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Flotter Vogel aus der Kernscheider Garage

In mühevoller Kleinarbeit hat Wilhelm Geradts (rechtes Foto) innerhalb von 970 Stunden sein Flugzeug zusammengebaut. Der Bausatz wurde aus den USA geliefert und bestand aus tausenden Einzelteilen.Fotos: privat
In mühevoller Kleinarbeit hat Wilhelm Geradts (rechtes Foto) innerhalb von 970 Stunden sein Flugzeug zusammengebaut. Der Bausatz wurde aus den USA geliefert und bestand aus tausenden Einzelteilen.Fotos: privat
Mit einem selbst gebauten Flugzeug in die Luft steigen - diesen Traum hat sich nun Wilhelm Geradts aus Trier erfüllt. Dieser Tage erhielt der Eigenbau seine Zulassung und absolvierte mit Erfolg den Erstflug. Von unserem Redakteur Friedhelm Knopp

Föhren/Trier. Wilhelm Geradts (55) ist pensionierter Flugingenieur und hat während seiner 28-jährigen Dienstzeit bei der Luftwaffe Tausende von Flugstunden absolviert. Dabei war er weltweit im Einsatz unter anderem bei Hilfs- und Katastrophenflügen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand konnte sich der begeisterte Flieger einen Jugendtraum erfüllen und aus einem Bausatz (Kit) ein eigenes Flugzeug bauen.13 000 Nieten und 60 große Baupläne

Geradts: "Da ich keine Risiken eingehen wollte, fiel meine Wahl auf ein Flugzeug des größten Kit-Herstellers ,Vans Aircraft' aus Oregon/USA. Es sind über 6500 Bausätze dieses Herstellers weltweit verkauft worden."Der Bausatz wurde im November 2006 im Container aus den USA geliefert. Er enthielt Tausende von Einzelteilen, angefangen vom Triebwerksinstrument bis zur letzten Schraube am Fahrwerk. Insgesamt mussten mehr als 13 000 Aluminiumnieten gesetzt werden, um die Struktur des Flugzeugs zu formen. 60 große Baupläne im Format Din A0 waren zu verwenden.Nach sechs Monaten oder 970 Stunden Bauzeit in seiner Garage in Trier-Kernscheid fand dann auf dem Flugplatz Föhren die Endmontage des einmotorigen Tiefdeckers statt. Insgesamt fünf Überprüfungen durch einen amtlichen Bauprüfer und einen Gutachter des Luftfahrtbundesamtes waren erforderlich, um eine Fluggenehmigung zu erhalten. In dieser Woche stieg Testpilot Bernhard Heller von der Föhrener Flugschule "Drive und Fly" zum Erstflug auf. Der Test verlief anstandslos. Heller zum TV: "Die Maschine ist so sorgfältig montiert, dass sie von Anfang an bei allen Flugmanövern exakt reagierte. Es musste nichts nachjustiert oder getrimmt werden." Die Daten des Flugzeuges:Vans Aircraft Typ RV-9A, Kennzeichen D-EPWG, zwei Sitze nebeneinander, 800 Kilogramm Startgewicht, 320 Kilogramm Zuladung, Start- und Landestrecke etwa 150 Meter, Reichweite maximal 1900 Kilometer bei vollen Tanks (140 Liter), luftgekühlter US-Flugmotor mit 160 PS, Höchstgeschwindigkeit 340 Stundenkilometer, Reisegeschwindigkeit etwa 290 Kilometer pro Stunde, Kosten inklusive Motor 50 000 Euro.

f.k._Flugzeugbau_Tragfl_gel_006.-GSB1IFO8S.1.jpg
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Ein Blick ins Innere verrät: Da ist Präzision gefragt.
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