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Bistumsreform: Schweicher Wunschpfarreien sind nicht dabei

Die neugotische Pfarrkirche St. Martin in Schweich gehört zu den schönsten Gotteshäusern im Dekanat Schweich-Welschbillig. TV-Foto: Friedemann Vetter
Die neugotische Pfarrkirche St. Martin in Schweich gehört zu den schönsten Gotteshäusern im Dekanat Schweich-Welschbillig. TV-Foto: Friedemann Vetter FOTO: Friedemann Vetter (ClickMe)
Schweich. Die Dekanatsleitung hatte einen Zuschnitt erhofft, der sich stärker an den Lebensgewohnheiten der Menschen orientiert. Der Dechant antwortet prompt. Albert Follmann

Schweich Das Dekanat Schweich-Welschbillig ist eines der wenigen im Bistum, das in seinen Grenzen nahezu unverändert als Großpfarrei fortbestehen soll. Die Verbandsgemeinden (VG) Trier-Land und Schweich bleiben in Gänze in der neuen Struktur bestehen, drei Pfarreien stoßen hinzu: Trittenheim, Heidenburg und Büdlich. Damit orientieren sich die Bistumsreformer an der Kommunalreform. Trittenheim ist 2012 zur VG Schweich gekommen, die Orte Heidenburg, Büdlich und Breit (VG Thalfang) wollen den Wechsel.
Dechant Ralph Hildesheim, der sich derzeit in Urlaub befindet, hatte wohl mit einem neuen Zuschnitt der Großpfarrei gerechnet, der sich stärker am Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen orientiert. Wie Pastoralreferent Roland Hinzmann mitteilt, hat sein Chef schon am Samstag, einen Tag nach Bekanntgabe der Pläne durch Bischof Ackermann, einen Brief an das Synodenbüro geschrieben. Hinzmann: "Der Raum Sehlem-Hetzerath-Klausen wäre eine Option für uns gewesen. Die Menschen sind Richtung Schweich orientiert." Das Gleiche gelte für den Trierer Stadtteil Ehrang. Viele Gläubige von dort besuchten Gottesdienste in Schweich. Dagegen tendierten die Eifelorte Aach und Butzweiler eher zur Stadt Trier.
Der von unterschiedlichen Regionen und Mentalitäten geprägte Dekanatszuschnitt, der von der Sauer über die Eifel bis zur Mosel reicht, macht auch für Joachim Wagner wenig Sinn. Er ist Vorsitzender der Pfarreiengemeinschaft Schweich und sagt. "Wir müssen schon zwei Dekanatssingen veranstalten, denn der Moselaner fährt nicht den weiten Weg bis zur Sauer, und der Langsurer kommt auch nicht an die Mosel." Die Bistumsreform müsse man dazu nutzen, die Priester von Verwaltungsaufgaben zu entlasten, sagt Wagner. Dabei seien nicht nur Laien gefragt, auch fest angestelltes Fachpersonal. Die Priester müssten mehr für seelsorgerische Aufgaben freigestellt werden, meint auch Klaus Christmann. Der Vorsitzende der Pfarreiengemeinschaft Welschbillig sagt: "Da müssen Finanz- und Verwaltungsexperten ran. Ehrenamtliche alleine können das nicht leisten." Laut Christmann hätte man die Reform schon viel früher angehen sollen. Sie sei ein mutiger Schritt in die richtige Richtung. Den weitläufigen, halbmondartigen Pfarreienzuschnitt im Speckgürtel von Trier sieht er nicht so kritisch wie sein Schweicher Kollege Joachim Wagner. Man müsse ja nicht alle Hauptamtlichen in Schweich zentralisieren, so Christmann. Um die Fläche besser bedienen zu können und die Wege nicht zu lang werden zu lassen, sollten die Pastöre ihre Wohnsitze beibehalten.
Pastoralreferent Roland Hinzmann sieht neue Herausforderungen auf die kirchlichen Mitarbeiter zukommen: "Wir müssen Kundschafter sein, gucken, wie und wo was läuft, neue Kommunikationswege finden und Schwerpunkte bilden." Beispielsweise könne man sich auf kirchenmusikalische Zentren festlegen oder auf Räume für Exerzitien, Gebete, die Familienkirche oder die Katechese. "Die Sozialräume müssen mit den Menschen vor Ort entstehen, sonst ist der Perspektivwechsel nicht möglich", sagt Hinzmann. Altes dürfe bestehen bleiben, das habe auch Generalvikar von Plettenberg bei der Vorstellung der Reform betont, und Neues müsse entwickelt werden. Hinzmann denkt dabei auch an zielgruppenorientierte Gottesdienstformen.PFARREIENREFORM: WIE GEHT ES WEITER?

Extra

In der sogenannten Resonanzphase soll bis Oktober der territoriale Entwurf in den Pfarreien und Gremien diskutiert werden. Änderungsvorschläge sind ausdrücklich erwünscht. Für Rückmeldungen können auch bistumsweit Formulare genutzt werden, die im Internet über die Dekanate oder das Bistum abrufbar sind. Unter der Rufnummer 0651/7105-777 ist ein "Resonanztelefon" des Bistums Trier geschaltet. Laut Bistum kann es bis zum Herbst durchaus noch zu neuen Grenzziehungen bei der ein oder anderen Großpfarrei kommen. Bis Ende 2019 sollen die "Themenzentren" stehen, Anfang 2020 soll die Reform unter Dach und Fach sein.