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Nur den Schweichern nutzt ein schwacher Jahrgang: Stefan-Andres-Gymnasium muss möglicherweise niemanden abweisen

Heiß begehrt ist die gemeinsame Orientierungsstufe am Gymnasium in Schweich. Die Schule darf pro Jahrgang nicht mehr als 225 Schüler aufnehmen.
Heiß begehrt ist die gemeinsame Orientierungsstufe am Gymnasium in Schweich. Die Schule darf pro Jahrgang nicht mehr als 225 Schüler aufnehmen. FOTO: Friedemann Vetter
Schweich/Kell/Konz/Hermeskeil/Trier. Die Schullandschaft im Landkreis Trier-Saarburg ist in Bewegung: Während einigen Standorten im Kreis die Schließung droht, haben die Gymnasien Konz und Schweich die Möglichkeit, mehr Schüler aufzunehmen als bisher. Derzeit spielen bei diesen Plänen die Stadt Trier und die Schulaufsicht jedoch nicht mit. Harald Jansen

Raimund Mirz hofft auf einen zahlenmäßig schwächeren Jahrgang. Der Direktor des Schweicher Stefan-Andres Gymnasiums musste vor Beginn des laufenden Schuljahrs elf Schülern die Aufnahme in die gemeinsame Orientierungsstufe versagen. Weil sie nach Auskunft der Kreisverwaltung Trier-Saarburg aus den falschen Wohnorten kamen. 40 andere Viertklässler wurden aufgrund fehlender Kapazitäten zu anderen Schulen geschickt. Grund: Die Schulaufsicht bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) hat die Schweicher gedeckelt.

Mehr als 225 Schüler pro Jahrgang dürfen Gymnasium und Realschule plus gemeinsam nicht aufnehmen. "Das war so, und das wird auch in Zukunft so bleiben", sagt Mirz. Dabei könnten er und seine Kollegen sich weiterhin gut vorstellen, mit zehn Klassen in das neue Schuljahr zu starten.
Nicht nur der Direktor des Schweicher Gymnasiums macht sich schon vor Beginn der eigentlichen Anmeldephase für Fünftklässler im Februar so seine Gedanken. Auch in Konz ist man bereit für Veränderungen. Auf Volksfreund-Anfrage teilt die Kreisverwaltung Trier-Saarburg mit, dass das Gymnasium in der Saar-Mosel-Stadt offen ist für Schüler aus Trier. Es sei mehrfach angeregt worden, "den ÖPNV so zu planen, dass er stärker auf die Schulen im Kreis ausgerichtet ist", sagt Pressesprecherin Martina Bosch. Doch die Stadt Trier lehne dies ab, obwohl es die Platzprobleme an Trierer Schulen verbessere.

Unter diesen Platzproblemen in Trier leiden vor allem Schüler aus der Verbandsgemeinde Trier-Land. Denn für viele von ihnen sind die Schulen in der Stadt diejenigen, die am einfachsten zu erreichen sind. Einen Anspruch auf Aufnahme haben sie jedoch nicht. Für die Stadt Trier stellt Pressesprecher Hans-Günther Lanfer fest, dass es nicht Aufgabe der Stadt sei, Schülern einen Platz zu garantieren. Zudem wird im dortigen Rathaus ebenso wie in der Kreisverwaltung keine Veranlassung gesehen, jenseits von Gesprächen auf Schulleiterebene über einen gemeinsamen Schulentwicklungsplan von Stadt und Kreis nachzudenken (siehe Extra).

Ganz andere Sorgen gibt es hingegen im Hochwald. Dort gibt es an den Realschule-plus-Standorten Kell und Zerf viel mehr Platz als Schüler. Und offensichtlich einen hohen Sanierungsbedarf. Mehrere Millionen Euro müssten dort unter anderem in den Brandschutz investiert werden - und das bei auf mittlere Sicht weiter sinkenden Schülerzahlen.
Bereits in der letzten Kreistagssitzung des Jahres war die Zukunft der Realschule plus Thema. Vermutlich im Frühjahr wird das Gremium entscheiden müssen, wie es weitergeht.

Das mögliche Aus für einen der beiden Schulstandorte muss nach Ansicht von FWG-Fraktionschef Bernhard Busch auch im Zusammenhang mit der IGS Hermeskeil und der dortigen Berufsschule gesehen werden. Dies hatte er in einem Antrag zur Schulentwicklung formuliert. Hintergrund ist, dass es in der Gesamtschule in der Hochwaldstadt inzwischen weniger Bewerber als Plätze gibt. Sollte sich die Hoffnung des Schweicher Direktors Raimund Mirz auf einen leicht schwächeren Jahrgang bewahrheiten, werden wohl auch die Hermeskeiler Zahlen weiter sinken.

Meinung

Keine Insel
Kreis und Stadt stellen Schulentwicklungspläne auf, weil sie es müssen. Lange Zeit haben sich einige Kreistage dagegen gewehrt. Diese Haltung schlägt sich in so manchem Planwerk nieder, das darauf abzielt, den Status quo zu zementieren. Die Folge davon sind Entwicklungen wie im Fall der Realschule Kell/Zerf. Dort muss sozusagen über Nacht an der Schulstruktur gewerkelt werden. Das ist ein kompliziertes Unterfangen. Denn eine Entscheidung für einen Standort hat auch Auswirkungen auf einen anderen. Dabei spielen Kreisgrenzen keine Rolle. Denn weder der Landkreis noch die Stadt sind schulpolitische Inseln. Es wäre hilfreich, wenn die Schulaufsicht stärker dafür sorgen würde, dass ein vernetztes System geschaffen wird, das allen Schülern hilft. Bisher verhält sich die Behörde jenseits der Maßregelung des Gymnasiums Schweich eher zu passiv. Dabei wäre es Zeit für klare Signale für andere Schulstandorte.
h.jansen@volksfreund.de

Extra


Kreise und kreisfreie Städte legen in Schulentwicklungsplänen fest, wo welche Bildungsangebote vorgehalten werden. Während es beispielsweise zwischen dem Eifelkreis Bitburg-Prüm und dem Landkreis Trier-Saarburg nahezu ausschließlich Berührungspunkte bei der Realschule?plus Irrel gibt, sind die Beziehungen zwischen dem Landkreis Bernkastel-Wittlich und der Stadt Trier enger. Schüler aus dem Raum Hetzerath/Salmtal sowie dem Raum Heidenburg tendieren traditionell Richtung Schweich. Zwischen dem Raum Saarburg/Hermeskeil und dem Saarland gibt es ebenfalls vielfältige Beziehungen. Für viele Schüler aus dem Trierer Land ist Trier der bevorzugte Standort.
Bei zu wenigen Plätzen in einer Schule entscheidet unter anderem die Herkunft der Schüler. So erhalten beispielsweise im Schweicher Gymnasium in erster Linie Kreiskinder einen Platz. Freie Plätze können an Trierer oder Bernkastel-Wittlicher gehen. har