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Meinung
Es gibt nur Verlierer

Bernhard Busch hat nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts wohl am ehesten noch Grund zur Freude. Zwar hat er sein Amt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen. Und auch die Koblenzer Richter sind davon überzeugt, dass er jahrelang Unrecht begangen hat.

Gleichwohl muss der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ruwer nicht mit den finanziellen Einbußen leben, die das Verwaltungsgericht Trier für sinnvoll erachtet hatte. Nach drei Jahren erhält er die Pension, die auch ein in Ehren verabschiedeter Bürgermeister erhalten hätte.  
Ein weiterer Verlierer der Dienstwagenaffäre hat gar nicht auf der Anklagebank gesessen, sonder auf der des Klägers:  Landrat Günther Schartz. Mit seinem Verhalten  in den vergangenen drei Jahren hat er Autorität und Ansehen verspielt. Denn anscheinend sind für ihn Beamte nicht gleich. Oder glaubt jemand, dass Schartz einen seiner Mitarbeiter  ebenfalls einfach so hätte weiter arbeiten lassen, der den Landkreis jahrelang um Geld betrogen hat? Sicher nicht. Der überführte Mitarbeiter wäre vermutlich schneller vom Dienst suspendiert worden, als dieser seine Taten mit Gedankenlosigkeit hätte rechtfertigen können.  Anders im Fall Busch, wo Landrat Schartz eine seltsam anmutende Form von Korpsgeist unter urgewählten Hauptverwaltungsbeamten hat erkennen lassen und den Bürgermeister monatelang weiter gewähren ließ. Diese Tatenlosigkeit war dann  wohl auch mit ein Grund für die Koblenzer Richter, es bei der zeitlich begrenzten Kürzung der Bezüge Buschs zu belassen.
Bleibt am Ende noch der Mitarbeiter, der das jahrelange Fehlverhalten seines Chefs anzeigte und der sich seitdem mannigfache Anfeindungen gefallen lassen muss. Somit hat auch er verloren. Andere Mitarbeiter, denen interne Betrügereien oder Mauscheleien auffallen, werden es sich angesichts des Umgangs mit dem Hinweisgeber aus der Verbandsgemeinde Ruwer noch genauer überlegen, ob sie etwas gegen Missstände unternehmen oder vermutlich lieber schweigen. Die Dienstwagenaffäre und der Umgang mit ihr ist somit ein Paradebeispiel dafür, wie man nicht mit solchen Vorgängen umgehen sollte.

⇥h.jansen@volksfreund.de