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Forschung
Ihre Forschung könnte Leben retten

Die aus Schweich stammende Biologin Anna Monzel hat für ihre Forschungen einen internationalen Preis gewonnen. Ihre Erkenntnisse könnten dabei helfen, Tierversuche überflüssig zu machen.
Die aus Schweich stammende Biologin Anna Monzel hat für ihre Forschungen einen internationalen Preis gewonnen. Ihre Erkenntnisse könnten dabei helfen, Tierversuche überflüssig zu machen. FOTO: Anna Monzel
Trier/Schweich. Die Schweicherin Anna Monzel arbeitet in Luxemburg und hat in London einen Preis gewonnen. Das Preisgeld will sie nutzen, um der Krankheit Parkinson auf die Spur zu kommen. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Es ist kaum vorstellbar, dass eine so zierliche Person wie Anna Monzel schon einmal mit Nilkrokodilen gearbeitet hat. Hat sie aber, während ihres Biologie-Studiums in Bonn. Dem Verhalten der großen Panzerechsen auf die Spur zu kommen und beispielsweise die Empfindlichkeit ihrer Rezeptoren auf Oberflächenwellen des Wassers zu untersuchen, das fand die 28-Jährige spannend.

Doch noch aufregender als die Zoologie ist es für die in Schweich-Issel aufgewachsene und in Trier lebende Biologin, Krankheiten des Menschen zu erforschen – und zwar neurologische Krankheiten, genauer gesagt Parkinson und Alzheimer (siehe Info).

Monzel wechselte 2013 zum Masterstudium der Systembiologie an das Luxembourg Centre for Systems Biomedicine (LCSB) der Universität Luxemburg. Dort arbeitet sie heute in einer Forschungsgruppe unter der Leitung des Zellbiologen Professor Jens Schwamborn. Den Westfalen hat es durch seinen Job in Luxemburg ebenfalls nach Trier verschlagen.

Schwamborn ist Mitgründer der BioTech-Firma Braingineering Technologies, die für Pharmaunternehmen Testverfahren zur Herstellung von Parkinson- oder Alzheimermedikamenten anbietet. Schwamborns Team am LCSB ist es im vergangenen Jahr gelungen, menschliche Stammzellen in eine dreidimensionale, hirnähnliche Gewebestruktur („Organoid“) einzubetten. Anna Monzel hat das patentierte Verfahren im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit entwickelt.

Die sogenannten pluripotenten Stammzellen werden aus Hautzellen generiert und besitzen die Fähigkeit, sich zu verschiedenen Zellen zu entwickeln, da sie noch auf keinen bestimmten Gewebetyp festgelegt sind. Die davon abgeleiteten spezialisierten Zellen können beispielsweise Hormone und andere Botenstoffe produzieren – wie der menschliche Körper. Und somit werden sie interessant für die Parkinsonforschung.

Ein Nebeneffekt ist, dass weniger Tierversuche gemacht werden müssen. Monzel: „Tierversuche an Mäusen, Fischen oder Fruchtfliegen sind zwar derzeit nicht ganz verzichtbar, aber es ist schön, dass wir Alternativen haben.“

Unlängst hat die Biologin einen Preis der britischen Kosmetikfirma Lush für ihre Verdienste um die Vermeidung von Tierversuchen erhalten. Insgesamt 330 000 Pfund, umgerechnet 370 000 Euro, hat Lush für 18 Preisträger in elf Projekten ausgelobt. Anna Monzel wurde als Nachwuchsforscherin ausgezeichnet und erhielt für ihre Parkinsonforschung ein Stipendium in Höhe von 10 000 Pfund (rund 11 500 Euro).

Das Preisgeld will die 28-Jährige dazu verwenden, Organoide aus Stammzellen von gesunden und an Parkinson erkrankten Menschen herzustellen Diese Organoide sollen helfen, Mechanismen zu verstehen, die bei der Parkinson-Krankheit zum Absterben der Dopamin-produzierenden Nervenzellen führen.

Dazu werden die Organoide beispielsweise bestimmten Nervengiften ausgesetzt, um den Krankheitsverlauf zu simulieren und die Ursachen genau zu untersuchen.