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Die Mitholer geben Vollgas an der Mosel

Daumen raus: Nach dem Vorbild des Trampens funktioniert der Mitholer, dem hier in Longuich einen guten Start wünschen (von links): Landrat Günther Schartz, Bundestagsabgeordneter Bernhard Kaster, Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder (Longuich), Beigeordnete Anita Kruppert (Schweich), Bürgermeisterin Christiane Horsch (VG Schweich), Ortsbürgermeister Rony Sebastiani (Fell) und Diplom-Geograf Maik Scharnweber. TV-Foto: Albert Follmann
Daumen raus: Nach dem Vorbild des Trampens funktioniert der Mitholer, dem hier in Longuich einen guten Start wünschen (von links): Landrat Günther Schartz, Bundestagsabgeordneter Bernhard Kaster, Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder (Longuich), Beigeordnete Anita Kruppert (Schweich), Bürgermeisterin Christiane Horsch (VG Schweich), Ortsbürgermeister Rony Sebastiani (Fell) und Diplom-Geograf Maik Scharnweber. TV-Foto: Albert Follmann
Longuich/Schweich/Fell. Der "Mitholer", ein Mitfahrsystem der Gemeinden Longuich, Fell und Schweich, ist gestartet. An neun Haltestellen können sich Bewohner kostenlos mitnehmen lassen. Voraussetzung: Fahrer und Mitfahrer müssen registriert sein. Albert Follmann

Longuich/Schweich/Fell. Während in der Region erbitterte Diskussionen über den Königsweg in der Verkehrspolitik geführt werden (neue Straßen wie Moselaufstieg und Meulenwald-Autobahn kontra Ausbau von Schiene und öffentlichem Nahverkehr), machen drei Gemeinden an der Mosel Nägel mit Köpfen: Sie starten den "Mitholer". Das System ist neu, der Name gewollt, weil regionaltypisch. Der Mitholer soll keine Konkurrenz zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) sein, wie Maik Scharnweber vom Büro für Mobilitätsberatung und Moderation aus Trier bekräftigt, sondern eine Ergänzung. Es ist ein Baustein des Mobilitätsmanagement-Konzeptes der Gemeinden Fell und Longuich, das in einem Bundeswettbewerb mit dem dritten Platz ausgezeichnet wurde (der TV berichtete).

Wie funktioniert der Mitholer? Er unterstützt die spontane Bildung von Fahrgemeinschaften. Bürger aus Schweich, Longuich und Fell, die kein eigenes Auto besitzen oder es nicht nutzen wollen, können sich in ihrem Gemeindebüro oder auf der Internetseite www.mitholer.de registrieren lassen. Dann erhalten sie ein Startpaket, bestehend aus einem Ausweis mit Kenn-Nummer und einer Stofftasche, auf der groß das orange-grüne Mitholer-Logo zu sehen ist. Mit Tasche oder Ausweis als Erkennungszeichen stellen sich dann diejenigen, die gerne von ebenfalls registrierten Fahrern mitgenommen werden wollen, an die Straße. In den teilnehmenden Orten Fell, Longuich und Schweich sind auch neun feste Mitnahmestellen eingerichtet worden (Standorte siehe Extra). Die "Mitholer", also die Fahrer, können sich ebenfalls durch einen Ausweis legitimieren, sie erhalten zudem einen Aufkleber für ihr Fahrzeug.
Sind Mitfahrer versichert? Ja, über die KFZ-Haftpflichtversicherung des Fahrzeughalters. Optional können die Beteiligten sicherheitshalber eine SMS an die Kurzwahl 42444 abschicken, dann wird die Fahrt registriert und kann bei Bedarf zurückverfolgt werden. Die SMS sollte das Kennwort "Mitholer" enthalten sowie die Kenn-Nummer des Fahrers und des Mitfahrers sowie den Einstiegsort (beispielsweise "Kirche Fell"). Auch Jugendliche dürfen das Mitfahrsystem nutzen, bei unter 18-Jährigen ist die Unterschrift der Erziehungsberechtigten erforderlich. Die Daten werden vertraulich behandelt und nach zwei Wochen automatisch gelöscht.

Festakt zur Eröffnung: An einer Longuicher Bushaltestelle ist der Mitholer kürzlich offiziell eröffnet worden. Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder kann sich vorstellen, dass Trier zur Modellregion wird, wenn es in den drei Moselorten gut läuft. Der Mitholer könne helfen, die Mobilitätsnachteile auf dem Land zu beseitigen. "Wir brauchen neue Modelle für die Bedarfsverkehre, selbst in Trier gibt es Probleme mit der Taktierung im ÖPNV", sagte Landrat Günther Schartz. Der Mitholer passe in die Strategie des Kreises, die wohnortnahe Infrastruktur im Zuge des demografischen Wandels aufrechtzuerhalten. Der Mitholer wird vom Moro-Programm "Regionale Daseinsvorsorge" des Kreises gefördert.Meinung

Glück auf, Mitholer!
Die Idee ist klasse, nur darf man sich vom Mitholer keine Wunder erwarten. Er wird Zeit brauchen. Auch ist das System auf Vertrauen aufgebaut. Gerade am Anfang wird der ein oder andere etwas Courage aufbringen müssen, um sich an die Straße zu stellen und - mit der Mitholer-Tasche wedelnd - nach einem Fahrer Ausschau zu halten. Wer aber auf diese bequeme und kostenlose Weise einmal zum Einkaufen oder zum Arzt gefahren worden ist, der wird schnell von den Vorzügen überzeugt sein. Insbesondere für Jugendliche, aber auch für ältere Menschen, die kein Auto haben oder sich das Fahren in der Stadt nicht mehr recht zutrauen, kann der Mitholer eine große Hilfe sein. Im Übrigen ist er mehr als ein Transport von A nach B. Er fördert das soziale Miteinander - und das nicht nur durch Gespräche im Auto. Auch eine Dorfgemeinschaft kann durch solch ein Projekt enger zusammenwachsen. Glück auf, Mitholer! a.follmann@volksfreund.deExtra

Folgende neun Mitholer-Haltestellen gibt es: Longuich (3): Weinstraße, Einmündung Raiffeisenstraße; Hezerothsgarten, Bushaltestelle Friedhof. Ortsteil Longuich-Kirsch: Trie rer Straße, Einmündung Neustraße. Fell (3): Kirchstraße, Ecke Neustraße und Bachstraße; Kirchstraße Höhe Kirche. Ortsteil Fastrau: Moselstraße Höhe Kirche. Schweich (3): Brückenstraße, an der neuen Skulptur "Trompetenbaum" am Hisgenhaus; Richtstraße, Einmündung Madellstraße; Ermesgraben, Einmündung Isseler Straße. alf