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Tourismus
Schiefer hauen wie Bergarbeiter

So sieht es im neuen Lehrstollen des Besucherbergwerks Fell aus. Kinder und Jugendliche lernen hier, wie früher Untertage gearbeitet wurde.
So sieht es im neuen Lehrstollen des Besucherbergwerks Fell aus. Kinder und Jugendliche lernen hier, wie früher Untertage gearbeitet wurde. FOTO: Förderverein Besucherbergwerk Fell / Patrick Schmitt
Fell. Das Besucherbergwerk Fell bietet demnächst einen Lehrstollen für Kinder und Jugendliche an. Von Albert Follmann
Albert Follmann

 Das im Nossertal zwischen Fell und Thomm gelegene Besucherbergwerk Fell (siehe Info) macht seinem Namen alle Ehre. Seit der Eröffnung im Jahr 1997 sind etwa 330 000 Besucher ins Bergwerk eingefahren. Etwa eine Stunde dauert die Führung. Unter Tage, aber auch im Besucherzentrum, wird die Geschichte des Schieferbergbaus lebendig.

Damit es rund ums Besucherbergwerk nicht langweilig wird, lässt sich der Förderverein immer wieder etwas Neues einfallen. Jüngste Errungenschaft ist ein „Lehrstollen”. Er wird am 11. August offiziell eröffnet und soll insbesondere Kindern und Jugendlichen den Schieferbergbau und die Tierwelt in den Gruben näherbringen.

Der TV hat schon mal einen Blick in den Lehrstollen geworfen. Er ist knapp 100 Meter lang und wurde bis 1964 als Werkzeug- und Sprengstofflager genutzt. Den Winter über hat ein Team um Grubenführer Günter Schmitt und die Brüder Patrick und Roland Schmitt den Stollen freigeräumt und begehbar gemacht.

Unter anderem musste ein mitten im Zugang stehender alter Sprengstoff-Stahlschrank mit einem Schweißbrenner zerlegt werden. Die schweren Teile habe man mit einer Lore herausgefahren, erzählt Günter Schmitt. Er wartet die alten Schienenwagen, mit denen die Bergleute früher die Schieferplatten aus dem Berg transportiert haben.

Nachdem der Untergrund mit Schiefersplitt trittfest gemacht wurde, machten sich die Fördervereinsmitglieder daran, einen Veranstaltungsraum einzurichten. Die Renovierung Untertage wurde von der Firma Weber Schiefer aus Korlingen unterstützt.

Infotafeln wurden angebracht und Gabionenbänke errichtet. Auf ihnen können es sich 18 Personen bequem machen und den Ausführungen der Bergwerks-„Lehrer” lauschen. Diese berichten nicht nur von der schweren Arbeit, die seit der Gründung der Grube Barbara im Jahr 1908 im Berg verrichtet wurde.

Zu erzählen gibt es auch Interessantes über die Tierwelt. So sind in den dunklen und um die zwölf Grad kühlen Grubengängen unter anderem Fledermäuse und Feuersalamander zu finden.

Alleine 17 verschiedene Fledermausarten wurden im Nossertal nachgewiesen. Die jugendlichen Besucher des Lehrstollens dürfen aber auch selbst aktiv werden und Schieferstückchen aus den Wänden hauen. Für einen Besuch wird festes Schuhwerk und eine warme Jacke empfohlen; Helme werden gestellt.

Alle Sicherheitsstandards wurden beachtet. Hier arbeitetete der Förderverein mit dem Bergamt und dem Tüv Rheinland zusammen. Die Elektrik muss stimmen, ebenso die Belüftung. Weil im Stollen zu wenig Sauerstoff für eine große Gruppe vorrätig ist, muss sauerstoffreiche Luft von draußen zugeführt und die verbrauchte Luft abtransportiert werden.

Führungen im Lehrstollen dauern etwa 30 bis 45 Minuten. Sie finden unabhängig von den normalen Bergwerksführungen statt, können aber auch im Anschluss an eine verkürzte Bergwerksführung erfolgen. Zielgruppe sind Jugendliche ab dem zweiten Schuljahr. Führungen finden von März/April bis Oktober statt. Gruppen sollten vorher angemeldet werden.