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"Man muss das Handwerk lieben"

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist: Für den Kunstschmied Paul Kreten ist das die ganz alltägliche Herausforderung. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar
Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist: Für den Kunstschmied Paul Kreten ist das die ganz alltägliche Herausforderung. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar
Seine Handschrift tragen Metall- und Schmiedearbeiten in der gesamten Region, aber auch im angrenzenden Ausland bis hin nach Australien und Kanada: Der Kunstschmied Paul Kreten aus Bekond ist jüngst von Wirtschaftsminister Hendrik Hering für seine zahlreichen Ehrenämter in der Innung auf Landes- und Regionalebene ausgezeichnet worden. Von unserer Mitarbeiterin Sandra Blass-Naisar

Bekond. "Für diesen Beruf muss man geboren sein. Man muss das Handwerk lieben und zupacken können." Seine 60 Jahre sieht man Paul Kreten nicht an. Vor allem nicht, wenn er in seiner Werkstatt mit Blick auf die Weinberge in Bekond den Hammer schwingt und einem unscheinbaren Stück Eisen feuerfunkenfliegend Leben einhaucht. Sei es als einer der vielen Kirchturmhähne ringsum, als drei Tonnen schwere Kugelskulptur, die den Kreisel vor dem Industriepark Trier-Föhren schmückt, oder als vielfältige Fenster- und Zaungitter sowie Toranlagen, die sich um Schlösser, Palais und Bauernhöfe schließen. Von Schloss Quint bis hin zum Palais Kesselstatt, von Schloss Monaise, Lieser und Weilerbach bis hin zu einem Zehnthof in Spay am Rhein ist Kreten im Einsatz und erneuert historische Schmiedekunst. "Wir sind auf solche Renovierungsarbeiten spezialisiert", sagt der Chef, der die solide Schmiedearbeit schätzt. Keine Mätzchen, nichts Verspieltes. "Ich möchte, dass man sieht, wie Stahl, Kupfer oder Edelstahl be- und verarbeitet wurden." Er selbst arbeitet am liebsten mit Stahl, "weil man damit wirklich alles machen kann".

Kreten, der sich bereits mit 24 Jahren im elterlichen Wohnhaus in Bekond selbstständig gemacht hat, ist stolz, dass fast alles, was seine Werkstatt verlässt, von ihm entworfen wurde und seine Handschrift trägt.

Knapp 50 Gesellen hat er in 36 Jahren ausgebildet, darunter auch fünf junge Frauen, von denen drei bis zum Schluss durchhielten. Auch Sohn Alexander arbeitet mit im Betrieb.

Seine ungewöhnlichste Arbeit? "Sicher der überdimensionale Teigrührhaken aus Edelstahl, den wir in den Hamburger Hafen lieferten, oder der Kerzenleuchter mit dem Traubenmotiv, der für eine Kirche in Australien angefertigt wurde oder die Kupfertreibearbeit für einen Reiterhof in Kanada." Paul Kreten muss nicht lange überlegen. Ungewöhnliche Aufträge bekommt er oft. Ungewöhnlich ist auch seine Sammlung an Gesellenstücken, die er alle ausgestellt hat und an deren Macher er sich bestens erinnert. "Auch mein eigenes Gesellenstück ist dabei", freut er sich. "Ich habe es zurückgekauft. Viele Jahrzehnte stand das weiße Schmiedegeländer mit den Vergoldungen und den geschliffenen Glasaugen im Gourmettempel Sonora in Dreis. Jetzt hat es ein Ehrenplätzchen in meiner Sammlung."

Wie er sich fit hält? "Natürlich mit Arbeit. Meine Werkstatt ist mein Fitnessstudio. Jeden Tag ab 7.30 Uhr." Seinen größten Traum hat er sich mit seiner Frau erfüllt: die fünf Kontinente zu bereisen.

"Australien war das Highlight. Vielleicht komme ich da ja noch mal hin!" Spricht's, greift zum Lufthammer und lässt weiter ordentlich die Funken fliegen.

Extra Paul Kreten ist stellvertretender Landesinnungsmeister, Fachgruppenleiter Metallgestaltung Rheinland-Pfalz, Lehrlingswart der Innung Trier. Er sitzt in vielen Prüfungsausschüssen, ist Gutachter und Schlichter für die Innung und Senator beim ICV Issel.

Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist: Für den Kunstschmied Paul Kreten ist das die ganz alltägliche Herausforderung. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar
Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist: Für den Kunstschmied Paul Kreten ist das die ganz alltägliche Herausforderung. TV-Foto: Sandra Blass-Naisar