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Natur
Wo Goldlack und Ödlandschrecke glänzen

Die Burgruine in Sommerau.
Die Burgruine in Sommerau. FOTO: Friedemann Vetter
Trittenheim/Sommerau/Nittel  . Ein Filmteam hat ein Video über den Nitteler Felsen gedreht. Auch der Trittenheimer Fährfels und ein Kleinod an der Ruwer kommen groß raus. Von Albert Follmann und Christian Kremer
Albert Follmann

Der Nitteler Felsen sieht aus der Luft beeindruckend aus. Gleich am Anfang des neuen Imagefilms über das bekannteste Naturdenkmal an der Obermosel sind die Drohnenaufnahmen zu sehen, die ein Filmteam aus der Uckermark im Sommer gemacht hat. Das Team hat den 900 Meter langen und 20 Meter hohen Felsen mit seinen Kameras geradezu seziert.

Auftraggeber ist das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel. Es möchte im Rahmen der Aktion „Lebendige Moselweinberge” die Artenvielfalt in den Weinbergen des Anbaugebiets Mosel einem breiten Personenkreis näherbringen. Das DLR hat die Filmer aus der Uckermark beauftragt, bis 2021 insgesamt 16 Leuchtpunkte an der Mosel zwischen Perl und Koblenz samt der zuständigen Naturerlebnisbegleiter in Szene zu setzen. Dafür gibt es Fördermittel von der EU. Leuchtpunkte sind auch der Fährfels in Trittenheim und – ganz neu – ab 2019 der Bereich um die Burgruine Sommerau.

 Naturerlebnisbegleiterin Marlene Bollig aus Trittenheim baut den Fährfels oft und gerne in ihre Wanderungen ein. Sie verrät, dass dort bereits im August einige Filmsequenzen gedreht wurden: „Das Team will im April wiederkommen, wenn der Goldlack blüht.” Der Goldlack ist eine Pflanze aus der Gattung der Schröteriche, die in den Felsspalten wächst. Ihren Namen hat sie von der leuchtend gelb-orangen Farbe.

Der Film über den Fährfels werde 2019 fertiggestellt, sagt Carsten Neß vom DLR in Bernkastel-Kues. Wann und wo er Premiere habe, stehe noch nicht fest. Am Fuß des Felsmassivs legte früher eine Fähre an, daher der Name Fährfels. Auf den historischen Weinbergsterrassen wachsen die Spitzenweine der Lagen Trittenheimer Apotheke und Trittenheimer Leiterchen. Zwei Sandstein-Sarkophage eines römischen Weinbergsbesitzers aus dem vierten Jahrhundert sind in dem Steilhang entdeckt worden.

 Dass die Burgruine Sommerau im kommenden Jahr einer von drei neuen Leuchtpunkten der biologischen Vielfalt im Weinanbaugebiet Mosel sein wird, das ist dem 19-jährigen Felix von Nell aus dem Weingut von Nell in Trier zu verdanken. Er ist Naturerlebnisbegleiter und hat den idyllischen Flecken an der Ruwer als Leuchtpunkt vorgeschlagen. Abstimmen durften alle Naturerlebnisgegleiter von der Mosel.

Sommerau wird 2019 die Riege der Leuchtpunkte an der oberen Mosel komplettieren. Denn mit dem Wawerner Jesuitenberg und dem Nitteler Felsen sind die Saar und die Obermosel bereits vertreten. Nun kommt also die Ruwer hinzu.

Landespfleger Carsten Neß: „Das Ensemble mit einem steilen Weinberg, der Ruine und einer Feuchtzone an einem alten Ruwerbogen ist biologisch äußerst interessant.” Man finde hier Reptilien wie Mauereidechse, Zauneindechse, Blindschleiche und Schlingnatter, aber auch die Blauflügelige Ödlandschrecke, die mit ihren blauen Flügeln wie ein Schmetterling aussieht. Auch die Pflanzenvielfalt sei beeindruckend. Laut Neß wird das Filmteam im kommenden Frühsommer in Sommerau drehen.

Die Filmprofis definieren ihre Aufgabe folgendermaßen: die Monumente und die Fauna und Flora anspruchsvoll in Szene setzen und in Zusammenhang mit der Mosel bringen. Es handele sich um einen Imagefilm mit seriösem Anliegen, erläutert Filmemacher Thomas Uhlmann.

Der Film über den Nitteler Felsen ist nach dem Streifen über das Erdener Treppchen und den Piesporter Moselbogen der dritte, der unter anderem auf der Internetseite www.lebendige-moselweinberge.de veröffentlicht worden ist. Der Nitteler Film wurde kürzlich anlässlich der Ernennung von 25 neuen Naturerlebnisführern beim DLR in Bernkastel-Kues uraufgeführt (siehe Info).

Alle Akteure hätten erkannt, dass das Projekt Lebendige Moselweinberge ein elementarer Bestandteil der regionalen Identität sei, sagte der Bernkastel-Wittlicher Landrat Gregor Eibes. War diese bisher auf den drei Säulen Wein, Tourismus und Natur aufgebaut, komme jetzt die Kulturlandschaft hinzu. Mit dem Thema Artenvielfalt habe man sich bisher zu wenig auseinandergesetzt, sagt Eibes.

Ein Filmteam hat  die Fauna und Flora am Fährfels in Trittenheim (Foto links) dokumentiert. Die  Artenvielfalt in den Weinbergen des Anbaugebiets Mosel soll  durch derartige  Videos  möglichst vielen bewusst  werden. Auch der Bereich um die  Burgruine Sommerau (rechts) zählt ab 2019 zu den Leuchtpunkten an der Mosel und wird  filmisch in Szene gesetzt.
Ein Filmteam hat  die Fauna und Flora am Fährfels in Trittenheim (Foto links) dokumentiert. Die  Artenvielfalt in den Weinbergen des Anbaugebiets Mosel soll  durch derartige Videos  möglichst vielen bewusst  werden. Auch der Bereich um die  Burgruine Sommerau (rechts) zählt ab 2019 zu den Leuchtpunkten an der Mosel und wird  filmisch in Szene gesetzt. FOTO: Albert Follmann