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A 64-Ausbau: Blauer Riese drückt aufs Tempo

Maschinengigant im Einsatz auf der A 64: Die alte, vorher abgefräste Fahrbahn und die neue Spur in Richtung Moseltal werden auf voller Breite mit einer Deckschicht versehen. TV-Foto: Albert Follmann
Maschinengigant im Einsatz auf der A 64: Die alte, vorher abgefräste Fahrbahn und die neue Spur in Richtung Moseltal werden auf voller Breite mit einer Deckschicht versehen. TV-Foto: Albert Follmann
Trier. Unter hohem logistischen Aufwand wird derzeit am vierspurigen Ausbau der A 64 zwischen Biewertalbrücke und Dicker Buche gearbeitet. Es ist ein Kampf gegen die Uhr: Die Strecke soll unbedingt bis Weihnachten fertig werden. Albert Follmann

Trier. Man kennt das ja. Straßenplaner neigen dazu, Fertigstellungstermine für Bauprojekte sehr optimistisch einzuschätzen. Meistens stellen sich dann aber im Verlauf der Arbeiten Probleme ein, die die Verkehrsfreigabe verzögern. Autofahrer ärgern sich natürlich darüber, weil sie weitere Wochen oder gar Monate im Stau stehen oder Umwege fahren müssen. Wie berichtet, betrifft das den Ausbau des Knotenpunkts Ehrang (vier bis fünf Wochen Verzug) und der Kreisstraße 5 in Trier-Biewer (Flickenteppich noch bis zum Frühjahr). Eigene Fehler werden in der Straßenbau-Branche kaum eingeräumt, geht mal was schief, dann liegt es beispielsweise am schwierigen Unterbau, an unvorhersehbaren Wasserquellen oder am schlechten Wetter.
Dass Straßenbauer auch anders können, zeigt der Ausbau der Luxemburg-Autobahn. Zurzeit wird die vierte Spur des A 64-Teilstücks zwischen der Biewertalbrücke und der Dicken Buche in Fahrtrichtung Ehranger Brücke asphaltiert. Zwölf Firmen arbeiten dort gleichzeitig. Herzstück der riesigen Ausbau-Maschinerie ist der Vögele 2100, ein sogenannter Großfertiger. Der blaue Gigant, der 1100 Tonnen Mischgut in der Stunde verarbeitet und fast eine halbe Million Euro kostet, kann eine Deckschicht durchgängig auf zwölf Metern Breite auftragen. Normalerweise sind dafür zwei nebeneinander fahrende Fertiger erforderlich. Der große Vögele hinterlasse weder Mittelnaht noch Fugen, was die Ausbauqualität durchgehend auf hohem Niveau gewährleiste, sagt Walter Druckenmüller, Chef der Autobahnmeisterei Schweich.
Die Maschine, die rund vier Meter in einer Minute schafft, ist ein richtiger "Nimmersatt": Zwei Mischanlagen, eine im Trierer Hafen und eine in Neumagen-Dhron, arbeiten nur für den großen Autobahnfertiger. "Sonst kann in dieser Zeit nichts im Straßenbau laufen, die Anlagen sind damit ausgelastet", sagt Druckenmüller. Nicht weniger als 25 Sattelzüge karren reihum die schwarze Masse zur Baustelle und kippen sie in den "Beschicker", der dem Fertiger das Material zuführt. Es darf keinen Stillstand geben. Kaum hat ein leerer Lastwagen den Beschicker verlassen, reiht sich schon ein voller in die Kette ein. Sechs Arbeiter gehören zum Einbauzug, hinzu kommen die Fahrer der sechs Walzen, die die Bitumendecke hinter dem Fertiger verdichten. Am Donnerstag und Freitag vergangener Woche wurden so zwei Schichten auf dem knapp zwei Kilometer langen A 64-Teilstück aufgetragen: die Binderschicht und die Deckschicht.
Rechnet man die beiden drunter liegenden Tragschichten ein, misst der Straßenunterbau insgesamt 34 Zentimeter. Über ihn sollen demnächst rund 25 000 Fahrzeuge täglich rollen. Eigentlich sei die Ausbaustrecke der A 64 für einen so großen Fertiger zu klein, meint Christoph Schnorpfeil von der Firma Schnorpfeil in Trier. Aber der Auftraggeber habe auf den Einsatz gedrängt, um vor dem Wintereinbruch fertig zu werden. Laut Walter Druckenmüller ist geplant, das Teilstück ab Weihnachten für den Verkehr freizugeben. Bis dahin seien noch Arbeiten an den Randbereichen zu erledigen, auch Schutzplanken und Fahrbahnmarkierungen müssten angebracht werden.