Trierer Bischof wird Beauftragter für Missbrauchsfälle in der Kirche

Trierer Bischof wird Beauftragter für Missbrauchsfälle in der Kirche

Triers Bischof Stephan Ackermann hat einen Zusatz-Job, um den ihn wohl niemand beneidet: Der 46-Jährige ist neuer Missbrauchsbeauftragter der katholischen Kirche. Ein Ergebnis der Freiburger Bischofskonferenz.

(sey) So schnell kann’s gehen: Mit seinem neuen Posten als erster Missbrauchs-Beauftragter der Deutschen Bischofskonferenz dürfte sich der Bekanntheitsgrad des Trierer Oberhirten Stephan Ackermann schlagartig erhöhen. Zum Abschluss ihrer viertägigen Konferenz reagierten die deutschen Bischöfe damit auf die in den vergangenen Wochen bekannt gewordenen Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. In diesem Zusammenhang war auch mehrfach Kritik an den acht Jahre alten kirchlichen Missbrauchs-Leitlinien geäußert worden.
Unter anderem diese Leitlinien soll der Trierer Bischof nun mit Hilfe unabhängiger externer Berater auf den Prüfstand stellen. Nach Angaben des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, wird Stephan Ackermann von einem neuen Büro unterstützt, das im Sekretariat der Bischofskonferenz angesiedelt ist.

Warum ausgerechnet Ackermann unter den 67 deutschen Bischöfen und Weihbischöfen als Missbrauchsbeauftragter auserkoren wurde, ist noch unklar. Allerdings hatte sich der 46-Jährige vor zwei Wochen in einem Gespräch mit unserer Zeitung so deutlich zum Thema Missbrauch geäußert wie keiner seiner Kollegen. Die Vorgänge seien verheerend für das Ansehen der katholischen Kirche, eine Verharmlosung oder ein Vertuschen dürfe es nicht geben, und es müsse lückenlos aufgeklärt werden.

Wie ernst es ihm damit ist, kann der neue Missbrauchsbeauftragte nun unter Beweis stellen. Es ist die heikelste Aufgabe für den seit knapp einem Jahr amtierenden Bischof, bei der Stephan Ackermann etliche Widerstände überwinden, Skeptiker überzeugen und letztlich verspielte Glaubwürdigkeit zurückgewinnen muss.

Anders als noch vor zwei Wochen kann der Trierer Bischof inzwischen auch vor der eigenen Haustüre kehren. Aus dem Eifel-Internat Biesdorf und einer Trierer Pfarrei waren in dieser Woche mehrere Missbrauchsfälle aus den 60er Jahren bekannt geworden. Laut Bischofssprecher Stephan Kronenburg haben sich am Donnerstag keine weiteren Opfer gemeldet.

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