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Wirtschaft
Noch nicht zu haben, aber schon begehrt

Der Industriepark Region Trier (hinten) soll in Richtung Hetzerath (vorne rechts) erweitert werden. Zusätzlich könnten dann 35 Hektar für Gewerbeansiedlungen zur Verfügung stehen.
Der Industriepark Region Trier (hinten) soll in Richtung Hetzerath (vorne rechts) erweitert werden. Zusätzlich könnten dann 35 Hektar für Gewerbeansiedlungen zur Verfügung stehen. FOTO: Portaflug
Föhren/Hetzerath. In drei Jahren könnten sich die ersten Firmen im erweiterten Industriepark Region Trier ansiedeln. Auch im Gründerzentrum gibt es bald wieder mehr Platz. Von Albert Follmann
Albert Follmann

Der 110 Hek­tar große Industriepark Region Trier (IRT) bei Föhren ist seit Jahren auf Wachstumskurs. Und das dürfte auch so bleiben, obwohl das Gewerbegebiet mit seinen 133 Betrieben und 2600 Beschäftigten mittlerweile flächenmäßig ausgereizt ist. Ab dem Jahr 2020, so die Planung, sollen weitere 35 Hektar Gewerbeflächen in Richtung Hetzerath (Verbandsgemeinde Wittlich-Land) zur Verfügung stehen. Laut IRT-Geschäftsführer Reinhard Müller gibt es bereits Anfragen von Firmen, die sich dort ansiedeln wollen.

Bis es soweit ist, müssen aber noch einige Verfahrenshürden genommen werden. So muss ein städtebaulicher Entwurf mit Umweltbericht erstellt werden, außerdem können Bürger und Behörden zu dem Projekt Stellung beziehen.

Die Umweltbehörde SGD Nord hat keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Erweiterung. Sie hat jedoch zur Auflage gemacht, dass die Erweiterungsfläche überwiegend „autobahnaffinen und produzierenden Betrieben” ab einem Hektar Größe vorbehalten sein muss. Außerdem muss der Bauernhof, der durch die Erweiterung am meisten Ackerflächen verliert, angemessenes Land als Ersatz bekommen. Erst wenn das gewährleistet ist, darf die Erweiterung des Industrieparks angegangen werden.

Das Problem mit einer 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung, die sich quer durch die Erweiterungsfläche zieht, könnte sich im Jahr 2021 erledigen. Denn durch die Inbetriebnahme der neuen Verbindungsleitung Thalfang-Osburg kann die bestehende Stromleitung zwischen der Umspannanlage Bekond bis nach Koblenz außer Betrieb genommen werden. Die Firma Westnetz habe zugesagt, mit dem (kostenlosen) Abbau der alten Trasse am IRT zu beginnen, teilte Verbandsvorsteher Dennis Junk mit. „Das passt genau für unser Vorhaben.”

Bevor sich der erste Betrieb ansiedeln darf, muss die Landesstraße 141 in nordwestliche Richtung verlegt sein. Die jetzige Straße soll teilweise für die interne Erschließung der neuen Parkflächen genutzt werden. Laut Planer Kurt Müller vom Trierer Büro Boxleitner gibt es Überlegungen, den Knotenpunkt L 141/L 47 (Abzweigung von Hetzerath nach Föhren)  umzugestalten. Das soll den Verkehr an der Gefällstrecke Richtung Hetzerath beruhigen.

Auf 15 bis 16 Millionen Euro schätzt Geschäftsführer Reinhard Müller die Kosten für die Erweiterung des IRT. In der Grobkalkulation enthalten sind Grunderwerb, Erschließung, aber auch der Ankauf von Ausgleichsflächen. Diese sind gesetzlich vorgeschrieben und sollen Eingriffe in die Natur kompensieren. Hochproduktive landwirtschaftliche Flächen sollen nicht in Anspruch genommen werden, verspricht Müller. Man denke da eher an Weinbergsbrachen. Der Landwirtschaftskammer war schon ein Dorn im Auge gewesen, dass durch die IRT-Erweiterung wertvolle Acker­flächen verloren gehen (der TV berichtete).

Da der IRT Ende 2018 voraussichtlich über liquide Mittel von rund 3,5 Millionen Euro verfügt, kann er die Erweiterung viel entspannter angehen als den Ausbau der früheren Militärliegenschaft in der Gründerzeit. Da lag kein Geld auf der hohen Kante.

Mitglieder des 1992 gegründeten Zweckverbands sind die Kreise Trier-Saarburg und Bernkastel-Wittlich, die Stadt Trier, die Verbandsgemeinden Schweich und Wittlich-Land sowie die Ortsgemeinden Bekond, Hetzerath und Föhren.

Ein Großteil der geplanten IRT-Erweiterungsfläche gehört der Unternehmensgruppe Lehnen (Sehlem). Das Familienunternehmen mit seinen rund 220 Mitarbeitern ist schwerpunktmäßig im Tiefbau und im Straßenbau unterwegs und betreibt links von der L 141 in Fahrtrichtung Hetzerath bereits eine Recycling-Anlage.

Lehnen möchte dort alle seine Sparten konzentrieren und beteiligt sich anteilmäßig an den Erschließungskosten. „Das ist ein Glücksfall für uns, wir sichern eine Firma im Bestand, sparen Geld für die Erschließung und bekommen Gewerbesteuer”, bemerkte Landrat Günther Schartz. Positiv wurde in der Verbandsversammlung auch angemerkt, dass Sehlem und andere Orte durch die Lehnen-Konzentration verkehrsmäßig entlastet werden.

Doch nicht nur die IRT-Erweiterung beschäftigt derzeit den Zweckverband. Es sind auch Änderungen im Bestand geplant (siehe Info zum Erweiterungsbedarf).

Wird erweitert: Das Silo des Tierfutterherstellers Vet-Concept.
Wird erweitert: Das Silo des Tierfutterherstellers Vet-Concept. FOTO: Albert Follmann