| 18:33 Uhr

Erste Freiwillige für den Bürgerbus in der Verbandsgemeinde Ruwer

Noch steht hier nicht der „Poarbus“, aber diese Gruppe hat Interesse, den künftigen Bürgerbus zu fahren (von links): Albert Backes, Uwe Kirchartz, Manfred Dudek, Roland Schmitt, Josef Jäckels und Angelika Kirchartz.
Noch steht hier nicht der „Poarbus“, aber diese Gruppe hat Interesse, den künftigen Bürgerbus zu fahren (von links): Albert Backes, Uwe Kirchartz, Manfred Dudek, Roland Schmitt, Josef Jäckels und Angelika Kirchartz. FOTO: (h_tl )
Schöndorf. Der Anfang für einen ehrenamtlichen Fahrdienst in fünf Höhengemeinden der Verbandsgemeinde Ruwer (Kreis Trier-Saarburg) ist gemacht. Bei Bürgerversammlung in Schöndorf herrschte Aufbruchstimmung. Am 11. März legen Mitwirkende bei einem Workshop die Details fest. Albert Follmann

45 Bürgerbusse fahren in Rheinland-Pfalz, der 46. könnte schon in wenigen Monaten auf den Straßen der Verbandsgemeinde Ruwer unterwegs sein. Denn die Chancen stehen nach einem Informationsabend am Montag im Bürgerhaus Schöndorf gut. Etwa 40 Bewohner aus Bonerath, Hinzenburg, Holzerath, Ollmuth und Schöndorf waren gekommen, um Näheres über das geplante Projekt "Bürgerbus in der Poar" zu erfahren. Das nach zwei Vorträgen noch munter über Wünsche und Anregungen diskutiert wurde, stimmte Mitinitiator Albert Backes (Holzerath) froh. "Das Projekt steht und fällt mit ehrenamtlichen Helfern, und da sind wir für den Anfang gut aufgestellt."

Noch am gleichen Abend legten Holger Jansen, Projektleiter Bürgerbusse Rheinland-Pfalz, und die örtlichen Mitstreiter den nächsten Termin fest: Am Samstag, 11. März, soll es ab 14 Uhr einen Workshop geben, in dem Details festgelegt werden sollen: Wann und wohin fährt der Bürgerbus (mögliche Zielorte siehe Grafik)? Wie laufen die Kommunikationswege? Wer ist für was verantwortlich? Wo wird der Bus untergebracht? Wer informiert mögliche Zielgruppen wie Ärzte und Physiotherapeuten? Dass es Dutzende Dinge gibt, über die man sich schon im Vorfeld Gedanken machen muss, erläuterte Ralph Hintz, der Beauftragte für den Bürgerbus in Langenlonsheim (Landkreis Bad Kreuznach). Der gebürtige Hamburger, der mehr als vier Jahre Erfahrung mit Bürgerbus-Einsätzen hat, gab viele Tipps und erklärte sich bereit, der Poar Starthilfe zu geben.

Die Ausgangslage in Langenlonsheim war ähnlich wie im Hochwald: Es gab keine zufriedenstellende Abdeckung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Anfangs, so berichtete Hintz, hätten sich die dankbaren Nutzer, zumeist ältere Damen, Kuchen und Süßigkeiten mitgebracht, um ihre Dankbarkeit für den kostenlosen Hol- und Bringservice zu zeigen. "Das war schön und gut, aber nicht praktikabel, dann habe ich eine Spendenbox im Bürgerbus installieren lassen", sagt Hintz.

Obwohl die Fahrten grundsätzlich kostenlos seien, kämen etwa ein Drittel der gesamten Jahreskosten über Spenden herein. "Wenn einer nichts geben kann, ist das auch okay. Ein Lächeln reicht uns", sagt Hintz. Im vergangenen Jahr hätten Ärzte 800 Euro für das Bürgerbus-Projekt gespendet. "Die waren froh, weil sie durch uns weniger Hausbesuche machen mussten." Wichtig sei, dass der Bus für die zumeist älteren Mitfahrer umgerüstet werde: Fahreinstiegshilfe, Griff, eine Kiste für die Einkäufe, ein Schirm für den Fahrer, um Kunden trocken in den Bus zu geleiten.

Für den Neuner-Bus (acht Gäste, ein Fahrer) reiche ein normaler Führerschein der Klasse 3 oder B, erläuterte Hintz. Für die Fahrer empfiehlt er eine arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung. Der Versicherungsschutz sei über die Unfallkasse der VG abgesichert, ebenso die Haftpflicht. Alle paar Wochen lädt Ralph Hintz sein Team von 30 Leuten zum "Arbeitsfrühstück" ein. Dort wird unter anderem die Diensteinteilung gemacht.

Holger Jansen vom Institut Nexus betonte, das Angebot richte sich an Personen jeden Alters. Jedes Projekt müsse auf die Bedürfnisse der Region und der Bewohner zugeschnitten sein. Deshalb sei es wichtig, die Wünsche genau anzusprechen. Das taten die Anwesenden denn auch. Mehrere Zuhörer halten einen Zubringer zur Linie 30 in Pluwig für wichtig, damit sie dann im Halbstundentakt nach Trier weiterfahren können. Andere wollen gleich bis zum Oberzentrum oder zumindest bis nach Tarforst fahren. Wieder andere fragen, ob nicht auch Riveris und Morscheid oder Lampaden und Obersehr mit angebunden werden könnten. Laut Jansen ist ein Zubringerverkehr durchaus möglich, allerdings würden Haus-zu-Haus-Fahrten besser angenommen als Linienfahrten.

Bürgermeister Bernhard Busch (VG Ruwer) sagte logistische Hilfe zu, gab aber auch zu bedenken, dass keine Konkurrenz zu ÖPNV-Anbietern aufkommen dürfe. Die VG werde für das Projekt europäische Fördergelder beantragen, so Busch.Meinung

Nur Mut! Bald kann's losgehen In der Poar sind alle Voraussetzungen gegeben, damit das Bürgerbusprojekt die Lebensqualität verbessert. Es gibt Hilfe vom Institut Nexus und den Langenlonsheimern, es haben sich fürs Erste genügend Helfer gemeldet. Nun geht es am 11. März an die Feinjustierung und dann kann's auch schon bald losgehen. Allzeit gute Fahrt!
a.follmann@volksfreund.deTawern fährt gern

Im Kreis Trier-Saarburg gibt es bisher zwei Bürgerbusprojekte - in Mannebach (VG Saarburg) und Tawern (VG Konz). Der Tawerner Bus fährt seit Juli 2015. Laut Ortsbürgermeister Thomas Müller funktioniert das Angebot gut. Es gibt 13 ehrenamtliche Fahrer und fünf Telefonistinnen, die die Routen zusammenstellen. Es werden Ziele in den Verbandsgemeinden Saarburg und Konz angefahren, meist sind es Fahrten zu Ärzten oder Besuchsfahrten ins Krankenhaus oder zu Altenheimen, seltener sind Einkaufsfahrten. Nutzer sind überwiegend ältere Personen, die nicht mobil sind, aber auch Flüchtlinge. Nach Auskunft von Müller besteht oft noch eine Hemmschwelle, den kostenlosen Service zu nutzen. Der Bus wird täglich nachgefragt und ist unter der Woche im Einsatz. Genutzt wird ein Kleinbus, der vom Förderverein des Sportvereins angeschafft wurde und mit dem an Wochenenden Jugendmannschaften transportiert werden.