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Dorfentwicklung
Köwerich hält das „Gehäjschnis” hoch

So soll der Kunibertplatz später aussehen. Grafik: Büro-Plan Lenz
So soll der Kunibertplatz später aussehen. Grafik: Büro-Plan Lenz FOTO: Schramm, Johannes / TV
Köwerich. Was die Moselgemeinde so alles unternimmt, damit sich die Bürger wohl fühlen. Der St. Kunibert-Park ist das Leuchtturmprojekt. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Wenn der Moselfranke von einem „Gehäjschnis” spricht, dann schwebt er auf Wolke sieben. Dann ist er mit sich und der Welt im Reinen. Alles ist gut, alles ist so heimelig und wohltuend. Nun hat auch die Gemeinde Köwerich ihr Gehäjschnis. Die Bürger haben diese Wortschöpfung als Überschrift für ihr Leitbild gewählt, das sie sich im Zuge der Dorfmoderation gemeinsam erarbeitet haben (siehe Info). Man wolle Verantwortung tragen, heißt es da, man wolle Gemeinschaft leben und Zukunft gestalten.

Wie eine große Urkunde hängt das Leitbild an der Wand des Gemeindebüros hinter Ortsbürgermeister Elmar Schlöder (49). Er sitzt an seinem Schreibtisch, ist stolz auf das, was in dem Moselörtchen mit seinen 360 Einwohnern in den vergangenen vier Jahren erreicht worden ist.

Dabei war der Start nach der Kommunalwahl 2014 alles andere als optimal. Niemand wollte sich als Ortsbürgermeister zur Verfügung stellen, gerade mal zehn Bürger bewarben sich auf acht Gemeinderatsplätze. Drei Monate zog sich die Vakanz hin, schließlich erklärte Elmar Schlöder, Mitglied der Freien Wählergruppe Reimund Jostock, seine Bereitschaft, den Job zu übernehmen.

Die Gemeinde habe ihm viel gegeben, da wolle er auch etwas an sie zurückgeben, so die Argumentation des bei der Firma JTI tätigen Ingenieurs.  Er wolle die Gemeinde mit ihren 16 Beschäftigten wie einen mittelständischen Betrieb führen, sagte Schlöder damals dem TV, nur ohne Gewinnabsicht. Der unkonventionelle Neuanfang mit dem Ziel einer funktionalen und sozialen Dorfentwicklung beinhaltete auch, dass der Ortsbürgermeister und seine Beigeordneten Frank Basten und Andreas Regnery eigene Geschäftsbereiche bildeten.

Probleme gab es reichlich: eine überalterte Bevölkerung, zu wenige, die in den Vereinen Verantwortung übernehmen wollten, Gebäudeleerstand, Ortskernverödung und anderes mehr.

Heute kann man beim „Köwericher Modell” getrost von einer Erfolgsgeschichte sprechen. Die kooperative Führungskultur mit klarer Aufgabenverteilung und fest vereinbarten Zielen hat viele Dorfbewohner beeindruckt und zur Mitarbeit animiert. „Die Leute sehen wieder einen Sinn darin, sich für den Ort zu engagieren,” sagt der Ortsbürgermeister. Rund 40 Dorfbewohner haben sich in vier Arbeitsgruppen zusammengefunden und sich Gedanken gemacht, wie die Lebensqualität in Köwerich für Jung und Alt verbessert werden kann. Es ging speziell um das Ortsbild mit Gebäudenutzung und Platzgestaltung, um Mobilität und Infrastruktur, um Wirtschaft und Tourismus sowie um die Bereiche Dorfgemeinschaft und Freizeitangebote.

Herausgekommen ist nach zahlreichen Treffen ein 112-seitiger Abschlussbericht zur „Zukunftswerkstatt”. So nennen die Köwericher ihre Dorfmoderation, die im Jahr 2017 unter Begleitung des Büros Lenz (Winterspelt, Eifelkreis Bitburg-Prüm) über die Bühne ging.

Ein Leuchtturmprojekt, wie Ortsbürgermeister Schlöder es nennt, soll noch in diesem Jahr umgesetzt werden: der  Mehrgenerationenpark St. Kunibert.  Der Platz in der Ortsmitte soll durch die Verlegung der Kapellenstraße größer werden, er soll einen verglasten Pavillon erhalten, einen Spielplatz mit Kletterturm und einen Vierjahreszeitengarten.

Köwerich, das kürzlich vom  Land als Schwerpunktgemeinde der Dorferneuerung anerkannt wurde, soll für das 280 000 Euro-Projekt Kunibert-Park eine Landesförderung von 100 000 Euro bekommen. Weitere 20 000 Euro haben der Ortsbürgermeister und die Beigeordneten zur Verfügung gestellt. Sie haben die Aufwandsentschädigung, die sie für ihre Ehrenämter erhalten, gespendet. Bei Schlöder macht das 545 Euro monatlich aus. Der Theaterverein hat 3000 Euro gegeben, die Raiffeisenbank 1250 Euro.

Nicht zuletzt durch die Vermarktung von Grundstücken in seinem Neubaugebiet hat Köwerich keine finanziellen Nöte. Ende des vergangenen Jahres verfügte man laut Ortschef Schlöder über eine Rücklage von 450 000 Euro. Bis zum Jahr 2020 soll die Kunibert-Straße ausgebaut werden, auch die Neugestaltung des Moselvorlandes hat die Gemeinde ins Auge gefasst.

Das Dorferneuerungskonzept soll fortgeschrieben werden. Durch die Anerkennung als Schwerpunktgemeinde für die Dauer von acht Jahren haben auch Privatleute die Möglichkeit, Förderleistungen in Anspruch zu nehmen. Etwa für neue Fassaden, Fenster und Vorhöfe. Schließlich soll Köwerich mit seinen vielen alten Winzerhäusern noch sehr lange ein Gehäjschnis bleiben...

Der heutige Spielplatz in Köwerich soll noch im Laufe dieses Jahres zum St. Kunibert-Mehrgenerationenpark umgestaltet werden.
Der heutige Spielplatz in Köwerich soll noch im Laufe dieses Jahres zum St. Kunibert-Mehrgenerationenpark umgestaltet werden. FOTO: Follmann, Albert / TV
Ortsbürgermeister Elmar Schlöder, Köwerich
Ortsbürgermeister Elmar Schlöder, Köwerich FOTO: Follmann, Albert / TV