| 17:00 Uhr

Umwelt
Wo Verkehrslärm krank machen kann

Mit einem Schallpegelmesser wird die Belastung der Bevölkerung durch Lärm gemessen. Foto: dpa
Mit einem Schallpegelmesser wird die Belastung der Bevölkerung durch Lärm gemessen. Foto: dpa FOTO: dpa / Arno Burgi
Schweich. Die Verbandsgemeinde Schweich hat die Schallpegel an viel befahrenen Straßen messen lassen.
Albert Follmann

Laut Umweltbundesamt fühlen sich in Deutschland fast 60 Prozent der Menschen durch Straßenverkehrslärm belästigt, davon mehr als zehn Prozent stark oder äußerst stark. Insbesondere Personen, die über lange Zeit starkem Verkehrslärm ausgesetzt sind, haben ein erhöhtes gesundheitliches Risiko – etwa für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine Richtlinie der Europäischen Union (EU) zum Schutz vor Umgebungslärm wurde bei einer Neufassung des Bundesimmissionsschutzgesetzes in nationales Recht umgesetzt. Die Richtlinie besagt, dass in einem ersten Schritt die Belastung durch Umgebungslärm anhand von Lärmkarten und Betroffenheitsanalysen ermittelt werden soll. Diese Kartierung gilt nicht nur für Ballungsräume, seit 2017 werden in Rheinland-Pfalz auch Lärmkarten und Empfehlungen zur Problembeseitigung für Kommunen unter 100 000 Einwohner erstellt.

Diplom-Ingeneurin Sandra Strünke-Banz vom schalltechnischen Büro GSB (St. Wendel) stellte kürzlich im Verbandsgemeinderat Schweich den Entwurf einer Lärmaktionsplanung für die VG Schweich vor. Darin festgelegt sind auch sogenannte ruhige Gebiete, die vorsorglich vor einer Zunahme des Lärms geschützt werden sollen (siehe Info).

Die Untersuchungen zum Verkehrslärm konzentrierten sich auf Hauptverkehrsstraßen. Das sind die Autobahnen A 1 und A 602 und deren Zubringer, die Bundesstraßen 52 und 53 sowie die Hautdurchgangsstraße der Stadt Schweich (L 141).

Die nach Gemeinden erfolgte Auswertung zeigt, dass in der VG die Stadt Schweich und die Gemeinde Longuich am stärksten von Verkehrslärm betroffen sind. Weitere Betroffenheiten gibt es in Bekond, Fell und Kenn sowie mit Abstrichen in Mehring und Riol.

Werden die Grenzwerte von 70 Dezibel Lärm am Tag und 60 Dezibel in der Nacht überschritten, besteht laut Lärmaktionsplan „kurzfristig dringender Handlungsbedarf”. Laut Statistik sind in der VG Schweich 53 Personen (Tag) und 77 (Nacht) solchen extremen Geräuschpegeln ausgesetzt. Die kritischen Bereiche liegen entlang von Richt- und Brückenstraße in Schweich sowie an den Autobahnen 1 und 602 in Schweich, Longuich und Kenn.

Mittelfristiger Handlungsbedarf besteht ab Grenzwerten von 65 beziehungsweise 55 Dezibel. Diese Geräuschkulisse oder auch mehr müssen in der VG Schweich 249 Personen am Tag und 428 in der Nacht erdulden. Schulen liegen übrigens nicht in den kritischen Pegelbereichen.

Um eine spürbare Reduzierung des Straßenlärms zu erreichen, empfiehlt der Aktionsplan Tempo 30 auf der L 141 in Schweich, und zwar vom Kreisel an der Moselbrücke bis zur Einmündung Bahnhofstraße. Dort gilt jetzt Tempo 50. Durch das Tempolimit könne der Maximalpegel um bis zu sieben Dezibel gesenkt werden. Die Zahl der Betroffenen würde dadurch von 49 auf 13 am Tag und von 56 auf 25 in der Nacht sinken.

Laut Planerin Strünke-Banz bringen Tempolimits langfristig nur etwas, wenn flankierende Maßnahmen wie Reduzierung der Fahrbahnbreite, Anbringung von Verkehrsinseln und Durchführung von Verkehrskontrollen damit einhergehen.

Auf der L 141 in Schweich wird ferner der Einsatz eines lärmmindernden Fahrbahnbelags empfohlen. Bei Tempo 50 schluckt das immerhin etwa drei Dezibel Lärm.  Denkbar sei auch eine Kombination aus Tempolimit und Flüsterbelag.

Als mittelfristige, aber relativ teure Maßnahme zur Lärmminderung gelten Lärmschutzwände. Östlich von Schweich gibt es entlang der Autobahn eine bis zu 1,60 Meter hohe Wand. Diese ist allerdings schon älter und weist bautechnische Mängel auf. Die Stadt Schweich fordert seit Jahren, das hier nachgebessert wird. Der Bund hat noch keine Ausbauzusage gemacht, obgleich das Autobahnamt Montabaur (LBM) bereits detaillierte Pläne in der Schublade liegen hat.

Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der von starkem Lärm gebeutelten Anwohner bei einer Erhöhung der Wand auf vier Meter nahezu halbert werden könnte (statt 319 nur noch 175 Betroffene). Anders als im Schweicher Osten würde eine Erhöhung der Lärmschutzwand von zwei auf vier Meter entlang der A 602 bei Longuich-Kirsch kaum eine schalltechnische Verbesserung bringen.

Ähnlich einem Bebauungsplan sollen die Ergebnisse und Empfehlungen des Lärmaktionsplan-Entwurfs der VG Schweich offengelegt werden. Bürger können dann innerhalb von vier Wochen Anregungen und Stellungnahmen dazu abgeben. Die Gemeinden, die durch die Planung berührt werden, sollen sich bis Mitte August dazu äußern können.