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Porträt
Ein Schwur wird zur Lebensaufgabe

Leidenschaftlicher Organist: Der 92 Jahre alte David Funk übt an der Orgel in seinem Haus in Lorich die Stücke ein, die er bei den Messen in der Pfarrei St. Remigius Butzweiler spielt.
Leidenschaftlicher Organist: Der 92 Jahre alte David Funk übt an der Orgel in seinem Haus in Lorich die Stücke ein, die er bei den Messen in der Pfarrei St. Remigius Butzweiler spielt. FOTO: Pauline Leis
Trier/Newel-Lorich. Das Orgelspielen ist ein bedeutender Teil seines Lebens. Mit 92 Jahren bekommt David Funk aus Lorich nun einen neuen Arbeitsvertrag. Pauline Leis

David Funk ist ein Mann mit einer bedeutenden, emotionalen und sehr langen Geschichte. Der 92-Jährige ist der älteste Einwohner des Neweler Ortsteils Lorich, einem kleinen Dorf, in dem etwa 75 Menschen leben. Das Besondere an David Funk: Er hat in einem langen Leben nicht nur vieles erfahren, sondern ist zudem  ein leidenschaftlicher Orgelspieler. Im Mai dieses Jahres diente David Funk als Organist bereits 72 Jahre der Pfarrkirche Butzweiler.

Und jetzt hat der Senior sogar einen neuen Arbeitsvertrag bei der Pfarrei St. Remigius Butzweiler erhalten, nachdem er in den Jahren seit 2005 den Umfang seines Engagements als Organist  etwas reduziert hatte. Gemäß dieses Arbeitsvertrags spielt David Funk  monatlich zwei Sonntagsmessen in Butzweiler, zwei Tage in Kordel, einmal in Newel, einmal in Lorich und  bei einer Beerdigung.  Trotz dieser vielen Aufgaben sorgt der Organist auch noch einmal im Monat für musikalische Begleitung im Alten- und Pflegeheim  Helenenhaus in Trier, immer am letzten Sonntag im Monat. Er singt dort auch die lateinische Messe.

Der Orgelspieler hat in seiner Musikkarriere schon einiges erlebt. Er ist Ehrendirigent von Welschbillig, bis zur holländischen Grenze hat er auf Hochzeiten gespielt und auch im Trierer Dom. „Ich habe mal gezählt, wie viele Orgeln ich seit 2005 gespielt habe. Es sind 55 Stück“, sagt er begeistert. Seinen Erfolg dokumentieren zahlreiche Urkunden und Auszeichnungen, die über der Orgel in seinem Haus in Lorich hängen.

David Funks Weg zur Musik führt zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Im Alter von 18 Jahren musste er für zwei Jahre in den Krieg ziehen, seit Juli 1944 war er im Arbeitsdienst als Ausbilder tätig.  Am 30. März 1945 wurde er an der Grenze zum russischen Gebiet an der linken Schulter und am rechten Oberschenkel verwundet. Daraufhin kam Funk am 31. März 1945 in russische Gefangenschaft (siehe Info).

Dort hat  er sich geschworen: „Nach dem Krieg mache ich was für die Kirche.“ Dieses Vorhaben hat David Funk umgesetzt. Er hat sich als Organist einen Namen gemacht.  Kaum war er aus der Gefangenschaft in seinen Heimatort Lorich zurückgekehrt, begann er auch schon, Orgelunterricht bei einem Privatlehrer aus Biewer zu nehmen. Im Dezember 1945 hatte er die erste Orgelstunde, und bereits im Mai 1946 begann David Funks lange Geschichte als Organist in mehreren Pfarrkirchen. Seitdem sind die Orgel und David Funk nicht mehr voneinander zu trennen. Aufgrund des Mangels an Organisten übernahm er nach dem Krieg  in gleich drei Kirchen das Orgelspiel: in Butzweiler, Lorich und Welschbillig. Zudem hielt David Funk  noch seinen landwirtschaftlichen Betrieb am Laufen. Er war in diesen Jahren unterwegs von Messe zu Messe, von Dorf zu Dorf. Bis 2005 leitete er den Kirchenchor in Butzweiler und  sorgte jeden Sonntag in zwei Messen für die Musik. 2012 gründete David Funk mit 22 Sängern aus zehn Dörfern einen Kirchenchor.  

David Funk  denkt nicht ans Aufhören, er möchte noch lange Orgel spielen. Orgelspielen ist für ihn eine Lebensaufgabe.