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"Die Pflege treibt die Kosten nach oben"

Reinsfeld/Trier. Drei Viertel aller Gemeinden im Kreis haben seit 2007 die Friedhofsgebühren angehoben - teilweise um mehr als 50 Prozent. Das passiert meist nicht freiwillig, sondern auf Druck der Kreisverwaltung. Sie achtet darauf, dass verschuldete Kommunen ihre Einnahmepotenziale ausschöpfen. Albert Follmann, Christa Weber und Axel Munsteiner

Reinsfeld/Trier. Friedhofsgebühren sind ein sensibles Thema. Bürgermeister und Räte lassen lieber die Finger davon, obwohl sie ganz genau wissen: Friedhöfe sind gemeindliche Eigenbetriebe und müssen kostendeckend bewirtschaftet werden. Das passiert aber in den wenigsten Fällen. Zum einen sind häufige Preissteigerungen für Grabstellen nicht gerade imagefördernd für eine Wiederwahl, zum anderen geraten die Entscheidungsträger auch in eine moralische Zwickmühle: Die Betroffenen sind doch mit dem Todesfall in der Familie schon bestraft genug, jetzt sollen sie auch noch fürs Grab tiefer in die Tasche greifen …
Wie drastisch die Erhöhungen ausfallen können, zeigt das Beispiel der Stadt Konz. Auf einen Schlag ging\'s von 450 auf 920 Euro hoch für ein normales Erdgrab, für Urnengräber stiegen die Kosten von 170 auf 390 Euro. Für Bürgermeister Karl-Heinz Frieden ist die veränderte Bestattungskultur eine der Ursachen für die Preisexplosion. In Konz seien mittlerweile die Hälfte der Gräber Urnengräber. Und dafür müsse die Stadt 25 Jahre lang die Pflege übernehmen. "Die Pflege ist es, die die Kosten nach oben treibt", sagt Frieden.
Auch in Farschweiler (VG Ruwer) wird das Sterben teurer. Ein Reihengrab kostet 375 statt bisher 305 Euro. Für ein Urnengrab werden 180 Euro (vorher 150 Euro) fällig, für ein Rasengrab 2200 statt bisher 2000 Euro. Die Gemeinde habe die Gebühren seit 1995 nicht mehr erhöht und deshalb jetzt nachziehen müssen, um auf dem Friedhof wieder kostendeckend zu arbeiten, erläuterte Ortsbürgermeisterin Silke Bigge im Gemeinderat.
In Reinsfeld (VG Hermeskeil) kostet eine Doppelgrabstelle nun 1400 Euro statt 1300 Euro; der Kreis hatte 1500 Euro empfohlen. Ortsbürgermeister Rainer Spies macht keinen Hehl daraus, dass sich seine Gemeinde nur notgedrungen dem Druck der Kreisverwaltung gebeugt hat. "Die Kommunalaufsicht berücksichtigt überhaupt nicht, dass unser tatsächliches Rechnungsergebnis in Reinsfeld immer viel besser ausfällt als es in den Haushaltsplänen vorgesehen ist. Dass wir trotzdem dazu gezwungen werden, unsere Bürger mehr zu belasten, finde ich unfair", betont der SPD-Politiker. Die mit der Erhöhung der Friedhofsgebühren verbundenen Mehreinnahmen betragen 1000 Euro - "Peanuts", meint Spies.
"Wir machen das ja nicht, weil wir die Gemeinden schikanieren wollen", sagt Kreissprecher Thomas Müller. Der Kreis sei gesetzlich dazu verpflichtet, ein kritisches Auge auf die Einnahmen und Ausgaben der Kommunen zu werfen. Gemeinden mit einem defizitären Haushalt seien einerseits angehalten, zu sparen, andererseits müssten sie ihre Einnahmequellen ausschöpfen, etwa bei den Grundsteuern und den Friedhofsgebühren. Viele Orte hätten das über Jahre schleifen lassen und nicht angehoben. "Klar, dass es dann irgendwann knüppeldick kommt", meint Müller.
Im Jahr 2007 hat die Kreisverwaltung die 100 Gemeinden im Kreis schriftlich auf ihre Konsolidierungspflichten hingewiesen. Seitdem haben 75 Kommunen ihre Friedhofsgebühren angehoben. Kommunen, die Anpassungen notorisch verweigern, droht im Extremfall eine Haushaltssperre. Müller: "Es werden dann nur noch Kredite für unabweisbare und zwingend notwendige Ausgaben genehmigt." Unabweisbar - das dürfte für die kaputte Heizung im Bürgerhaus noch gelten, damit niemand frieren muss, aber für neue Stühle oder einen neuen Anstrich schon nicht mehr.