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Bürger sehen Bahnausbau kritisch

Etwa an dieser Stelle soll der zweigleisige Bahnausbau bei Igel beginnen. Zwischen Bahndamm und Häusern wird eine Lärmschutzwand gebaut. Über die Brücke im Hintergrund verläuft die B 49. Auch dieses Bauwerk wird erneuert. TV-Foto: Albert Follmann
Etwa an dieser Stelle soll der zweigleisige Bahnausbau bei Igel beginnen. Zwischen Bahndamm und Häusern wird eine Lärmschutzwand gebaut. Über die Brücke im Hintergrund verläuft die B 49. Auch dieses Bauwerk wird erneuert. TV-Foto: Albert Follmann
Igel. Etwa 120 Bürger haben sich am Montag über den 19 Millionen Euro teuren Gleisausbau zwischen Igel und Wasserbillig informiert. Das Projekt wird kritisch beurteilt: Anwohner befürchten eine Beeinträchtigung der Lebensqualität durch mehr Güterverkehr und die geplante Schallschutzwand. Albert Follmann

Igel. Nachdem die Herren der Bahn am Montagabend im Igeler Gemeindehaus ihre Präsentation über den zweigleisigen Ausbau zwischen Igel und Wasserbillig beendet hatten, hagelte es Fragen über Fragen aus den Reihen der etwa 120 anwesenden Bürger. "Wir werden den Finger in die Wunde legen" versprach denn auch Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig im Namen des Gemeinderats. Einige Anwesende kündigten bereits an, dass sie im Zuge des Beteiligungsverfahrens Widerspruch einlegen wollen.
Das Projekt: Zwischen Igel und Igel-West (Grenze bei Wasserbillig) soll auf zwei Kilometern Länge ein zweites Bahngleis verlegt werden. Im Frühjahr 2013 sollen die Arbeiten beginnen, 2015 sollen sie abgeschlossen sein, Die Investitionen von 19 Millionen Euro (Luxemburg beteiligt sich mit acht Millionen Euro) beinhalten die Erneuerung von Brücken, unter anderem über die B 49 (der TV berichtete) und die Kreisstraße 3, ferner Felshang-Sicherungen und den Bau einer 621 Meter langen und bis zu vier Meter hohen Lärmschutzwand. Parallel zu diesem Ausbau soll ein "Außenbahnsteig" am Bahnhof Igel gebaut werden, inklusive Bahnhofsumfeldgestaltung. Wie berichtet, ist der Landesbetrieb Mobilität Trier für Planung und Bau der Brücke über die Bundesstraße zuständig. Hier gibt es im Frühjahr 2013 eine mindestens 16-tägige Vollsperrung. Wie der Verkehr umgeleitet werden soll, darüber konnten die Bahnvertreter auf der Bürgerversammlung keine Angaben machen. Auch die Frage, wo man nach dem Wegfall von mehreren Stellplätzen durch den Bau des Außenbahnsteigs am Bahnhof Igel künftig parken könne, blieb unbeantwortet.
Der Hintergrund: Die Strecke soll für die "Verdichtung des Rheinland-Pfalz-Taktes" fit gemacht werden. Zurzeit fahren die Züge im Stundentakt nach Luxemburg, diese Frequenz soll auf eine halbe Stunde und in einem weiteren Schritt auf 20 Minuten (Nah- und Fernverkehr sowie Güterzüge) reduziert werden. In Zahlen: Heute verkehren etwa 60 Züge pro Tag auf der Igeler Route, 2025 sollen es 150 sein. Die Regionalbahn, die bisher in Trier-Hauptbahnhof endet, soll ab dem Jahr 2015 bis Luxemburg weiterfahren. Ab 2017 werde es einen neuen Haltepunkt am luxemburgischen Finanzzentrum "Kirchberg" für die Pendler geben, kündigte Hannes Tesch, Leiter Produktionsplanung DB Netze, an. Auch gebe es Planungen, neben den zwei Linien über die Konzer Moselbrücke eine dritte, die "Westtrasse", für die Regionalbahn zu reaktivieren. Bei Ehrang sollen Züge von der Moselstrecke auf die westlichen Trierer Stadtteile übergeleitet werden. Etwa ein halbes Dutzend Haltestellen seien geplant.
Das Beteiligungsverfahren: Es findet unter der Regie des Eisenbahnbundesamtes statt. Bürger, Behörden und Naturschutzverbände haben die Möglichkeit, Bedenken und Anregungen vorzubringen - Privatpersonen können zudem klagen. Die Pläne sind vier Wochen im Rathaus von Trier-Land für jedermann einsehbar.
Die Bedenken: Anwohner Michael Grundhöfer befürchtet, dass die Schallschutzwand im Bereich Janzstraße den Erdgeschosswohnungen das Licht und die Sicht nimmt.
Wo der Bahndamm hoch liege, schaue man inklusive Lärmschutz dann auf eine zehn Meter hohe Wand, meinte Michael Grundhöfer. Andere Bürger kritisierten, dass Igel "Riesenbelastungen" ausgesetzt werde, ohne zu wissen, ob die Westtrasse überhaupt komme.
Monika Johaentges (Löwener Mühle) fände es wichtig, die Nahverkehrstarife attraktiver zu gestalten: "Wer steigt denn auf deutscher Seite ein, wenn es in Luxemburg wesentlich billiger ist, mit dem Zug zu fahren?"Meinung

Es gibt noch Aufklärungsbedarf
Die beiden Projektleiter der Bahn haben sich redlich bemüht, den Bürgern den Bahnausbau zu erläutern. Der Abend hat aber gezeigt, dass eine Einwohnerversammlung für diese komplexe Maßnahme zu wenig ist. Zu viele Fragen sind offen geblieben. Das liegt in erster Linie an den Mehrfachzuständigkeiten. So hätte es der Veranstaltung gut getan, wenn ein Vertreter des Landesbetriebs Mobilität anwesend gewesen wäre und Fragen zu Brückensanierungen, Sperrungen und Umleitungen beantwortet hätte. Auch die vom eigentlichen Gleisausbau abgekoppelten Umbauten am Igeler Bahnhof hätten näherer Erläuterungen bedurft, etwa was die künftigen Parkplätze angeht. Selbst wenn Höhe, Form und Farbe der Lärmschutzwand noch nicht endgültig feststehen, hätte man erwarten können, dass den Bürgern einmal optisch präsentiert wird, wie diese aussehen könnte. So fischte man bei diesem Thema doch arg im Trüben. Mehr Aufklärung und Transparenz ist jedenfalls vonnöten. Da ist auch die Gemeinde gefordert. a.follmann@volksfreund.de