| 20:44 Uhr

Gelber Sack in neuen Händen

Einmal im Monat werden die Gelben Säcke abgeholt. Und zwar am gleichen Tag, an dem die Papiertonnen geleert werden. Das könnte sich ab nächstem Jahr ändern. Dann ist nicht mehr der Abfallzweckverband ART für die Abholung der gelben Säcke zuständig. TV-Foto: Archiv/Roland Morgen
Einmal im Monat werden die Gelben Säcke abgeholt. Und zwar am gleichen Tag, an dem die Papiertonnen geleert werden. Das könnte sich ab nächstem Jahr ändern. Dann ist nicht mehr der Abfallzweckverband ART für die Abholung der gelben Säcke zuständig. TV-Foto: Archiv/Roland Morgen FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Trier. Der Abfallzweckverband verliert den Auftrag für die Einsammlung der Wertstoffsäcke in Trier und Trier-Saarburg. Die Bürger müssen sich womöglich an neue Abfahrtermine gewöhnen. Und es wird nicht überall die Plastiktüten geben. Bernd Wientjes

Trier Der Gelbe Sack, in dem Verpackungsmüll aus Kunststoff, Metall und Aluminium landet, wird in Trier und Trier-Saarburg gleichzeitig mit der Papiertonne abgeholt. Das ist seit Jahren so. Daran haben sich die Bürger gewöhnt. Auch dass sie bei über 20 Ausgabestellen im Stadtgebiet und über 70 im Landkreis die Rollen mit den hauchdünnen Gelben Säcke abholen können. Doch das könnte sich im kommenden Jahr ändern. Denn derzeit noch werden die Gelben Säcke vom Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) abgeholt. Nach TV-Informationen hat dieser jedoch bei der aktuellen Ausschreibung für die Abholung der Gelben Säcke in Trier und Trier-Saarburg nicht den Zuschlag erhalten. Offiziell bestätigen will man das beim ART allerdings nicht. "Eine offizielle Rückmeldung zur Ausschreibung ist bei uns durch die Betreiber des Dualen Systems noch nicht eingegangen", teilt Sprecherin Nadine Büdinger auf Anfrage unserer Zeitung mit. Das bedeutet nach Recherchen unserer Zeitung aber nichts anderes, als dass der ART den Auftrag, den er seit 1993 hat, für die kommenden drei Jahre von 2018 bis 2020 nicht mehr hat. Denn alle Unternehmen, die entsprechende Ausschreibungen gewonnen haben, wurden bereits informiert. Das Duale System, auch bekannt als Grüner Punkt, vergibt Lizenzen an Verpackungshersteller. Damit erkaufen sich diese das Recht, dass die von ihnen hergestellten Verpackungen in den Gelben Sack oder auch in die Papiertonne kommen dürfen. Das System, zu dem unterschiedliche Firmen gehören, vergibt auch die Aufträge zur Abholung des Verpackungsmülls. Für Trier und Trier-Saarburg erfolgte die Ausschreibung zur sogenannten Erfassung der Gelben Säcke im April durch das zum Dualen System gehörende Unternehmen BellandVision aus dem bayrischen Pegnitz. Gegenstand der Ausschreibung war unter anderem, "gebrauchte Leichtverpackungen zu erfassen und den Systemen beziehungsweise einem von den Systemen beauftragten Dritten bereitzustellen". 12 000 Tonnen Gelbe Säcke werden pro Jahr in der Stadt und im Landkreis eingesammelt. 900 000 Euro bekommt der ART nach Informationen unserer Zeitung dafür. Auf drei Jahre gerechnet fehlen damit dem Unternehmen 2,7 Millionen Euro an Einnahmen. Zwar sammelt der ART den Plastikmüll nicht mehr ein, er wird ihn aber weiter sortieren. Und zwar durch die Tochtergesellschaft ART Abfallberatungs- und Verwertungsgesellschaft. Mitarbeiter sortieren in einer Halle im Trierer Hafen Verpackungsmüll und Glas. Allerdings nicht nur aus Trier und Trier-Saarburg, sondern aus der gesamten Region und aus anderen Bundesländern.Über 100 000 Tonnen Müll würden dort pro Jahr verarbeitet, sagt ART-Geschäftsführer Max Monzel. Zu dem verlorenen Auftrag äußert er sich nicht. Klar ist aber, dass das Unternehmen, dass künftig die gelben Säcke in der Stadt und im Landkreis einsammelt, diese auf jeden Fall zur Sortierung zur ART-Verwertungsgesellschaft bringen muss. Diesen Auftrag hat der ART weiterhin. Nach Stand der Dinge wird künftig der bundesweit tätige Entsorger Remondis den Verpackungsmüll in Trier und Trier-Saarburg einsammeln.Man sei derzeit "Bestbieter" im Rahmen des Ausschreibungsverfahren, bestätigte Siegfried Rehberger, Geschäftsführer von Remondis Südwest in Mannheim, gestern unserer Zeitung. Ein verbindlicher Vertrag sei aber noch nicht abgeschlossen. "Wir gehen davon aus, dass in den nächsten zwei Wochen ein endgültiger Zuschlag erfolgen wird."Laut Rehberger wird sich bei der Einsammlung für die Bürger nichts ändern. Er sagt allerdings nichts dazu, wann und in welchem Rhythmus die Gelben Säcke künftig eingesammelt werden und wo es künftig die Plastiktüten geben wird. Kaum vorstellbar, dass es weiterhin fast 100 Ausgabestellen geben wird. Das Pikante daran: Remondis fährt etwa im Eifelkreis Bitburg-Prüm im Auftrag des ART unter anderem Papier- und Sperrmüll ab. In Trier und Trier-Saarburg würden sie dann zu Konkurrenten. KommentarMeinung

Ein umkämpftes GeschäftMüllentsorgung ist ein Geschäft, mit dem viel Geld verdient werden kann. Daher ist es auch ein umkämpftes Geschäft. Dass nun erstmals seit über 20 Jahren nicht der ART die Gelben Säcke in Trier und im Landkreis einsammeln wird, ist daher nicht verwunderlich. Der Auftrag wird alle drei Jahre ausgeschrieben. Nun gehörte der Zweckverband erstmals nicht zu den Bestbietern. Für den ART hält sich der Verlust des Auftrags finanziell in Grenzen. Doch es ist zu befürchten, dass sich für die Bürger mit einem neuen Entsorger einiges ändern wird. Und sei es nur, dass sie nicht mehr so einfach an die Plastiktüten kommen. Da könnte Ärger programmiert sein. Und womöglich zeigt sich dann, dass nicht immer nur der Bestbietende auch tatsächlich das beste Angebot hat. b.wientjes@volksfreund.de