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| 21:00 Uhr

Erziehung mit dem Hobel

Auszubildender Achmed und Schreinermeister Josef Ernzerhof beim Abschaben der Leimreste. Aus dieser Holzplatte soll später ein Hocker werden.Foto: Anita Schack
Auszubildender Achmed und Schreinermeister Josef Ernzerhof beim Abschaben der Leimreste. Aus dieser Holzplatte soll später ein Hocker werden.Foto: Anita Schack
HELENENBERG/WELSCHBILLIG. Sascha, Achmed und Stefan sind drei von rund 80 Jugendlichen, die nicht nur im Jugendhilfezentrum (JHZ) Don Bosco Helenenberg leben, sondern dort auch einen Beruf erlernen. Der zweite Teil der TV-Serie über das JHZ berichtet über die beruflichen Möglichkeiten innerhalb der Einrichtung aus Sicht von Auszubildenden und deren Lehrern. ARRAY(0x2286dddd8)

"Ich hatte ziemlich große Probleme, bevor ich hierhin kam", sagt Achmed, der in der hausinternen Schreinerei des Jugendhilfezentrums (JHZ) Don Bosco Helenenberg eine Ausbildung zum Holzverarbeiter absolviert. "Seitdem hat sich mein Leben verbessert", fügt der 18-Jährige hinzu. Einer seiner Ausbilder, Werkstattleiter Werner Kreinz, spricht gar von einem "Riesensprung", den Achmed innerhalb der vergangenen Jahre gemacht habe. Stolz schwingt in seiner Stimme mit. Seit knapp zehn Jahren ist Werner Kreinz am Helenenberg tätig und hat in dieser Zeit zahlreichen Jugendlichen auf ihrem Weg in ein normales Leben zur Seite gestanden. Ausbilder in einer der Werkstätten am Helenenberg zu sein, bedeutete weit mehr, als fachliches Wissen zu vermitteln, ergänzt sein Kollege, Schreinermeister Josef Ernzerhof. "Wir sehen unsere Aufgabe auch im erzieherischen Bereich." Denn die Jugendlichen, die ins JHZ kommen, blicken alle auf eine bewegte Vergangenheit zurück. Darunter gibt es Fälle von Kleinkriminalität wie Diebstähle und Körperverletzungen, aber auch Jugendliche, die Sexualdelikte verübten. Jeder Lehrling erhalte eine Wochenbeurteilung, auf der neben der Leistungsbereitschaft das Sozialverhalten sowie besondere Vorkommnisse vermerkt werden. Verläuft ein Tag ohne nennenswerte Zwischenfälle, bekommt der Jugendliche 87,5 Punkte gutgeschrieben. Abzüge gibt es beispielsweise für Unpünktlichkeit - ein häufiges Problem der Jungs, denen es eben schwer falle, sich in geregelte Abläufe einzufinden. "Für jede Minute, die der Jugendliche zu spät zum Dienst kommt - Arbeitsbeginn ist um 8.05 Uhr - ziehen wir fünf Punkte ab", erläutert der Stellvertretende Ausbildungsleiter Giesbert Portz das Wertungssystem. Liege der Wochendurchschnitt bei über 75 Punkten, würden die Lehrlinge belohnt, entweder durch zusätzliches Taschengeld (maximal 12,50 Euro pro Woche) oder freie Zeit. Ein echter Anreiz für die 15- bis 20-Jährigen, sich im Betrieb anständig zu verhalten, sagt Portz. "Ich habe Angst, zu versagen"

Den Jugendlichen eine Ausbildung zu ermöglichen, mit der sie nach ihrer Zeit am Helenenberg im richtigen Leben Fuß fassen können, gehört zum Konzept der Einrichtung. Neben der beruflichen Qualifikation gehe es darum, die Auszubildenden an Regeln zu gewöhnen und Absprachen einhalten zu lernen. Insgesamt 27 Berufe aus sieben Berufsfeldern (Metall- und Holzbereich, Elektro, Ernährung, Gartenbau, Farbe und Logistik) stehen den Jugendlichen zur Auswahl. Schnupperpraktika in den verschiedenen Werkstätten vor Ausbildungsbeginn sind obligatorisch und sollen dabei helfen, das Richtige zu finden. Stefan hat sich entschieden. Er wird im September seine Ausbildung zum Metallbearbeiter beginnen. Sicherlich freue er sich darauf, endlich Geld zu verdienen, sagt der 17-Jährige. "Trotzdem habe ich Angst, zu versagen", gibt Stefan zu. Der Chancen, die ihm die Jugendhilfe-Einrichtung bietet, ist sich der Azubi in spe durchaus bewusst. "Wer sich hier anstrengt, kann einen großen Nutzen aus dem Angebot ziehen, und wer's vergeigt, halt nicht." Berücksichtigt werden bei der Ausbildung die zum Teil gravierenden Lernschwächen der Jugendlichen. "Die Defizite liegen hauptsächlich im theoretischen Bereich", erklärt der Stellvertretende Ausbildungsleiter. Entsprechend findet der Berufsschul-Unterricht in kleinen Gruppen statt. Der Leiter der Schreinerei, Werner Kreinz, ergänzt: "Ausbildungsabbrecher gibt es nur wenige. Wenn ein Jugendlicher seine Lehre vorzeitig beendet, hat das eher therapeutische Gründe." Weder er noch die anderen Ausbilder wüssten genau, wie das Leben der Jugendlichen aussah, bevor sie in die Einrichtung kamen. Von ihrem Recht auf Akteneinsicht machen sie kaum Gebrauch. "Es sei denn, jemand ist besonders aggressiv und neigt zu Gewaltausbrüchen, dann wollen wir das schon vorher wissen", sagt Kreinz. Abgesehen davon gleiche der Arbeitsalltag in den Werkstätten des JHZ dem in jedem anderen Ausbildungsbetrieb, betont er. "Wir freuen uns vielleicht noch ein bisschen mehr, wenn wir am Ende der Lehrzeit alle Jugendlichen durchbekommen haben." Diese Serie im TV wirft einen Blick hinter die Kulissen des Jugendhilfezentrums auf dem Helenenberg. In weiteren Ausgaben werden unter anderem die Fördermöglichkeiten im Bereich Schule und Freizeit vorgestellt.