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Der schiefe Turm von Leiwen

Leiwen. Ungewöhnliche Rettungsaktion in Leiwen: Aus knapp 50 Meter Höhe wurde das Turmkreuz der Pfarrkirche St. Stephanus geborgen. Das 300 Kilo schwere Kreuz hatte Schieflage und drohte abzustürzen. Jetzt soll es restauriert werden. Albert Follmann

Leiwen. Irgendwie habe das Kirchenkreuz schon immer schief gehangen, aber trotzdem gehalten, meinten Zaungäste einer ungewöhnlichen Rettungstat kürzlich in Leiwen: Ein 100-Tonnen-Kran mit 77 Meter Auslegerlänge, der in der Kirchgasse beim Friedhof postiert war, hievte am frühen Morgen zwei Dachdecker der Firma Ludes aus Leiwen im Korb zur Turmspitze. Sie sollten das vier Meter hohe und 300 Kilogramm schwere Kreuz lösen und an einem 220-Tonnen-Kran befestigen, dessen Teleskoparm anderthalb Stunden später in Richtung Kirchturm in Bewegung gesetzt wurde. Der zweite Kran operierte vom Kirchenvorplatz aus.
69 Tonnen Gegengewicht sorgten für die Balance, als sich der 85 Meter lange Ausleger zu dem knapp 60 Meter entfernten Turmkreuz hochschraubte. Aus 50 Metern Höhe hob der Kran dann das Kreuz von der Turmspitze ab. Zuvor hatten die Dachdecker die Schiefereindeckung und einen Teil der hölzernen Tragekonstruktion beseitigt, damit das Kreuz abgehoben werden konnte.
Der Einsatz der beiden Kräne musste präzise aufeinander abgestimmt werden. Das gelang reibungslos, wie Projektleiter Stefan Christen von der Firma Steil bestätigt. Am späten Vormittag war die Bergung beendet. Nun soll das Kreuz in einer Kunstschmiede restauriert werden. Möglicherweise wird im kommenden Jahr die historische Helmkonstruktion der Pfarrkirche (siehe Extra) komplett erneuert. Der Trierer Architekt Ulrich Hower hat für das Bistum eine Kostenaufstellung erstellt; mit einer Entscheidung werde im Spätherbst gerechnet, sagt Hower.Extra

Die ältesten heute noch stehenden Teile der Kirche St. Stephanus in Leiwen sind der spätgotische Chor, die ehemalige Sakristei (heute Taufkapelle) und die Krypta. Sie entstanden um das Jahr 1500. Langhaus und Westturm wurden um das Jahr 1770 nach Plänen von Johannes Seiz von dessen Bruder Andreas errichtet. 1923 wurde die Kirche um zwei Seitenschiffe erweitert. alf