| 21:54 Uhr

Ehranger Brücke droht der Abriss

Sanierung oder Neubau? Ein technisches Gutachten entscheidet über die Zukunft der Ehranger Moselbrücke. Foto: Gerhard Steinle
Sanierung oder Neubau? Ein technisches Gutachten entscheidet über die Zukunft der Ehranger Moselbrücke. Foto: Gerhard Steinle
Trier. Die Moselbrücke Ehrang kann möglicherweise durch eine Sanierung nicht dauerhaft erhalten werden. Je nachdem, wie stark die Schäden an der Stahlkonstruktion sind, muss eine neue Brücke gebaut werden. Von unserem Redakteur Albert Follmann

Trier. Die 1968 erbaute Moselbrücke Ehrang ist möglicherweise in einem so schlechten baulichen Zustand, dass sie nicht mehr repariert werden kann, sondern komplett durch eine neue Brücke ersetzt werden muss. Das hat das Autobahnamt Montabaur auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Bisher war geplant, das stark befahrene Moseltal-Nadelöhr - rund 34 000 Fahrzeuge befahren die Brücke täglich - in den kommenden beiden Jahren zu sanieren. Geschätzte Kosten: drei Millionen Euro.

Entscheidung fällt im Sommer



Nun habe sich herausgestellt, dass die Stahlbleche schon so weit "ermüdet" sein könnten, dass sie an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit stoßen, sagt Jürgen Gest, Leiter des Autobahnamtes Montabaur. Klarheit über die zu erwartende Lebensdauer der Moselbrücke soll das Gutachten eines Ingenieurbüros bringen. Es war speziell mit der Untersuchung der Stahlkonstruktion beauftragt worden. Das Ergebnis wird laut Gest voraussichtlich im Sommer vorliegen.

"Wenn sich herausstellen sollte, dass wir durch eine Sanierung nur 15 Jahre gewinnen, würde sich der Aufwand nicht lohnen", sagt Jürgen Gest.

Sollten die Ingenieure sich für einen Brückenneubau aussprechen, müsste ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden. Mindestens fünf Jahre, schätzt Gest, würden ins Land gehen, bis gebaut werden könnte. Um den Verkehr während des Baus aufrechterhalten zu können, müsste die neue Brücke neben der bestehenden gebaut werden.

Den grundsätzlichen Sanierungsbedarf der Ehranger Brücke hatte 2005 ein Ingenieur-Trupp bei einer Hauptuntersuchung festgestellt. 2008 habe dann eine Einzeluntersuchung ans Licht gebracht, dass die Stahlbleche stärker belastet seien als angenommen, erläutert der Chef des Autobahnamts. Problematisch sei nur das mit Stahlträgern bestückte Mittelstück der knapp 600 Meter langen Brücke; die Anschlussrampen aus Beton in Trier-Ehrang (B 52/A 64/B 53) und in Kenn (B 52/A 602) wiesen keine Mängel auf. Ob neu gebaut wird, darüber wird letztlich der Bund als Zahler entscheiden.

Neben dem Gutachten zur Brücke soll demnächst auch ein Verkehrsgutachten präsentiert werden, das der LBM dem Kreisausschuss zugesagt hat. Es soll aufzeigen, wie der Streckenabschnitt von der Ehranger Brücke bis zur Luxemburg-Autobahn (A 64) entlastet und der Verkehrsfluss verbessert werden kann (der TV berichtete). Täglich bilden sich dort Staus im Berufsverkehr. Warnungen vor Verkehrsproblemen im Raum Trier seien jahrelang ignoriert worden, kritisiert Landrat Günther Schartz. Statt eine nachhaltige Verbesserung zu fördern, sei die Nordumfahrung aus dem vordringlichen Bedarf gestrichen worden.

Meinung

Verkehrsmisere im Moseltal


Von Albert Follmann

Ob die Ehranger Brücke saniert werden kann oder doch so marode ist, dass sie neu gebaut werden muss, ändert grundsätzlich nichts an der Verkehrsmisere im engen Moseltal. Das Problem ist nicht die Brücke selbst, denn die ist vierspurig und damit ausreichend dimensioniert. Eine Zumutung sind dagegen die Auf- und Abfahrten. Das gilt für die Ehranger Seite mit der B 53 und der Zufahrt zur Luxemburg-Autobahn genauso wie für die Kenner Seite mit der B 52 und der A 602. Zurzeit machen sich Gutachter und Straßenplaner Gedanken, wie sie den Verkehrsstrom bewältigen sollen. Letztlich bleibt das aber ein Herumdoktern an Symptomen, solange keine politische Entscheidung für den Verkehr im Großraum getroffen worden ist: Käme die Nordumfahrung, könnte man im Moseltal kleinere Brötchen backen, käme sie nicht, müsste man dort Straßen und Zufahrten dem tatsächlichen Verkehrsbedarf anpassen. a.follmann@volksfreund.de