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Dann eben DSL-Anschluss durch die Luft

Endlich DSL-versorgt: Klüsserath an der Mosel. Die Ortsbürgermeister der beteiligten Gemeinden zeigen eine DSL-Hausantenne (kleines Foto von links): Rudolf Körner (Schleich), Lothar Schätter (Ensch), Norbert Friedrich (Klüsserath) und Frank Hömme (Pölich). Leserfoto: Archiv/TV-Foto: Friedhelm Knopp
Endlich DSL-versorgt: Klüsserath an der Mosel. Die Ortsbürgermeister der beteiligten Gemeinden zeigen eine DSL-Hausantenne (kleines Foto von links): Rudolf Körner (Schleich), Lothar Schätter (Ensch), Norbert Friedrich (Klüsserath) und Frank Hömme (Pölich). Leserfoto: Archiv/TV-Foto: Friedhelm Knopp
KLÜSSERATH/ENSCH/PÖLICH/SCHLEICH. Internet-Nutzer auf dem Land warten vielerorts vergebens auf eine schnelle Breitband-Anbindung. Für vier Orte an der Mittelmosel ist der DSL-Anschluss nicht länger ein Wunschtraum – dank einer Versorgung über ein eigens eingerichtetes Funknetz. ARRAY(0xbc30d478)

Die Initiative ging von Klüsserath aus. Dort gab es bisher so gut wie keine Breitband-Möglichkeit. Nur einige Anschlüsse, die noch über alte Kupferleitungen mit großem Querschnitt liefen, ließen sich für das "abgespeckte" und deutlich langsamere 1000er-DSL nutzen. Die Deutsche Telekom stand der Sache gleichgültig gegenüber und regte sich über Jahre hinweg nicht. Dasselbe Problem hatten die Internet-Nutzer in den Klüsserather Nachbarorten Pölich, Ensch und Schleich. Der Pölicher Ortsbürgermeister Frank Hömme sagt: "Ich hatte seit fünf Jahren vergebens versucht, mit der Telekom ins Geschäft zu kommen." Schließlich wurden die verhinderten Breitband-Nutzer in den vier Orten auf die Spezialfirma Paracom aus Oberehe aufmerksam. Paracom hatte schon vor einigen Jahren ein System präsentiert, das per Funk die DSL-Verbindung über die Fläche verteilen kann. Als potenzielle Kunden angesprochen werden Internet-Nutzer im ländlichen Gebieten, in denen die Telekom offenbar "mangels Masse" kein Interesse an einer DSL-Versorgung zeigt. Norbert Friedrich, Ortsbürgermeister von Klüsserath, sagt: "Durch die Berichterstattung im Trierischen Volksfreund sind wir erst auf die Firma Paracom aufmerksam geworden." Anfang 2006 nahm Friedrich schließlich Kontakt mit den Nachbargemeinden Pölich, Ensch und Schleich auf. Zunächst galt es, den vorhandenen Bedarf festzustellen. Rund 100 DSL-Interessenten erschienen dann im Frühjahr zu einer Informationsveranstaltung in Klüsserath, bei der die Firma Paracom ihre DSL-Funk-Versorgung vorstellte. Sender steht in Detzem

Friedrich berichtet: "Der Abend wurde ein voller Erfolg. Aus den vier Orten meldeten sich genügend Interessenten, um eine Versorgung über Funk zu realisieren." Im nächsten Schritt begann die Suche nach einem geeigneten Sendestandort, von dem aus die Gemeinden per Funk versorgt werden konnten. Zwei Kriterien waren die Voraussetzung für einen geeigneten Standort: Alle vier Orte mussten in seinem Sendebereich liegen, und er sollte Anbindung an eine 6000er-DSL-Leitung haben. Als technisch einfachste Lösung bot sich der bestehende "Fernseh-Umsetzer" auf dem Alskopf bei Detzem, an. Der von der Telekom-Tochter "Deutsche Funkturm GmbH" betriebene Sender versorgt die umliegenden Orte mit den öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen. Da die Funkturm GmbH jedoch für die Mitnutzung ihres Standorts eine Einmalzahlung zwischen 20 000 und 30 000 Euro verlangte, wurde eine andere Lösung gesucht. Ein geeigneter Standort fand sich auf einem Grundstück der Gemeinde Detzem, das etwas unterhalb des Alskopfs liegt. Mit Zustimmung der Gemeinde wurde dort ein zehn Meter hoher Sendemast errichtet. Ein Solarkollektor mit 30 Watt Leistung versorgt die Anlage mit Strom. Die Energieversorgung bei Dunkelheit übernimmt eine starke Batterie. Eine Richtfunkverbindung zum Industriegebiet Föhren stellt den Anschluss an das 6000er-DSL-Netz her. Inzwischen besitzen rund 100 Teilnehmer in den vier Orten einen DSL-Anschluss. Zum Empfang reicht eine Hausantenne in DIN-A-4-Größe. Für einige Ortsteile, die in Funklöchern lagen, wurden "Repeater" installiert. Für die Ortsbürgermeister ist das Projekt "ein Beispiel, was sich durch interkommunale Zusammenarbeit erreichen lässt. Unser Dank gilt der Gemeinde Detzem."