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Stadtentwicklung
Wohin soll Schweich wachsen?

Auch im engen Stadtbezirk Alt-Schweich, wie hier an der Kreuzung Mathenstraße/Klosterstraße, wachsen große Mehrfamilienhäuser aus dem Boden.
Auch im engen Stadtbezirk Alt-Schweich, wie hier an der Kreuzung Mathenstraße/Klosterstraße, wachsen große Mehrfamilienhäuser aus dem Boden. FOTO: Abert Follmann / Albert Follmann
Schweich. In der Moselstadt werden immer mehr Flächen versiegelt. Die Politiker sind alarmiert und wollen die Baulandentwicklung in geordnetere Bahnen lenken. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Die 8000-Einwohner-Marke hat Schweich erst vor kurzem geknackt. In drei Jahren, so wird hochgerechnet, könnten bereits 9000 Menschen in der Moselstadt leben. Die Bevölkerungsentwicklung ist trotz stark gestiegener Miet- und Immobilienpreise so rasant wie in keiner anderen Stadt in der Region Trier.

Doch kann der Bauboom so weitergehen? Wie viel Wachstum und Verkehr verträgt die Stadt Schweich? Mit solchen und ähnlichen Fragen beschäftigen sich derzeit die Kommunalpolitiker.

In einer gemeinsamen Sitzung haben der Stadtentwicklungsausschuss und der Bauausschuss über die künftige Baulandentwicklung diskutiert. Stadtbürgermeister Lars Rieger macht anfangs deutlich, dass der „Zuzugsdruck” in Schweich sehr groß sei und es jetzt darum gehe, eine möglichst geordnete Entwicklung zu ermöglichen. Es gehe zunächst darum, mögliche Baugebiete zu identifizieren. Ins Detail gehe man in einer späteren Sitzung.

Kaum wird in der Versammlung der am Ortsausgang Richtung Leinenhof liegende Flurbereich „Hinter Zeyen” als ein potenzieller Standort für künftiges Bauen in den Raum geworfen, kommt eine lebhafte und bisweilen sprunghaft geführte Debatte  auf. Anita Kruppert (CDU) vom Stadtentwicklungsausschuss bemerkt, der Bereich Hinter Zeyen komme schon wegen der Wichtigkeit für die Frischluftzufuhr von Schweich und aus Umweltschutzgründen (Bachaue) nicht als Bauland infrage. Im Übrigen, so Kruppert, habe man das Thema Baulandentwicklung schon vor drei Jahren im Zuge der Flächennutzungsplanung besprochen.

Auch Achim Schmitt (SPD) verweist auf Pläne und Konzepte, die bereits in der Schublade lägen. Man brauche das Rad nicht neu zu erfinden. Schmitt betont, er möge in Schweich keine „Hochhäuser wie auf der Kenner Ley”. Auch keine großen Häuserkomplexe wie in der Sommergasse, wo es „hinterher Beschwerden wegen des Verkehrs gibt”. Armin Kopp von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Schweich nennt natürliche Grenzen, die einer Ausdehnung von Schweich entgegenstehen: Mosel, Autobahn und Eisenbahn bildeten ein Dreieck, in dem sich das Entwicklungspotenzial von Schweich abbilde. Das Überschwemmungsgebiet der Mosel sei für die Bebauung tabu, auch der Lärm der Autobahn und (in geringerem Maße) der Bahn stehe einer Ausdehnung entgegen. Die Infrastruktur Schweichs stoße schon jetzt an ihre Grenzen, bemerkt Walter Druckenmüller (CDU). Er mahnt: „Wir sollten nicht um jeden Preis wachsen.”

Hans-Georg Becker (CDU) hält es für sinnvoll, über „vertretbares Bauen in die Höhe nachzudenken. Wir können nicht alles Grüne zubauen.” Einen Fächennutzungsplan für die Baulandentwicklung zugrunde zu legen, das hält Johannes Heinz (CDU) für zu unkonkret. Er plädiert dafür, freie Flächen und das Bauen in zweiter Reihe jeweils im Einzelfall zu prüfen und Kriterien festzulegen. Ganz Schweich mit Bebauungsplänen zu überziehen, sei zu aufwendig.

Johannes Lehnert (FWG), der mit seinem Antrag die Diskussion über die Baulandentwicklung ins Rollen gebracht hat („Wir müssen uns klar werden, wo wir in zehn Jahren stehen wollen”) sieht dringenden Handlungsbedarf. Interessenskollisionen wie bei der Frage, ob das Gartengelände im Bereich Wilsgasse/Trieschhübel bebaut werden solle oder nicht (der TV berichtete), gebe es auch in anderen Vierteln von Schweich.

Stadtchef Rieger will nun mit dem Ältestenrat – das sind die Beigeordneten und die Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats – über das weitere Vorgehen sprechen. Es deutet sich an, dass Bau- und Stadtentwicklungsausschuss in einem gemeinsamen Workshop an einem Samstag tagen werden. Dann sollen die Mitglieder auch Zugriff auf frühere Konzepte und relevantes Kartenmaterial erhalten. Erwogen wird, dass sich die Bürger von Schweich mit Vorschlägen einbringen können, wie und wohin sich ihre Stadt entwickeln sollte.

Die Stadt Schweich hat bei der Baulandentwicklung nicht mehr viele Möglichkeiten. Mosel, Autobahn und Weinberge setzen Grenzen.
Die Stadt Schweich hat bei der Baulandentwicklung nicht mehr viele Möglichkeiten. Mosel, Autobahn und Weinberge setzen Grenzen. FOTO: Bernhard Heller
Die Gärten im Bereich Wilsgasse/Kornreschweg sind als Bauland im Gespräch. Aber viele Anwohner wehren sich dagegen.
Die Gärten im Bereich Wilsgasse/Kornreschweg sind als Bauland im Gespräch. Aber viele Anwohner wehren sich dagegen. FOTO: Albert Follmann