| 14:05 Uhr

Kultur
Je später der Abend, desto ausgelassener die Gäste

von links: Norbert Olk (an der Gitarre), Peter Kruse, Michael Frede (mit Mütze), Horst Lachmund, Carla Schött, Wolfgang Keil, sitzend: Reinhard Boesten und Elisabeth Cannivé-Boesten.
von links: Norbert Olk (an der Gitarre), Peter Kruse, Michael Frede (mit Mütze), Horst Lachmund, Carla Schött, Wolfgang Keil, sitzend: Reinhard Boesten und Elisabeth Cannivé-Boesten. FOTO: Clemens Sarholz
Schweich. Weine, Geschichten und Lieder präsentierte die Stefan-Andres-Gesellschaft in Schweich.  Von Clemens Sarholz

Jürgen Schmitz, vom Weingut Schweicher, läuft durch die Reihen und sorgt dafür, dass die Gläser der Gäste nicht leer bleiben.

Er präsentiert insgesamt 80 Zuhörern und Weintrinkern seinen 2017 Schweicher Burgmauer Weissburgunder, während das Gitarristen-„Duo Uno“ Bella Ciao auspackt. Es ist das 8. Mal, dass es den Abend in der Form gibt. Beim „Literatur und Weinkultur“-Abend der StAG stehen fünf weitere Weine auf dem Programm, sieben Geschichten von drei Autoren, Musik und Italien. Das Land, in dem der Autor, Stefan Andres, am liebsten gewohnt hat.

„Bereiten wir uns nun auf eine heitere Hinrichtungsszene vor:“ freut sich Elisabeth Cannivé-Boesten, auf die Lesung. In der Geschichte „Die Unterlassungssünde des Fra Diavolo“, von Stefan Andres begegnet das Auditorium „einem Aufständischem gegen die Fremdherrschaft in Italien während der Zeit Napoleons.

Die Texte sind szenisch aufgearbeitet. Das Lesen mit all seinen Techniken – wie Artikulation, Tempo und Einsatz, steht im Vordergrund. Nicht nur Stefan Andres’ Geschichten werden vorgelesen. Horst Lachmund liefert ein Essay zu Italien und Emil Angel einen Text zu Texel. Alle Autoren des Abends – Stefan Andres, Horst Lachmund und Emil Angel – haben etwas gemeinsam: Ihre Diktionen sind anschaulich, ihre Beredsamkeit exakt und elegant. Sie lieben die pointierte Ausdrucksweise, die aphoristische Formulierung. Sie wirken effektvoll, ohne dem Effekt nachzujagen.

So wie der Wein. Er begegnet dem Gaumen weich. ,Der Effekt des Weines breitet sich langsam im Kopf aus. Während es zu Beginn des Abends noch kein Problem für die Redner oder Musiker war, sich Gehör mittels Löffel und Glas zu verschaffen, verfehlt diese Methode zu späterer Stunde seine Wirkung. Zu ausgelassen ist die Stimmung.