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Infrastruktur
Beim Bauland ist in Schweich bald zappenduster

Baugebiete_Schweich_4T.pdf
Baugebiete_Schweich_4T.pdf FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Albert Follmann
Schweich. Noch boomt die Stadt Schweich, aber die Ausdehnungs- möglichkeiten sind sehr begrenzt. Wagt man den Sprung über die Bahn? Von Albert Follmann
Albert Follmann

Seit der Verleihung der Stadtrechte im Jahr 1984 ist Schweich stark gewachsen. Kürzlich wurde die 8000-Einwohner-Marke geknackt, was nicht zuletzt am großen Neubaugebiet Ermesgraben mit seinen mehr als 300 Baustellen liegt. Doch wie soll es mit der Besiedlung in der Moselstadt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weitergehen? Mit dieser spannenden Frage befasste sich kürzlich der Stadtentwicklungsausschuss.

Dieser konstatierte, die Stadt sei baulandmäßig nahezu ausgereizt. Es gebe in dem von Mosel, Autobahn und Eisenbahn flankierten innerstädtischen Karree  streng genommen nur noch drei Flächen, die für die Ausweisung als Baugebiet infrage kämen: Die Wiesen am Merzbach in Issel (zwischen B 53, Bahnhofstraße und neuen Schulen), die „Sandkaul” (eine Ackerfläche im Bereich alte Straßenmeisterei/Ortsentlastungsstraße) und „Hinter Zeien”, ein nördlich von Alt-Schweich gelegener Bezirk (siehe Luftbild). Klarheit, ob eine Eignung als Baugebiet vorliegt, verspricht sich der Ausschuss von einer Vergleichsstudie der Sandkaul und des Gebiets östlich des Merzbachs.

Auf Anregung von Armin Kopp von der Bauabteilung der Verbandsgemeinde Schweich soll auch ermittelt werden,  ob der Bereich Hinter Zeien lärmtechnisch für eine Bebauung infrage kommt. Bisher wird das Gebiet als nicht bebaubar angesehen, weil davon ausgegangen wird, dass Lärmgrenzwerte überschritten werden. Allerdings könnten sich die Bedingungen ändern, denn der Bund plant die Sanierung und Erhöhung der Lärmschutzwand an der A 1 (der TV berichtete).

Stadtbürgermeister Lars Rieger (CDU) machte deutlich, dass nur dann ein neues Baugebiet ausgewiesen werde, wenn die Stadt ganz oder zumindest größtenteils in den Besitz der Flächen komme. Das ist auch Konsens im Ausschuss. Damit soll unter anderem Spekulanten das Wasser abgegraben werden. Positiv steht der Ausschuss der Bildung einer Baugrundstücksbörse gegenüber.

Schweich hat bereits ein sehr hohes Baulandpreisniveau erreicht. 350 bis 400 Euro werden im Durchschnitt pro Quadratmeter gezahlt, der Bodenrichtwert im Ermesgraben beträgt 380 Euro. Dabei gibt es durchaus noch freie Baugrundstücke in Schweich, allerdings sind davon nur wenige auf dem Markt. Im Ermesgraben sind laut Bauverwaltung noch 80 bis 100 Grundstücke nicht bebaut. Eine aus anderen Gemeinden bekannte Pflicht, gekaufte Flächen innerhalb weniger Jahre zu bebauen, besteht im Ermesgraben nicht. So gab es in ganz Schweich Ende 2017 insgesamt 170 freie Bauparzellen.

Aktuell sind in Schweich zwei Baugebiete geplant: Auf dem alten Isseler Sportplatz werden demnächst 18 Grundstücke verkauft. Die Erschließung ist bereits über die Bühne. Anfang 2019 sollen etwa zwölf Baustellen in der Isseler „Kiesgrube” erschlossen werden.

Einigkeit bestand im Ausschuss darin, die Aubereiche von Merzbach, Ermesgraben und Föhrenbach zu schützen. Hier soll ein baufreier Korridor eingerichtet werden. Allerdings behält die Stadt sich vor, Garten- oder Scheunengrundstücke anzukaufen, um Grünflächen zu erhalten und den Wildwuchs von großen Wohnblocks zu verhindern. Beispielhaft wurde der Föhrenbach genannt. Klare Kriterien will die Stadt für das Bauen in zweiter Reihe, also meist in Gärten von größeren Grundstücken, festlegen. Hier hat eine überfraktionelle Arbeitsgruppe mit Johannes Heinz (CDU), Otmar Rößler (FWG) und Achim Schmitt (SPD) Vorarbeit geleistet und alle infrage kommenden Flächen analysiert. Das Ergebnis muss noch vom Kreis geprüft und auf seine Rechtssicherheit abgeklopft werden. Viele Bebauungspläne seien mit Blick auf die zweite Baureihe überarbeitungswürdig, sagte Rieger. Auf Vorschlag von Jürgen Bonertz (SPD) will sich der Ausschuss in einer Sitzung ausschließlich mit dem Thema Radwegekonzept befassen.

In der Hauptsatzung der Stadt  soll verankert werden, dass der Stadtentwicklungsausschuss als Vordenker und Prioritätensetzer für die Weiterentwicklung in den Bereichen Bauen und Wohnen, Verkehr, Gewerbe, Infrastruktur und Grünflächen agieren soll. Als oberstes Gremium muss aber  der Stadtrat  die Vorschläge absegnen. Demnächst soll auch über den Bereich hinter der Bahnlinie als Bauland-Option für die weitere Zukunft diskutiert werden.