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Politik
Streit in der CDU: Urgestein wirft hin

Da war die Welt noch eher in Ordnung: Gemeinsam präsentieren im Februar 2017 Oswald Disch (links) und Alexander Bohr (rechts) Lothar Zengerling als Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der VG Trier-Land.
Da war die Welt noch eher in Ordnung: Gemeinsam präsentieren im Februar 2017 Oswald Disch (links) und Alexander Bohr (rechts) Lothar Zengerling als Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der VG Trier-Land. FOTO: CDU Trier-Land
Ralingen/Welschbillig. Oswald Disch hat seinen Rücktritt als Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Trier-Land erklärt. Warum? Von Harald Jansen
Harald Jansen

Er ist Beigeordneter des Verbandsgemeinde Trier-Land, Ortsbürgermeister von Ralingen, seit 40 Jahren in der CDU und seit einigen Tagen nicht mehr Vorsitzender des CDU-Gemeindeverbands Trier-Land mit seinen gut 220 Mitgliedern: Oswald Disch. Er hatte 2013 das Amt des Gemeindeverbandsvorsitzenden von Ralf Kierspel übernommen. „Ich habe das Amt in der letzten Sitzung niedergelegt“, sagt Disch im Gespräch mit dem TV. Der Grund: „Ich will nicht der alleinige Sündenbock für die verlorene Bürgermeisterwahl sein.“

Rückblende: Bei der Suche nach einem Nachfolger für Wolfgang Reiland, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Trier-Land, waren ursprünglich fünf Bewerber ins Rennen gegangen. In einer Stichwahl gewann schließlich Michael Holstein (Freie Wähler) gegen Lothar Zengerling (CDU). Holstein wird im Frühjahr 2019 die Amtsgeschäfte übernehmen.

Michael Holstein habe die Wahl gewonnen, sagt Disch. „Damit ist die Sache abgeschlossen.“ Es gelte nun, das Gespräch mit dem künftigen Verwaltungschef zu suchen. „Wir müssen mit ihm zusammenarbeiten.“ Das ständiges Nachkarten nach dem Wahlgang durch Parteimitglieder führe hingegen zu nichts.

Es seien jedoch nicht nur die Anfeindungen wegen der Wahl, die Grund für den Rücktritt sind. Oswald Disch hat nach eigenem Bekunden auch „seit Jahren Probleme mit Alexander Bohr“. Der ist unter anderem Fraktionschef der CDU im Verbandsgemeinderat Trier-Land. „Ich wollte die CDU öffnen und mit Transparenz versuchen, auch Jüngere anzusprechen.“ Das sei  mit Bohr jedoch nicht zu machen gewesen. Auch sonst habe es in vielen Punkten immer wieder Reibereien gegeben. Im Rückblick resümiert Disch, dass seine Gegner nicht in den anderen Parteien sitzen würden, sondern in der eigenen Partei.

Für die neue Wahlperiode will Oswald Disch auf VG-Ebene nicht mehr antreten, auf Kreisebene sowieso nicht. „Mit Alexander Bohr gehe ich auf keine Liste mehr“, sagt der 59-Jährige. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Ralinger sich aufs kommunalpolitische Altenteil zurückziehen möchte. „Ich bin bereit, noch einmal als Ortsbürgermeister in Ralingen zu kandidieren.“ In den vergangenen Jahren sei dort viel erreicht worden. Nicht zuletzt aufgrund der guten Beziehungen nach Luxemburg. Bei der Ortsbürgermeisterwahl 2014 war Disch ohne Gegenkandidaten angetreten und hatte 75 Prozent der Stimmen in seinem Heimatort mit seinen sechs Ortsteilen erreicht.

Alexander Bohr kann den Schritt Dischs nicht nachvollziehen. „Ich bin völlig überrascht gewesen“, sagt der Vorsitzende der CDU im Verbandsgemeinderat Trier-Land im Gespräch mit dem TV. Seiner Meinung nach hätten er und Disch keinen Streit. Er sieht auch keinen Grund, warum Oswald Disch im kommenden Jahr nicht erneut für einen Sitz im Verbandsgemeinderat Trier-Land kandidieren sollte.

Alexander Bohr spricht von der Summe kleiner Fehler, die dazu geführt hätten, dass Lothar Zengerling nicht Bürgermeister geworden sei, „obwohl wir den besseren Mann hatten“. Die gemachten Fehler müsse man auch ansprechen dürfen. Das habe er auch schon bei der Mitgliederversammlung gesagt, bei der Disch seinen Rücktritt verkündet habe. Der Fraktionschef geht davon aus, dass im Gemeindeverband alles wie bisher weiterlaufe. Schließlich gebe es mit Christian Zöpfchen (Kordel) und der Kreisbeigeordneten Jutta Roth-Laudor (Newel-Butzweiler) zwei Stellvertreter.