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Rücken Windräder bald näher ans Moseltal?

Schweich/Mehring/Riol. Gibt es in der Verbandsgemeinde Schweich noch Flächen, auf denen Windräder erlaubt sind? Das ist die entscheidende Frage, wenn der Verbandsgemeinderat Schweich sich heute Abend mit der Änderung des Flächennutzungsplans befasst. Albert Follmann

Schweich/Mehring/Riol. Die Moseltal-Schutzverordnung aus dem Jahr 1979 hat das Ziel, die Schönheit und den Erholungswert des Moseltals zu erhalten. Aufgrund der Verordnung sind unter anderem Windräder auf den Höhenrücken tabu. Wenn die Anlagen mit den riesigen Rotorblättern von der Mosel aus sichtbar wären, so das Argument, würden sie das Landschaftsbild stören und könnten dem Tourismus schaden. In der Verbandsgemeinde (VG) Schweich hatte Ex-Bürgermeister Berthold Biwer vor sieben Jahren die Devise ausgegeben, mehr als die elf Windräder auf der Mehringer Höhe in Autobahnnähe könne es nicht geben. Ob trotzdem noch was geht, wird sich möglicherweise schon heute Abend zeigen. Dann legt der VG-Rat Schweich die Kriterien für die Windkraftnutzung fest (18 Uhr Rathaus Schweich).
Bekanntlich will Rheinland-Pfalz bis 2030 den Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken. Anlagen in Wäldern und auf Höhenrücken von Flusstälern sind nicht mehr von vorneherein tabu. Für den Bereich der VG Schweich hat die Firma Juwi Bauanträge für insgesamt neun Windräder gestellt (siehe Anhang). Die vorgesehenen Standorte sind in den Gemarkungen Mehring und Riol oberhalb der Molesbachbrücke und der Ferienanlage Triolago (siehe Karte). Werden die Windräder genehmigt und gebaut, wird man sie von der gegenüberliegenden Moselseite kilometerweit sehen - von Longuich bis Leiwen. Juwi hat von mehreren Standpunkten an der Mosel, dem oberen Ruwertal und dem vorderen Hochwald Fotomontagen anfertigen lassen, damit man die Dimensionen der Räder besser begreifen kann. Die Visualisierungen werden jetzt in den Räten betroffener Moselgemeinden diskutiert. Gestern Abend hat der Longuicher Rat sich damit befasst. "Die wird man unheimlich weit sehen", sagt Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder, "auf eine Berghöhe von 250 Meter werden noch einmal Windräder von 200 Meter Höhe draufgesetzt." Das sei für Weinbau und Tourismus keine gute Entwicklung. Ähnlich sieht es Longens Ortsbürgermeister Hermann Rosch: "Das war bis vor einigen Jahren undenkbar. Es sieht nicht schön aus." Wer mit dem Fahrrad oder dem Auto entlang der Mosel unterwegs sei, werde die geplanten Windräder nicht sehen, verspricht Juwi-Sprecher Michael Löhr.
Anträge Windräder:
Bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg liegen Bauanträge für 56 Windräder vor. Mit 29 sind die meisten in der Verbandsgemeinde Hermeskeil geplant, es folgen Trier-Land (14), Schweich (9), Konz (3) und Ruwer (1).

Meinung

Grenzerfahrung bei der Windkraft
Um die Windräder ist es still geworden. Das liegt aber nicht daran, dass sie weniger umstritten wären als früher, sondern daran, dass die Kommunen sich erst einmal neu sortieren müssen. Das Land hat ehrgeizige Ziele für erneuerbare Energien formuliert, ohne den Gemeinden entsprechende Rahmenbedingungen vorzugeben. Die besorgt man sich jetzt für teures Geld über Gutachten und Juristen. Wohin die Reise geht, zeigt sich bei den geplanten Anlagen in Riol und Neumehring. Erstmals werden die Rotoren vom Moseltal aus zu sehen sein. Das wird auch viele Leute auf die Palme bringen, die der Windkraft positiv gegenüberstehen. a.follmann@volksfreund.de