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Mann stirbt auf Bahngleis, Psychologen betreuen Zeugen

Ein Großaufgebot von Einsatzkräften rückt am Donnerstagmorgen zum Trierer Südbahnhof an, weil wenige Minuten vorher ein 36-jähriger Mann von einem Zug erfasst worden ist. TV-Foto: Christian Kremer
Ein Großaufgebot von Einsatzkräften rückt am Donnerstagmorgen zum Trierer Südbahnhof an, weil wenige Minuten vorher ein 36-jähriger Mann von einem Zug erfasst worden ist. TV-Foto: Christian Kremer FOTO: (h_st )
Trier/Konz. Viele Schüler und Berufspendler erleben den schockierenden Vorfall mit. Der Trierer Südbahnhof und die Strecke nach Konz und Luxemburg bleiben zwei Stunden gesperrt. Christian Kremer und Christiane Wolff

Trier/Konz Die Martinshörner schrecken Anwohner am Trierer Leoplatz gegen 7.40 Uhr am Donnerstagmorgen auf. Etwa ein Dutzend Einsatzfahrzeuge fahren am Südbahnhof vor. Ein Notarzt, mehrere Rettungswagen, Feuerwehrfahrzeuge und Polizeiautos sperren wenige Minuten später den Leoplatz und die Unterführung Richtung Heiligkreuz für den Verkehr.
Kurz zuvor hat der Regionalexpress 4107 aus Konz, der im Südbahnhof Trier laut Fahrplan nicht hält, seine Fahrt kurz hinter dem Bahnsteig abrupt gestoppt. Seine letzten Waggons reichen noch bis in den Bahnhofsbereich hinein.
Rettungssanitäter und ein Notarzt eilen zum Zug. Mehrere Polizisten und Feuerwehrleute bitten die Wartenden an den Bahnsteigen, den Bahnhof zu verlassen. Über den Lautsprecher ertönt eine Durchsage: Wegen eines Notarzteinsatzes fahren keine Züge mehr zwischen Trier und Konz. Hunderte Pendler und Schüler aus Trier, Konz und dem Umland kommen nicht wie gewohnt oder später zu ihren Arbeitsplätzen oder Klassen.
Der Grund: Am Ende des Bahnsteigs ist ein Mann offenbar auf das Gleis 2 gestürzt. Der Zug - unterwegs von Saarbrücken nach Koblenz - hat den 36-Jährigen überrollt. Der Mann stirbt sofort an seinen Verletzungen. Triers Polizeipressesprecher Uwe Konz erklärt später auf TV-Nachfrage: "Nach derzeitigem Ermittlungsstand gibt es keine Hinweise auf Fremdverschulden." Nach TV-Informationen gehen die Rettungskräfte von einem Suizid aus.
Polizisten leiten Eltern und Kleinkinder, die zum Beispiel zu Fuß auf dem Weg zur Kita am Bach sind, an der Sperrung vorbei durch die Unterführung. Autofahrer, die von Heiligkreuz Richtung Trier-Süd oder von der Saarstraße in den Höhenstadtteil wollen, müssen Umwege fahren.
Im Regionalexpress 4107 sitzen etwa 240 Reisende. Außerdem warten Dutzende am Bahnsteig. Polizei und Feuerwehr gehen durch den Zug und informieren die Reisenden darüber, was passiert ist. Erst dann evakuieren die Hilfskräfte den Zug und begleiten die Menschen - darunter auch Kinder und Jugendliche - vom Bahnsteig.
Teilweise hätten die Augenzeugen einen Schock erlitten, teilt die Polizei mit. Der Zugführer sei traumatisiert. Um die Menschen zu betreuen und ihnen Gelegenheit für Gespräche mit Seelsorgern und Psychologen zu geben, wird kurzzeitig ein Notfallversorgungszelt auf dem Leoplatz aufgebaut.
Fahrgäste, denen es soweit gut geht und die auf der Durchfahrt sind, werden von den Stadtwerken mit Bussen zum Trierer Hauptbahnhof gebracht, damit sie ihre Reisen fortsetzen konnten. Auch 34 minderjährige Schüler müssen das Geschehen miterleben - im Zug, der auf dem anderen Gleis kurz nach dem Unfall aus Richtung Hauptbahnhof in den Südbahnhof einrollt, und vom Bahnsteig aus. Polizeisprecher Uwe Konz: "Die Kinder und Jugendlichen haben unterschiedlich viel vom Geschehen mitbekommen. Um sie zu betreuen, werden sie in die nahe gelegene Blandine-Merten-Realschule gebracht. Dort kümmern sich Seelsorger und Psychologen um sie."
In der Turnhalle der Blandine-Merten-Realschule werden Gesprächskreise gebildet, Matten ausgelegt und Tee gekocht, damit die Schüler sich von den schlimmen Anblicken erholen können. Bis gegen 10 Uhr geht es allen zumindest wieder soweit gut, dass sie ihre Wege fortsetzen können. Die meisten fahren weiter zu ihren Schulen, andere werden von ihren Eltern abgeholt.
Gegen 9.30 Uhr heben Polizei und Feuerwehr die Sperrung von Unterführung und Leoplatz auf. Auch die Bahnstrecke und die Bahnsteige werden wieder freigegeben.
Der erste Zug, der Regionalexpress 5104, fährt planmäßig um 9.39 Uhr ab Südbahnhof Trier in Richtung Luxemburg.
Hinweis: Für Menschen, die sich in einer ausweglosen Lage wähnen oder sogar erwägen, sich das Leben zu nehmen, gibt es spezielle Hilfsangebote. Sie können dafür beispielsweise die Telefonseelsorge in Deutschland nutzen. Die Telefonnummern lauten: 0800/1110111 oder 0800/1110222. Auch Gespräche im eigenen Umfeld können helfen.
Extra: ZUGAUSFÄLLE UND VERSPÄTUNGEN


Knapp zwei Stunden - von 7.40 Uhr bis 9.30 Uhr - blieben die Bahngleise zwischen Trier-Süd und Konz am Donnerstag gesperrt. Dutzende Züge standen an den Bahnhöfen in Konz, am Trierer Hauptbahnhof und an, laut Bahn, "geeigneten Betriebsstellen" still. "Ein Ersatzverkehr mit Bussen konnte nicht eingerichtet werden", teilte die Bahn auf TV-Nachfrage mit. Wie viele Züge betroffen waren, darüber konnte die Bahn gestern keine Auskunft geben. Ein Sprecher bestätigte, dass es infolge der Sperrung zwischen Trier und Konz auch auf den Bahnstrecken entlang von Obermosel und Saar zu Verzögerungen und Ausfällen kam. Vom Südbahnhof pendeln täglich auch Hunderte nach Luxemburg zur Arbeit, am Haltepunkt Konz Kreuz steigen etliche zu. In Luxemburg selbst kam es am Donnerstagmorgen ebenfalls zu Verspätungen. Um kurz nach 7 Uhr war auf der Bahnstrecke zwischen dem französischen Thionville und dem luxemburgischen Bettemburg ein Mensch von einem Zug erfasst worden. Auch dieser Unfall endete tödlich. Über die Ursache ist nichts bekannt, wie das Luxemburger Wort berichtete.