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Kunst
Wo die Stühle zum Stehenbleiben einladen

Bunte Stühle in Franzenheim.
Bunte Stühle in Franzenheim. FOTO: Medienhaus Trierischer Volksfreund / Harald Jansen
Franzenheim. Auf Spurensuche in Franzenheim: Wer hat nur all die Sitzgelegenheiten verziert und an die Straße gestellt? Von Harald Jansen
Harald Jansen

Die Franzenheimer stellen seit einiger Zeit den Durchreisenden die Stühle vor die Tür. An mehr als 40 Stellen im Ort unterschiedlich gestaltete Sitzgelegenheiten, die mehr zum Schauen als zum Verweilen einladen. Was ist da los?

Für alles, was in einem Dorf passiert, sind angeblich die Ortsbürgermeister zuständig. Das stimmt in Wirklichkeit nicht immer, da die Ortschefs beispielsweise keinen Einfluss aufs Wetter oder die Torgefährlichkeit des Fußballvereins haben. Im Fall der Stühle könnte Ortsbürgermeister Christian Minn jedoch deshalb Bescheid wissen, da es sich bei den Stühlen um eine neue und innovative Art der Verkehrsberuhigung handeln könnte. Ein Telefonanruf mit Minn endet mit einem Teilerfolg. Zuständig für die Stühle sei er nicht, er wisse jedoch, wer etwas zu den Stühlen sagen kann. Merke: Ortsbürgermeister sind nicht für alles zuständig, können jedoch immer weiterhelfen.

Der Hinweis Minns führt zu Ute Lieser. Die Lehrerin im Ruhestand hatte die Idee für die Stuhlaktion. Sie platzierte an der Trierer Straße den ersten Stuhl und sagt: „Ich habe gedacht: ,Man könnte doch noch ein paar mehr machen’“. Ihr war schnell klar, dass die ganze Sache keine Einzelaktion bleiben soll. Deshalb sprach sie Simone Peters an, ob man da nicht gemeinsam etwas bewegen könnte. Merke: Wer eine gute Idee hat, muss Mitstreiter finden.

Peters war schnell Feuer und Flamme. „Ich habe mehrere Nachbarn angesprochen, auch einen Stuhl zu dekorieren“, sagt sie. Per Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich dann die Idee durchs Dorf rundgesprochen. Und so ist es gekommen, dass immer mehr Stühle an der Straße aufgestellt worden sind.

Man habe gemerkt, dass der ein oder andere sich anfangs nicht so richtig getraut hat, mitzumachen, sagt Simone Peters. „Einige Stühle sind erst einmal ein Stück entfernt aufgestellt worden“, sagt Peters. Nach und nach rückten die Kunstwerke dann immer näher an die Fahrbahn heran. Inzwischen gibt es Stühle nicht nur an der Hauptstraße durchs Dorf, sondern auch in einigen Nebenstraßen. Merke: Gute Vorschläge setzen sich durch.

Und was es da alles zu sehen gibt: bepflanzte Stühle, mit Muscheln dekorierte, mit Dinosauriern verzierte, mit Federn geschmückte oder mit Baumarktutensilien bepackte. Wer es noch genauer wissen will, der sollte sich die Zeit nehmen und nach Franzenheim fahren und dort durchs Dorf marschieren.

Ortsbürgermeister Christian Minn, Ute Lieser und Simone Peters sagen, dass die neue Dekoration dafür sorgt, dass Autofahrer nicht mehr so schnell durchs Dorf fahren. Doch das ist nicht der einzige positive Effekt. „Durch die Stuhlaktion ist viel Kommunikation untereinander entstanden“, sagt Lieser. Und das nicht nur innerhalb der Eltern- oder nur innerhalb der Großelterngeneration. Denn die teils kunstvoll geschmückten Sitzgelegenheiten wurden von Franzenheimern aller Altersklassen gestaltet.

Dass es im Dorf viel zu sehen gibt, ist schon länger bekannt. So wurden beispielsweise 2015 ganze Bäume umstrickt. An der Ecke Trierer Straße/Schulstraße haben Kinder einen Zaun angemalt.

Außerdem hängen im Ort bunte Tafeln, die ebenfalls von jungen Künstlern gestaltet worden sind. Merke: Die Franzenheimer sind immer wieder für eine Überraschung gut.