| 17:46 Uhr

Soziales
Handreichen bei Knobeln, Cous-Cous und Samosas

Aufeinander zugehen und sich kennenlernen – das ist den Jugendlichen aus der Waldracher Johanniter-Wohngruppe und ihren Nachbarinnen im Palaver gelungen.
Aufeinander zugehen und sich kennenlernen – das ist den Jugendlichen aus der Waldracher Johanniter-Wohngruppe und ihren Nachbarinnen im Palaver gelungen. FOTO: Regina Lüders
Waldrach. Waldracher haben junge Geflüchtete aus der Johanniter-Wohngruppe beim Begegnungsabend im Palaver getroffen.

„Jetzt kenne ich schon vier mit Namen“, sagt Martha Willems und strahlt. Die Waldracherin wohnt direkt angrenzend an die Wohngruppe für jugendliche Flüchtlinge in der Bahn­hofstraße: „Die Jungs sind immer lieb und freundlich, aber man weiß wenig voneinander“, bedauert sie. Als erster Gast kommt sie zusammen mit ihrer Freundin Rita Carduck an diesem Abend, hilft Herbert Küstner und dem ehrenamtlichen Palaver-Team noch mit bei letzten Vorbereitungen – und soll nicht die einzige Nachbarin bleiben.

„Genau das haben wir uns gewünscht für die Jungs, persönlichen Kontakt zu der tollen Nachbarschaft zu bekommen“, freut sich Johanniter-Einrichtungsleiter Christian Riga, während seine Schützlinge den Damen ein Knobel-Spiel erklären. Jutta Raab, erste Vorsitzende vom Palaver-Trägerverein Willkommen im Ruwertal und auf den Höhen freut sich mit, denn sie kennt das Problem: „Die Leute sind ungeheuer hilfsbereit, bringen Kleider, Räder und spenden, aber im direkten Kontakt fremdeln noch viele.“ Es sei ein langsamer Prozess: „Aber die Palaver-Tür steht immer offen – egal ob man aus Waldrach oder dem Sudan kommt.“

An diesem Abend kommen die 17- bis 19-Jährigen aus Somalia, Syrien, Afghanistan und Ghana, sie haben vorher stundenlang gekocht: exotische Hähnchenschenkel an Gemüse, frittierte Kochbananen, Cous-Cous-Salat und gefüllten Blätterteigauflauf. „Nuradin hat noch bis spätnachts Samosas, seine somalischen Teigtaschen, geformt, damit heute alles perfekt wird“, sagt Matthis Thiemt, der von Johanniterseite aus alles geplant, vorbereitet und die Jungs motiviert hat. Der Geschmack gibt ihm recht.

Für Wohngruppenleiter Christian Riga ist der Abend ein Anfang: „Wir planen mehr, auch mit dem engagierten Team vom Palaver.“ Vielleicht wird so auch der Wunsch des 17-jährigen Ali aus Afghanistan, Deutsche Freunde zu finden, bald Wirklichkeit. Martha Willems, die Nachbarin, jedenfalls steht schon auf der Freunde-Seite: „Jetzt traut man sich auch mal ein Gespräch mit den Jungs zu starten, wenn man sie auf der Straße sieht.“