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Trierer Bischof: Skandal ist verheerend für die Kirche

Trierer Bischof: Skandal ist verheerend für die Kirche

Ein Priester spricht Klartext: Der Trierer Bischof Stephan Ackermann glaubt, dass der Missbrauchs-Skandal an deutschen Jesuiten-Schulen verheerende Auswirkungen auf das Ansehen der katholischen Kirche hat. Jetzt müsse lückenlos aufgeklärt werden, fordert er im TV-Gespräch.

(sey) Mitgefühl für die Opfer und eine Absage ans Vertuschen: Im Skandal um sexuellen Missbrauch an Schulen des Jesuiten-Ordens hat sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann gestern im Gespräch mit unserer Zeitung erstmals zu Wort gemeldet. Und der 46-Jährige redet nicht um den heißen Brei herum. "Die Vorgänge sind erschütternd und verheerend für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche", glaubt Ackermann und fordert: "Eine Verharmlosung oder ein Vertuschen darf es beim Thema Kindesmissbrauch nicht geben."

Der Trierer Bischof sagt, sein tief empfundenes Mitgefühl gelte den Opfern. Sie müssten im Mittelpunkt stehen, ihnen müsse geholfen werden. Nach Angaben eines Bischofssprechers ist im Bistum Trier in den vergangenen 15 Jahren kein Missbrauchsfall von Priestern oder bei der Kirche beschäftigten Laien bekannt geworden.

Ackermann spricht sich dafür aus, das Thema Sexualität in der Priesterausbildung nicht zu tabuisieren: "Wir müssen offen und unverkrampft damit umgehen." Ackermann widersprach Einschätzungen, wonach es einen möglichen Zusammenhang zwischen Missbrauch und Zölibat gebe. "Immer dann, wenn Missbrauchsfälle durch Priester bekannt werden, gibt es auch die Tendenz, Priester unter den Generalverdacht einer sexuellen Verklemmtheit und Abartigkeit zu stellen." Diese Einschätzung gehe an der Wirklichkeit vorbei, glaubt der Bischof.

Der frühere Jesuiten-Schüler und CDU-Generalsekretär Heiner Geißler fordert dagegen eine Abschaffung des Zölibats, wenn die Kirche nicht die Verbindung zu den Menschen verlieren wolle.

Im Gegensatz zum Trierer Bischof will sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, derzeit nicht zu dem Missbrauchsskandal äußern. Das Thema wurde allerdings auf die Tagesordnung der übernächsten Montag beginnenden Bischofskonferenz gesetzt.