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Bistum
Trierer Bischof schweigt im Kirchenstreit um Abendmahl

FOTO: Uwe Zucchi / dpa
Trier. In der Bischofskonferenz ist wegen der Zulassung von Protestanten zur Kommunion eine offene Auseinandersetzung ausgebrochen. Die Kritiker wollen, dass Rom entscheidet. Von Rolf Seydewitz

Unter den katholischen Bischöfen ist es zu einer offenen Auseinandersetzung über die Zulassung evangelischer Christen zur Kommunion gekommen. Triers Bischof Stephan Ackermann hält sich mit öffentlichen Äußerungen noch zurück. In einem gemeinsamen Schreiben haben sich sieben deutsche Bischöfe mit der Bitte an den Vatikan gewandt, eine Entscheidung der Bischofskonferenz zu überprüfen. Der mit Dreiviertel-mehrheit verabschiedete Beschluss sieht vor, dass künftig in Einzelfällen auch Ehepaare unterschiedlicher Konfessionen gemeinsam an Eucharistiefeiern teilnehmen können. Die Diskussion um ein gemeinsames Abendmahl ist seit Jahrzehnten ein Streitpunkt zwischen Katholiken und Protestanten.

In dem Schreiben äußern die Unterzeichner Zweifel daran, dass die bei der letzten Bischofskonferenz getroffene Mehrheitsentscheidung mit „dem Glauben und der Einheit der Kirche vereinbar“ sei. Der Brief an den Vatikan ist unter anderem vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und dem Regensburger Bischof und ehemaligen Trierer Theologieprofessor Rudolf Voderholzer unterzeichnet.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, erfuhr erst nachträglich von dem Schreiben der Mitbrüder. In einem Brief an alle 65 Bischöfe und Weihbischöfe zeigte sich der ehemalige Trierer Bischof verwundert darüber, dass die Kritiker „trotz der ausführlichen und kontroversen Aussprache in der Vollversammlung“ weiterhin so große Zweifel hätten. „Ich finde einen solchen Schritt ungehörig“, kommentierte auch der Trierer Katholikenratsvorsitzende Manfred Thesing den Woelki-Brief.  „Was haben diese Bischöfe von den Nöten der Menschen mitbekommen?“, fragt Hanspeter Schladt von der Initiative Wir sind Kirche im Bistum Trier.

Rückendeckung bekommen die Kritiker vom emeritierten Trierer Theologieprofessor Wolfgang Ockenfels. Es sei völlig legitim, dass Rom in Streitfällen um Klärung gebeten werde, meint Ockenfels. Triers Bischof Stephan Ackermann wollte sich auf TV-Anfrage nicht zu dem innerkirchlichen Streit äußern. Auch die drei Weihbischöfe waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In Kirchenkreisen gilt es allerdings als sicher, dass das Trierer Quartett auf der Frühjahrsvollversammlung für die Zulassung von Protestanten zum Abendmahl gestimmt hat. Mehr zum Thema lesen Sie hier: Bischöfe über Kreuz.