert und sich dabei auf das Ergebnis einer selbst in Auftrag gegebenen Umfrage berufen. Danach lehnt angeblich ein Großteil der Gläubigen im Bistum Trier die neuen Großpfarreien ab; viele drohten sogar mit einem Austritt aus der katholischen Kirche oder wollten ihr ehrenamtliches Engagement einstellen, sagen die Macher der Umfrage.

Das Bistum hatte die Studie als tendenziös und wenig aussagekräftig zurückgewiesen.

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