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Großer Umbau für kleine Leute

Außen futuristisch, innen geräumig und zweckmäßig: Die Kindertagesstätte Gusterath ist in den vergangenen anderthalb Jahren für rund eine Million Euro saniert und erweitert worden. Am Freitagmorgen ist feierliche Einweihung. Von unserem Redakteur Albert Follmann

Gusterath. Ortsunkundige müssen schon genau hingucken, um den Gusterather Kindergarten hinter hohen Bäumen zu entdecken. Oder genau hinhören, denn die Kinder lieben es, in dem kleinen Park rund um die Kita ausgelassen zu spielen und zu toben. Die Autos sind außer Sichtweite, was gut ist für die Sicherheit der Kleinen. Wer allerdings ein Faible für Architektur hat, wird bedauern, dass das Gebäude fast gänzlich den Blicken entzogen ist. Mit seiner Stelzenbauweise, der rundlichen Fassade und den bunten Fenstern war der futuristische Bau schon beim "Tag der Architektur" zu bewundern.

Das war im Sommer. Jetzt, im Herbst, ist aus dem Kindergarten eine "richtige" Kindertagesstätte geworden. Der Anbau bietet Platz für eine Turnhalle, Nebenräume und Toiletten. Neu sind auch die Photovolta ikanlage auf dem Dach und die Heizung mit fortschrittlicher Wärmerückgewinnung. Die vier Gruppenräume wurden komplett renoviert. "Es musste viel mehr raus, als wir dachten, am Ende sind fast nur noch die Wände stehen geblieben", begründet Ortsbürgermeister Al fred Bläser die zeitliche Verzögerung von mehr als einem halben Jahr. Wenn am Freitag Einweihung gefeiert wird, ist alles bis auf die Außenanlagen fertig.

Die Gesamtkosten beziffert Bläser auf 1,065 Millionen Euro, wobei der Ausbau der Nebenräume mit rund 440 000 Euro und die Sanierung mit 237 000 Euro zu Buche schlagen. An Zuschüssen fließen rund 320 000 Euro, die Hälfte kommt vom Kreis.

Bläser lobt die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Franzenheim, aus der etwa 15 Kinder in den Gusterather Kindergarten gehen, und die sich anteilmäßig an den Kosten beteiligt. Das Kita-Team habe viel Improvisationstalent bewiesen, sagt Bläser, der auch den Gemeindearbeitern Manfred Gorges, Dominic Willems und Willibrord Meyer für ihren Einsatz dankt: "Während des Umbaus wurde die Kita zu ihrem zweiten Zuhause."

Zweite Köchin ab November



Kita-Leiterin Anke Alten ist froh, dass die Platznot behoben ist. "Wir hatten keinen Schlafraum und keinen Personalraum, unsere Besprechungen haben wir in der Küche gemacht." Durch den Umbau seien die Voraussetzungen zur Aufnahme von Kindern ab einem halben Jahr geschaffen worden (siehe auch Extra). Ab November, berichtet die Leiterin, stehe eine zweite Wirtschaftskraft zur Verfügung. Dann könne auch täglich frisches Essen zubereitet werden. Dass der Kindergartenbetrieb während der Bauphase trotz der Enge so gut funktioniert habe, sei nicht zuletzt der großen Hilfsbereitschaft der Eltern zu verdanken. Die Grundschule habe bereitwillig Sachen zwischengelagert.

Angst vor dem demografischen Wandel braucht die gemeinde-eigene Kita in Gusterath übrigens nicht zu haben. Denn der 2000-Einwohner-Ort ist wegen seiner guten Infrastruktur ein Anziehungspunkt für junge Familien. Die 33 Baustellen im "Landflur" seien binnen eines Jahres verkauft worden, berichtet Ortsbürgermeister Bläser. Für das nächste Baugebiet an der Ringstraße seien 17 Interessenten vorgemerkt. EXTRA Kita Gusterath Plätze: 48 Ganztages- und 42 Teilzeitplätze; 19 Plätze für Kinder unter drei Jahren, davon sieben Krippenplätze. Gemeinden: Die Kita wird besucht von Kindern aus Gusterath, Gusterath-Tal, Franzenheim und Lonzenburg. Gruppenstruktur: Zwei geöffnete Kindergartengruppen ("Mäusegruppe" und "Hasengruppe") für jeweils 25 Kinder, davon jeweils sechs Plätze für Kinder ab zwei Jahren. Eine Regelkindergartengruppe ("Fuchsgruppe") für 25 Kinder zwischen zweidreiviertel und sechs Jahren. Eine altersgemischte Gruppe ("Igelgruppe") für 15 Kinder, davon sieben Krippenplätze. Personal: Leiterin, zwölf Erzieherinnen, eine gruppenübergreifende Projektkraft, zwei Französisch-Fachkräfte, Hauswirtschafterin. (alf)