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Rettung für die Thörnicher Ritsch

FOTO: (h_tl )
Thörnich/Ensch. Mit Hilfe einer Flurbereinigung soll die bekannte Mosel-Steillage Thörnicher Ritsch für den Weinbau erhalten werden. Kleine Parzellen werden zu großen zusammengelegt, es entstehen Weinberge, Wege und Mauern. Albert Follmann

Thörnich/Ensch. Wer in diesen Tagen am Moselörtchen Thörnich vorbeifährt, dem fallen zwangsläufig die umfangreichen Erdbewegungen im oberen Bereich der Thörnicher Ritsch ins Auge. Ortsfremde, die den markanten Moselberg nicht kennen, könnten dort einen Steinbruch vermuten. Doch die massiven Erdbewegungen haben nichts mit der Ausbeutung von Bodenschätzen zu tun - im Gegenteil. Hier wird dem Berg nichts genommen, sondern etwas zurückgegeben, was schleichend zu verschwinden drohte: die für die Mosel typische Wein- und Kulturlandschaft.
Immer mehr Brachland


Die massiven maschinellen Eingriffe in den Berg sind Teil einer Flurbereinigung. 43 Hektar Fläche hat das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in das Flurbereinigungsverfahren Thörnicher Ritsch einbezogen. Neben der eigentlichen Steillage, die 22 Hektar umfasst, gehören auch noch Flurstücke der Gemarkung Ensch dazu. Die "Ritsch", wie sie im Volksmund heißt, bestand aus einem Sammelsurium von Kleinstparzellen. Es gab 1245 Flurstücke, teilweise nur wenige Quadratmeter groß, und 112 Eigentümer. Diese Besitzverhältnisse führten zu starken Nutzungseinschränkungen. "Immer mehr Flächen, die früher für den Weinbau genutzt wurden, wurden zu Brachland", sagt Manfred Heinzen vom DLR. Darunter habe auch das Landschaftsbild gelitten.
Im Herbst 2015, nach der Traubenernte, waren die Besitzverhältnisse neu geordnet worden. Demnächst, im Mai, werden neue Wingerte gepflanzt. Heute gibt es nur noch 122 Flurstücke und 60 Eigentümer. Nach Mitteilung des DLR ist vor einigen Wochen mit dem Ausbau eines Haupterschließungsweges in der Thörnicher Ritsch begonnen worden. Wendestellen für Fahrzeuge wurden vergrößert, der obere Weg am Waldrand verbreitert. Teuerstes Einzelprojekt der 1,4 Millionen Euro teuren Flurbereinigung ist der Bau von sieben Monorackbahnen für rund 600 000 Euro. Dabei handelt es sich um Einschienen-Zahnradbahnen, die extreme Steigungen überwinden und die Arbeit des Winzers erleichtern - sei es beim Binden, Schneiden oder bei der Ernte zum Transport der Trauben. Zugmaschine ist eine Art Traktor, der auch eine Person befördern kann.
Der Thörnicher Winzer Bernhard Botzet ist Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft. Er begrüßt die Flurbereinigung: "Mit dem freiwilligen Landtausch sind wir an unsere Grenzen gestoßen, die neuen Parzellengrößen machen die Bewirtschaftung einfacher." Die Winzer selber müssen nur 140 000 Euro aufbringen; Bund, Land und EU zahlen 1,26 Millionen Euro. Auch für den Bau von Trockenmauern gibt es Fördermittel. Wie man Weinbergsmauern aufbaut, vermittelt ein Kurs am Samstag (siehe Extra).Meinung

Schon Adenauer baute auf sie
Wer schon einmal in der Thörnicher Ritsch Trauben gelesen oder sie im Bottich getragen hat, weiß, was ein Steilhang ist. Die Arbeit ist beschwerlich, ein maschineller Einsatz nicht möglich. Auch wenn der schieferbedeckte Südhang sehr gute Weine hervorbringt, eine Bewirtschaftung stand in keinem Verhältnis mehr zu den hohen Kosten. Hätte es hier keine Flurbereinigung mit einer so großzügigen Förderung gegeben, wäre die Ritsch wohl spätestens in einem Jahrzehnt von der Weinlagenkarte verschwunden. So aber lebt sie weiter, auch ihre Geschichten. Die berühmteste ist, dass Adenauer 1955 in Moskau dank Thörnicher Wein seine Verhandlungspartner milde stimmte und so deutsche Kriegsgefangene frei bekam. a.follmann@volksfreund.deExtra

Auch in Mehring, Detzem und Ensch wird eine Flurbereinigung erwogen. In Mehring werden die strukturellen Mängel erfasst, in Detzem plant das DLR eine Winzerbefragung. Ensch wartet: Flurbereinigung ja oder nein, das hängt von der Zukunft des Pumpspeicherkraftwerks Rio ab. alfExtra

Das DLR Mosel bietet einen Kurs an, der Winzern den Aufbau und die Sanierung von Stützmauern vermittelt. Termin: Samstag, 2. April, um 9 Uhr am Hauptweg der Thörnicher Ritsch, hinter dem Weinhäuschen Ludwig. Anmeldung bei Martin Bitdinger, DLR, Telefon 0651/9776-226. alf