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Geschichte
Brennende Halifax zerschellte im Meulenwald

Die Hobbyhistoriker sortieren Fundstücke von der Absturzstelle (von links): Bruno Kremer, Christoph Postel und Hans J. Hauprich.
Die Hobbyhistoriker sortieren Fundstücke von der Absturzstelle (von links): Bruno Kremer, Christoph Postel und Hans J. Hauprich. FOTO: TV / Albert Follmann
Trier/Schweich. 1944 schoss ein deutscher Jäger einen britischen Bomber in der Nähe des Kaiserhammer Weihers ab. Drei Hobbyhistoriker rekonstruieren den Vorfall und suchen Augenzeugen. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Der Luftkampf war einseitig und hat vermutlich nicht länger als zwei Minuten gedauert. Am 13. August 1944 gegen 0.49 Uhr setzt sich der deutsche Nachtjäger, eine Messerschmitt  BF 110, unter eine britische Halifax. Bordschütze Oberleutnant Werner Hoff eröffnet das Feuer. Mehrere Maschinengewehrsalven treffen im 70-Grad-Winkel auf den feindlichen Bomber. Der hat nach unten keine Abwehrmöglichkeit; das Schicksal der siebenköpfigen Besatzung ist besiegelt.

Die mit Munition und Brandbomben voll beladene Maschine stürzt in der Nähe des Kaiserhammer Weihers bei Trier-Quint ab. Drei Tage soll das Wrack gebrannt haben, worauf auch der Zustand der Bäume und des Bodens in der näheren Umgebung schließen lässt.

In mehrjähriger akribischer Kleinarbeit haben drei Hobbyhistoriker aus dem Kreis Trier-Saarburg die näheren Umstände des Absturzes und das Schicksal von fünf vermissten Soldaten der Halifax recherchiert. Diplom-Pädagoge Christoph Postler (40)  aus Riol, Grabungstechniker Bruno Kremer (52) aus Schweich und Hans J. Hauprich (63), pensionierter Polizeibeamter aus Kasel, erhoffen sich weitere Erkenntnisse durch die Aussage von Augenzeugen (siehe Info).

Kremer und Postler haben eine Sondergenehmigung für die Suche nach Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg. Die genaue Absturzstelle der viermotorigen Halifax, die immerhin eine Spannweite von etwa 32 Metern hatte und eine Bombenlast von knapp 6000 Kilogramm mit sich führen konnte (siehe Hintergrund), soll nicht bekanntgegeben werden. Es sollen sich dort keine unbefugten Sondengänger auf die Suche machen.

Etliche Fundstücke haben Postler, Kremer und Hauprich dort schon sicherstellen können, darunter ein Bord­instrument mit Drehregler, Gurtschnallen, Fallschirmreste, Kolben, Teile des Motorblocks und der Flugzeugklappen, aber auch englische und französische Münzen.

Die sterblichen Überreste des Flugingenieurs und des Heckschützen haben die Briten 1946 unter Mithilfe deutscher Behörden geborgen. Die Soldaten sollen zunächst auf dem Schweicher Friedhof beigesetzt worden sein. Heute ist ihr Grab in Rheinberg (Nordrhein-Westfalen).Die anderen fünf Besatzungsmitglieder der Halifax werden vermisst; sie wurden vermutlich durch die große Intensität und die lange Dauer des Brandes regelrecht kremiert, also eingeäschert.

Es war üblich, dass die deutsche Luftwaffe bei eigenen, aber auch bei alliierten Flugzeugabstürzen Bergekommandos nach draußen schickte. Es habe sogar eigene Internierungslager für Piloten gegeben, die Abstürze überlebt haben, sagt Hans J. Hauprich. Hintergrund sei das große Interesse der Wehrmacht an der Ausstattung der feindlichen Flugzeuge gewesen. Hauprich: „Das war während des Krieges ein ständiges technisches Wettrüsten auf beiden Seiten.”

Beispielhaft nennt Hauprich die „schräge Musik”. So nannten die Deutschen in Anlehnung an die bei den Amerikanern beliebte Jazzmusik den Beschuss im Luftkampf von unten, dem ja auch die Halifax vom Kaiserhammer Weiher zum Opfer fiel. Der englische Bomber hatte Schussluken nach oben und zu den Seiten, aber nicht nach unten.

Wie die drei Hobbyhistoriker herausfanden, startete die Halifax der 76. Squadron (Staffel) der Royal Air Force vom englischen Fliegerhorst Holm-on-spalding-Moor (Grafschaft Yorkshire) und sollte im Verbund mit 250 bis 300 anderen Maschinen die Opel-Werke in Rüsselheim angreifen. Dort wurden nicht nur Autos und LKW hergestellt, sondern auch die Flugbombe V 1 und in Lizenz BMW-Motoren für das deutsche Jagdflugzeug Focke Wulf 190. In der Nacht zum 13. August 1944 sollen 47 Maschinen, die auf Rüsselsheim zugeflogen sind, abgeschossen beziehungsweise abgestürzt sein. Bei Wasserliesch ging ein britischer Bomber der Lancaster-Reihe nieder, allerdings auf dem Rückflug des Opel-Einsatzes.

Es wird vermutet, dass die im Meulenwald bei Quint abgestürzte Halifax schon vorher getroffen worden war und die Crew noch versucht hatte, sich bis nach Frankreich zu retten. Die letzte Ortung der Maschine sei südöstlich von Idar-Oberstein gewesen, also etwa 60 Kilometer von der späteren Absturzstelle im Meulenwald entfernt, sagt Bruno Kremer. Nach Erkenntnissen der Hobbyforscher hat Bordschütze Oberleutnant Hoff danach noch eine weitere Halifax abgeschossen. In einem britischen Archiv werde der Ort Hamm als Absturzstelle genannt. Vermutlich handelt es sich dabei um den Ortsteil von Taben-Rodt (Verbandsgemeinde Saarburg).

An der Absturzstelle im Meulenwald  (von links): Bruno Kremer, Christoph Postel und Hans J. Hauprich.
An der Absturzstelle im Meulenwald  (von links): Bruno Kremer, Christoph Postel und Hans J. Hauprich. FOTO: TV / Albert Follmann
Die 1944 bei Quint abgestürzte  Halifax – unser Foto zeigt eine  baugleiche Maschine – war mit Brandbomben beladen.
Die 1944 bei Quint abgestürzte Halifax – unser Foto zeigt eine  baugleiche Maschine – war mit Brandbomben beladen. FOTO: United Kingdom Gouvernment