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Weinbau
Longuicher Eiche trifft heimischen Wein

Freuen sich über ihr gemeinsames Projekt  (von links): Gebietsförster Joachim Haupert, Winzer Jürgen Hansjosten und  der aus Frankreich angereiste Fassholzkäufer Franck Deschamps. Rechts im Bild die Autorin unseres Beitrags,  Kerstin Müller. 
Freuen sich über ihr gemeinsames Projekt  (von links): Gebietsförster Joachim Haupert, Winzer Jürgen Hansjosten und  der aus Frankreich angereiste Fassholzkäufer Franck Deschamps. Rechts im Bild die Autorin unseres Beitrags,  Kerstin Müller.  FOTO: Kerstin Müller
Longuich. Eichen aus dem Longuicher Wald werden durch  einen Umweg über Frankreich für  Longuicher Winzer zu einem  wichtigen, durch Handwerkskunst veredelten Naturprodukt. Von Kerstin Müller

Einen weiten Weg haben die Eichen aus dem Longuicher Wald vor sich, bevor sie als mit Moselwein gefüllte Fässer in den Kellern der Longuicher Winzer lagern. Heimischer Wein reift im Holz von heimischen Bäumen – eine Erfolgsgeschichte, die dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Forstamt Trier, Winzern aus Longuich und einem französischen Fasshersteller zustande gekommen ist.

Für die Herstellung von Fässern sucht der selbstständige Holzhändler Franck Deschamps passende Eichenstämme, um diese an mehrere französische Küfereien zu liefern. Da Eichen sehr langsam wachsen und auch in anderen Bereichen der Holzverarbeitung sehr gefragt sind, gibt es für sie hohe Preise. So findet der Verkauf der wertvollen Ware über Einzelbetreuung des Käufers statt. Dies war auch in Longuich der Fall: Der zuständige Revierleiter des Forstreviers Fell, Rainer Müller, besuchte mit Franck Deschamps den Longuicher Wald. Dort suchte der erfahrene Holzkäufer unter den angebotenen Eichen die schönsten und für ihn geeignetsten Exemplare aus. Denn zur Fassherstellung benötigt man astfreie, gerade gewachsene und mit feinen Jahrringen versehene Bäume, die den heranreifenden Wein mit Sauerstoff versorgen sollen. Diese ausgewählten Stämme gelangen dann per Lastwagen nach Frankreich, wo die Fassherstellung in kleinen Sägewerken ihren Anfang nimmt.

Da bei der Verarbeitung nur 20 Prozent des Holzes verwendet werden, benötigt man für einen Festmeter Fassholz etwa fünf Festmeter Rundholz.

Zunächst werden die einen Meter langen Stammstücke in 20 Langhölzer (Dauben) unterteilt, die man später anhand von einer Markierung wieder entsprechend zusammensetzten kann. Diese 20 Dauben, die ein Fass ergeben, müssen zunächst 24 bis 30 Monate im Freien trocknen.

Nach dieser Zeit werden die Stücke wieder zusammengesetzt und mit Hilfe eines Eisenrings stabilisiert. Um zu der runden Form zu gelangen, wird das zukünftige Fass über ein Feuer gestülpt und von außen mit Wasser bespritzt. Dies führt dazu, dass sich die Holzfasern innen zusammenziehen und außen gestreckt bleiben. Das Weinfass hält ohne einen Tropfen Leim und ohne Nagel – man kann also getrost von einer Handwerkskunst sprechen, die hier zum Tragen kommt.

Zum Schluss wird der Fassinnenraum noch einer „Toastung” unterzogen. Dies ist eine Art Röstung, die man unterschiedlich stark vornehmen kann. Dabei entscheidet sich dann, welches Fass für welchen Wein verwendet werden kann.

Besonders beliebt sind die Fässer bei Rotwein. Letztendlich entwickelt aber jedes Fass im Wein seinen eigenen Geschmack und seine eigene Intensität. Es ist und bleibt eben ein Naturprodukt, das von den Winzern mit viel Fingerspitzengefühl eingesetzt wird.

Ziel ist es, den Wein so zu aromatisieren, dass die Frucht erhalten bleibt. Die Longuicher Winzer haben sich nun zusammengetan und eine stattliche Anzahl Barriquefässer bestellt. Diese Fässer haben ein Fassungsvermögen von 225 Litern und bieten so ein perfektes Verhältnis von Oberfläche zu Volumen, um das entsprechende Aroma abzugeben. Der darin herangereifte Wein besticht mit einer ganz besonderen, aber dennoch dezenten Note, die an Karamell, Schokolade oder Vanille erinnert.

Da der Barriquegeschmack von Jahr zu Jahr schwächer wird, kann man ein Fass etwa drei Jahrgänge für besonders ausgewählte Weine benutzen, für andere Weine auch länger.

Somit entsteht in Longuich ein durch und durch nachhaltiges und regionales Produkt, bei dem alle Bestandteile vom gleichen Boden und mit gleichem Wasser genährt wurden.

Diese Eiche aus dem Longuicher Wald geht in die Weinfassproduktion nach Frankreich. Nur ausgewählte Stämme werden genommen. 
Diese Eiche aus dem Longuicher Wald geht in die Weinfassproduktion nach Frankreich. Nur ausgewählte Stämme werden genommen.  FOTO: Lisa Konrath